"Lord of the Flies": Neue Serie über das zeitlose Ende der Unschuld

Die vierteilige Miniserie "Lord of the Flies" auf Sky und Wow präsentiert William Goldings zeitlosen Roman über den Verfall von Gesellschaftsnormen in neuem, aber originalgetreuen Gewand.
von  (stk/spot)
"Lord of the Flies" basiert auf dem gleichnamigen Roman von William Golding aus dem Jahr 1954.
"Lord of the Flies" basiert auf dem gleichnamigen Roman von William Golding aus dem Jahr 1954. © © 2025 Eleven Film Ltd. All Rights Reserved.

Der Roman "Herr der Fliegen", im Original "Lord of the Flies", zählt zu Werken, die jeder im Laufe seines Lebens gelesen haben sollte. Wie Herman Melvilles "Moby Dick", George Orwells "1984" und "Farm der Tiere" oder Harper Lees "Wer die Nachtigall stört" ist William Goldings Debütroman von zeitloser Relevanz. Er führt uns vor Augen, wie fragil Gesellschaft und Psyche sind - und wie schnell in beiden Fällen totalitäre Strukturen Einzug halten können.

1954 ließ Golding in seinem Buch eine Gruppe Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren auf einem vermeintlichen Inselparadies und auf sich allein gestellt abstürzen. 72 Jahre später, ab dem 24. Februar, landen sie dank der vierteiligen britischen Miniserie "Lord of the Flies" auf Sky sowie Streamingdienst Wow. Das Ergebnis ist ebenso aufrüttelnd wie sehenswert.

Das Faustrecht löst die Logik ab - darum geht es

Eine Gruppe englischer Schuljungen überlebt einen Flugzeugabsturz und strandet auf einer unbewohnten Insel in der Südsee. Ein Teil von ihnen, der "Chor", stammt aus einer Eliteschule und hat mit Jack bereits einen etablierten Anführer. Die übrigen Jungen kennen einander zunächst nicht, finden sich aber ebenfalls als Gruppe zusammen und bestimmen den zwölfjährigen Ralph zu ihrem Anführer - einen Jungen mit einem ausgeprägten Sinn für Ordnung und Moral.

Zwischen den beiden Gruppen, die einander mit wachsendem Misstrauen begegnen, herrscht von Beginn an ein Machtkampf. Ralph, der sich darum bemüht, feste Regeln zu schaffen, erhält Unterstützung von Piggy, einem klugen Außenseiter, sowie von dem feinfühligen Simon. Der impulsive Jack hingegen hält nichts von den Bemühungen, die alten Strukturen beizubehalten, er setzt auf Spaß ohne Regeln und zunehmend auf das Gesetz des Stärkeren. Mit seiner rücksichtlosen Art schart er nach und nach immer mehr Kinder als Mitläufer um sich - bis der Konflikt blutig wird.

Die Faszination des Niedergangs

In der Geschichte der Sozialpsychologie haben Experimente zu Gruppendynamiken ("Stanford-Prison-Experiment") und dem Gehorsam gegenüber Autoritäten ("Milgram-Experiment") zu unfassbaren - unfassbar erschreckenden - Ergebnissen geführt. Wohl auch deshalb weiß die Geschichte aus "Lord of the Flies" seit jeher auf morbide Weise zu faszinieren und inspirierte zahlreiche andere Werke, sei es die Serie "Yellowjackets" oder die "Eat the Rich"-Satire "Triangle of Sadness".

Speziell die Entscheidung von Golding, seine Robinsonade ausschließlich mit minderjährigen Jungs zu bevölkern, ist auch heute noch simpel wie genial. So ist es nicht nur ein autoritäres, erbarmungsloses Regime, das sich unter ihnen formiert. Es ist zugleich der ultimative Verlust der als sicher angenommenen kindlichen Unschuld, die die Handlung lange nachklingen lässt. Immer verbunden mit der unbequemen Frage: Auf welcher Seite der Insel würde ich mich wohl wiederfinden?

Über sieben Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung habe der Inhalt "nichts von seiner Kraft und Komplexität verloren und könnte aktueller nicht sein. Eine Gemeinschaft zerbricht und verfällt der betäubenden Macht des Stärkeren", merkt Karin Schrader, Vice President Programming & Acquisitions Sky Deutschland, an. Tatsächlich erkennt man in der Serie und dem Roman erstaunlich viele Parallelen zu dem, was gerade in den USA unter Präsident Donald Trump passiert.

Der perfekte Mann für den Job

Für die vierteilige Serienadaption von "Herr der Fliegen" zeichnet mit Jack Thorne eine Person als Drehbuchautor verantwortlich, der wie gemacht für den Originalstoff scheint. Immerhin widmete er sich im vergangenen Jahr mit der hochgelobten Miniserie "Adolescence" ebenfalls den tiefen psychischen Abgründen eines Jungen. Einen Emmy in der Kategorie "Bestes Drehbuch in einer Miniserie" war der wohlverdiente Lohn.

Also Erfahrung hinter, dafür frischer Wind vor der Kamera: Über 30 Jungs wurden für "Lord of the Flies" gecastet, viele davon feierten ihr professionelles Schauspieldebüt. Was bei einem erwachsenen Schauspiel-Ensemble nicht unbedingt förderlich wäre, passt für die Adaption des Kultromans perfekt. Starpower schadet zuweilen der Immersion, mit weitestgehend unbekannten Nachwuchsdarstellern bleibt das kindliche Schauspiel derweil authentisch.

Wer sich nur noch vage an die Schullektüre "Herr der Fliegen" erinnert und/oder die Geschichte originalgetreu, aber in modernem Gewand erleben will: Ab 24. Februar gibt es die vierteilige Miniserie "Lord of the Flies" auf Sky Atlantic in Doppelfolgen zu sehen. Auf Sky und dem Streamingdienst Wow steht sie ab dann auf Abruf bereit.

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