Kritik zum "Tatort: Der Welten Lohn" - nicht rasend spannend, aber gut gespielt

Der "Tatort: Der Welten Lohn" aus Stuttgart erzählt die Geschichte eines Mannes, der geopfert wurde, vergeblich Dank verlangt und nun Vergeltung sucht.
| Philipp Seidel
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Oliver Manlik (Barnaby Metschurat), der sein früheres Leben zurückbekommen will versucht, die Kommissare Lannert (Richy Müller, hinten l) und Bootz (Felix Klare, hinten r) dafür zu instrumentalisieren.
Benoît Linder/SWR/dpa Oliver Manlik (Barnaby Metschurat), der sein früheres Leben zurückbekommen will versucht, die Kommissare Lannert (Richy Müller, hinten l) und Bootz (Felix Klare, hinten r) dafür zu instrumentalisieren.

Achtung, Spoiler! Diese TV-Kritik gibt mehr oder weniger konkrete Hinweise auf die Handlung und das Ende des Stuttgart-Falls "Tatort: Der Welten Lohn" . Wenn Sie nichts verraten bekommen wollen, warten Sie mit der Lektüre des Textes, bis Sie den Film gesehen haben.


"Als gelernter Ingenieur", sagt der Firmenchef, "erlaube ich mir keine Fehler." Kurz darauf beziffert er ein Anliegen mit "Null Komma Null ..." und fügt hinzu: "... Komma Null!" Da fasst sich auch die Generation Mathe-Homeschooling kollektiv an den Kopf, und als Zuschauer weiß man: Dem Mann ist nicht zu trauen.

Das muss auch sein ehemaliger Mitarbeiter Oliver Manlik (Barnaby Metschurat) bald erkennen. Der saß für seine Firma jahrelang als Bauernopfer in den USA im Gefängnis - und verlangt jetzt eine Entschädigung. Die Forderung fällt zwar wirklich sehr sportlich aus, ist aber grundsätzlich verständlich. Doch sein Ex-Chef (Stephan Schad) macht sich nicht mal die Mühe, vom Sofa aufzustehen, um den armen Manlik zu empfangen, den er eigens zu sich nach Hause beordert hatte.

Stuttgarter Tatort: Nichts zu meckern

Bleibt immerhin die Familie. Aber Manlik geht es da wie Tom Hanks im Verschollenen-Drama "Cast Away": Kaum ist man mal ein paar Jährchen verschwunden, baut sich die Gattin schon ein neues Leben auf, und der Sohn will auch nichts mehr von seinem Vater wissen.

Wir sehen im Stuttgarter "Tatort: Der Welten Lohn" (Buch: Boris Dennulat, Regie: Gerd Schneider) die traurigste Probesprengung der Filmgeschichte (sollte aber so sein, erfahren wir später: Es war eine Übung für einen der traurigsten Sprengstoffanschläge der Filmgeschichte). Dafür explodiert der zuvor so mild und schüchtern lächelnde Manlik umso heftiger, als sein Entschädigungsersuchen lachend zurückgewiesen wird. Wir haben es mit einem Auftragskiller zu tun, den es zurückzupfeifen gilt, mit einem übereifrigen Bodyguard, mit einem pfiffigen Polizeipathologen. Und der toten Mitarbeiterin der mächtigen Firma. Deshalb kommen die beiden Ermittler Lannert und Bootz (Richy Müller und Felix Klare) überhaupt ins Spiel.

Der SWR-Krimi ist die Studie eines Mannes, der geopfert wurde, vergeblich Dank verlangt und nun Vergeltung sucht. Nicht rasend spannend erzählt, aber sehr eindringlich gespielt. Da gibt es nichts zu meckern.

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