Kritik: So ist der Tatort: Waldlust mit Lena Odenthal aus dem Schwarzwald

Im neuen Ludwigshafen-"Tatort: Waldlust" zwingen sich Odenthal und Co. zum Teambuilding in ein gruseliges Gasthaus im Wald. Nicht nur die Ermittler, auch der Zuschauer hat 90 anstrengende Minuten vor sich.
| Markus Giese
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Blutig: Bert Lorenz (Heiko Pinkowski) ist aus gutem Grund mäßig begeistert, dass die Polizei bei ihm einkehrt.
SWR/Martin Furch Blutig: Bert Lorenz (Heiko Pinkowski) ist aus gutem Grund mäßig begeistert, dass die Polizei bei ihm einkehrt.

Dass Johanna Stern (Lisa Bitter) in der ranzigen Küche des Lorenzhofs feststellt, dass das Ludwigshafener Ermittler-Team "in Sachen Kommunikation" noch Luft nach oben hat, ist natürlich ein bisschen ironisch, wenn man bedenkt, dass Drehbuchautor Sönke Andresen und Regisseur Axel Ranisch nach "Babbeldasch" auch im zweiten Experimental-"Tatort" auf volle Impro-Power ihres Ensembles setzen: keine vorgegebenen Dialoge, keine Einsicht ins Drehbuch und erst recht keine Ahnung, wer der Mörder ist. Immerhin sind jetzt Profis statt Laien am Werk, was das Konzept diesmal, mit wenigen Ausnahmen, aufgehen lässt und sogar so manche amüsante Schlagfertigkeit zu Tage bringt. Komischer Typ? Klar, bei "500 Einwohner, zwei Nachnamen". So gar nicht gewöhnen will man sich aber an Doro (Eva Bay), die Nichte des groben Hotelbesitzers Bert Lorenz (Heiko Pinkowski). Die wirkt trotz tiefsten Kindheitstraumas einfach zu absurd überdreht.

Tatort: Ungewöhnliche Kameraführung, ungewöhnliche Filmmusik

Aber "Waldlust" will ja wehtun, ist mehr Kammerspiel als Sonntagskrimi. Mit einer Kamera, die zeitweise die Sehgewohnheiten des deutschen Fernsehfilmkonsumenten bis ins Mark erschüttert. Hinzu kommt die musikalische Untermalung. Eine von Martina Eisenreich komponierte und von der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz eingespielte "Tatort"-Sinfonie, die das freie Spiel der Protagonisten dominiert – bis immer wieder schief singende Sägeblätter den Klangteppich zersäbeln und das Unbehagen auf die Spitze treiben.

Blutig: Bert Lorenz (Heiko Pinkowski) ist aus gutem Grund mäßig begeistert, dass die Polizei bei ihm einkehrt.
Blutig: Bert Lorenz (Heiko Pinkowski) ist aus gutem Grund mäßig begeistert, dass die Polizei bei ihm einkehrt. © SWR/Martin Furch

Die Figuren sind kaputt, die Geschichte ist kaputter. Schnell wird klar, dass die Tatsache, dass "des Indänedd nedd funktioniert", wie Kriminal-Assistentin Edith Keller (Annalena Schmidt) bemerkt, an diesem gott- und zeitverlassenen Fleckchen noch das geringste Problem sein wird. Im Gegensatz zu "Babbeldasch" sind sie und Peter Becker (Peter Espeloer) übrigens die Einzigen, die mit Pfälzer Dialekt aufwarten, was die ohnehin schon anstrengende Angelegenheit wenigstens nicht unnötig verschärft.

Lena Odenthal erstmals ohne Kopper

Und spätestens als der fragwürdig qualifizierte Teamcoach und Psychiater Simon Fröhlich (Peter Trabner) einen menschlichen Zehknochen aus dem vegetarischen Ragout zuzelt, verlässt, neben dem Zuschauer, auch (die erstmals ohne Kollege Kopper auftretende) Kommissarin Odenthal (Ulrike Folkerts) endgültig die Hoffnung, es handle sich bei diesem Teambuilding-Horrortrip vielleicht doch nur um ein bizarres Krimi-Dinner.

Jede Menge Blut, Schweinehälften im Schlafzimmer und ein astreiner Jumpscare machen das brachiale Arrangement dieses Gruselkabinetts komplett. Das nimmt einen zweifelsohne mit - ob man‘s jetzt angenehm findet oder nicht.

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