Kritik zum "Tatort: Wo ist Mike?" aus Franken: Kein Krimi, aber ein richtig guter Film

Der "Tatort" aus Franken glänzt mit schönen Drehbuchideen und ist ein richtig guter Film geworden.
| Philipp Seidel
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Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) sind bestürzt über die aktuellen Entwicklungen des Falls in einer Szene aus "Tatort: Wo ist Mike?".
picture alliance/dpa/BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH | Marc Reimann Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) sind bestürzt über die aktuellen Entwicklungen des Falls in einer Szene aus "Tatort: Wo ist Mike?".

Wenn du am Morgen nackt auf dem Marktplatz deiner Heimatstadt aufwachst, weil du zuvor in Amsterdam gefeiert hast, dann hast du vermutlich irgendwas richtig gemacht (denn Jugendliche sind so) - und du hast hoffentlich etwas daraus gelernt (denn man wacht nur ungern nackt auf dem Marktplatz seiner Heimatstadt auf, während eine Gruppe Touristen einen anstarrt). Grenzen testen, Grenzen erkennen, erwachsen werden!

Aber was ist hier echt, was nur Einbildung? "Wo ist Mike?", der starke "Tatort" aus Franken (Drehbuch: Thomas Wendrich, Regie: Andreas Kleinert), spielt mit den Wirklichkeitsebenen, nicht immer kann man sie sicher zuordnen. Allein das macht ihn schon interessant. Ein Fünfjähriger verschwindet spurlos, seine getrennt lebenden Eltern (Andreas Pietschmann, Linda Pöppel) machen sich gegenseitig Vorwürfe.

Schöne Drehbuchideen beim Franken-Tatort

Dann hat das Drehbuch ein paar schöne Ideen: Wir sehen eine verliebte Kommissarin und einen Frühstücksei-Exzess, wir lernen etwas über die Tücken der modernen Wohnarchitektur (Kommissare stehen vor einem schwarzen Hauskasten, fragen erst: "Wo ist denn hier die Tür?", dann, nach Tür-Findung: "Und wo ist jetzt hier die Klingel?") Und noch ein paar Hübschheiten.

Und dann sind da ja noch die Charaktere! Es ist fast ein Zuviel an Figuren, die man fasziniert betrachtet: die wunderbar verliebte Ermittlerin Paula Ringelhahn (hinreißend: Dagmar Manzel), ihr einfühlsamer Kollege Felix Voss (Fabian Hinrichs), der ohnehin einer der besten "Tatort"-Typen ist und hier mit den Geistern seiner Vergangenheit zu kämpfen hat. Sylvester Groth mit seinem groben Gesicht und der sanften Stimme als verliebter Lehrer unter Verdacht. Oder Michelle Barthel, die gerade erst in der ARD-Banken-Satire "Goldjungs" (noch in der Mediathek!) glänzte und nun im "Tatort" die treue Freundin Coco spielt und die eigentliche Nebenrolle zum Hingucker macht.

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Und schließlich und vor allem Simon Frühwirth als Titus, der zwischen der echten und der eingebildeten Welt hängt und die tragische Figur ist in diesem Film, der eigentlich gar kein Krimi ist, was aber eben wegen dieser tollen Figuren niemanden stören sollte. Krimis gibt es ja nun wirklich genug. Gute Filme sind ja doch seltener.

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