Mit Gedankenkraft einen Roboterarm bewegen

Brain-Computer-Interfaces könnten Menschen mit Lähmungen neue Selbstständigkeit ermöglichen. Doch was passiert, wenn die Technik künftig nicht nur heilt, sondern auch menschliche Fähigkeiten steigert?
von  Rupert Sommer
Lena Ganschow staunt über den Stand der Technikentwicklung.
Lena Ganschow staunt über den Stand der Technikentwicklung. © hr/Christian Brandt

Gedanken steuern einen Cursor, später vielleicht einen Roboterarm: Für Michael Mehringer könnte eine neue Technologie ein Stück Selbstständigkeit zurückbringen, wie die neue ARD-Dokumentation "ARD Wissen: Chip im Kopf" eindrucksvoll zeigt. Seit einem Unfall ist er vom Hals abwärts querschnittsgelähmt. Nun trainiert er, mithilfe eines sogenannten Brain-Computer-Interfaces (BCI) Bewegungen allein mit seinen Gedanken auszulösen. Wissenschaftsjournalistin Lena Ganschow begleitet ihn und ein Münchner Forschungsteam bei einem Projekt, das die Medizin grundlegend verändern könnte.

256 hauchdünne Nadeln sitzen in Mehringers motorischem Kortex, der Bewegungszentrale des Gehirns. Sie registrieren die Hirnsignale, die mit einem Bewegungswunsch verbunden sind, und leiten die Daten an eine Schnittstelle weiter, die aus seinem Hinterkopf ragt. Per USB-Kabel gelangen die Informationen an einen Rechner. Zunächst geht es darum, einen Cursor auf einem Bildschirm allein durch Gedanken zu bewegen. Im nächsten Schritt soll Mehringer einen Roboterarm steuern können.

Wenn über die Schnittstelle das Hirn "gefüttert" wird

Am TUM Klinikum in München arbeiten Neurowissenschaftler, Neurochirurgen und Robotik-Spezialisten daran, die Technologie weiterzuentwickeln. Michael Mehringer ist dabei nicht nur Patient, sondern auch Forschungspartner. Seine Erfahrungen helfen dem Team, die Möglichkeiten der Hirn-Computer-Schnittstelle auszuloten.

Doch BCI-Technologie kann mehr, als Hirnsignale auszulesen. Ein Unternehmen aus Freiburg hat eine Schnittstelle entwickelt, die Informationen nicht nur aus dem Gehirn heraus-, sondern auch in das Gehirn hineinleiten kann. Besonders bei der Behandlung von Schlaganfällen könnte diese Technologie neue Möglichkeiten eröffnen und den Regenerationsprozess unterstützen.

Läuten Brain-Computer-Interfaces damit eine neue Ära der Medizin ein? Welche Chancen bieten sie für Menschen mit Schädigungen des Gehirns oder des Nervensystems? Diesen Fragen geht Lena Ganschow in ihrem Film nach. Über ein halbes Jahr begleitet sie Michael Mehringer und das Münchner Forschungsteam und erlebt dabei, wie sich die Technologie weiterentwickelt.

ARD Wissen: Chip im Kopf - Mo. 26.10. - ARD: 23.05 Uhr

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