Kritik: Dortmunder Tatort: Zorn - Dümpel-Krimi in VHS-Manier

Der Dortmunder "Tatort: Zorn" bringt dem Zuschauer zwei aktuelle Gesellschafts-Themen bei und bleibt dabei eher gemächlich. Wirklich Spannung kommt nicht auf.
| Dominik Petzold
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Die Kommissare Nora Dalay (Aylin Tezel) und Jan Pawlak (Rick Okon, M) mit dem ehemaligen Bergmann Stefan Kropp (Andreas Döhler).
Martin Valentin Menke/WDR/ARD/dpa Die Kommissare Nora Dalay (Aylin Tezel) und Jan Pawlak (Rick Okon, M) mit dem ehemaligen Bergmann Stefan Kropp (Andreas Döhler).

Achtung, Spoiler! Diese TV-Kritik gibt mehr oder weniger konkrete Hinweise auf die Handlung und den Ausgang des Dortmunder "Tatort: Zorn". Wenn Sie den Film sehen wollen, ohne vorher etwas verraten zu bekommen, warten Sie mit der Lektüre des Textes bis nach der Ausstrahlung (Das Erste, 20.1.2019, 20.15 - 21.45 Uhr). 


Der Tatort ist ja oft die Fortsetzung der Volkshochschule mit anderen Mitteln: Die Krimis bringen dem Publikum gesellschaftlich relevante Themen näher. Bei "Zorn" sind das gleich zwei: die "Reichsbürger" und das Ende des Steinkohlebergbaus im Ruhrpott – vor einigen Wochen schloss dort die letzte Zeche.

So auch im Dortmunder Tatort: Hier soll die letzte Zeche in einen Freizeitpark überführt werden. Die arbeitslosen Bergleute haben noch mehr Probleme, viele Häuser wegen sind Bergschäden unbewohnbar, doch die Bergbaugesellschaft will sie nur mit lausigen Entschädigungszahlungen abspeisen. Ralle (Thomas Lawinky) und Kropp (Andreas Döhler) fluchen in der Zechenkneipe oder im tristen Wohnwagen vor sich hin, zwischen Pils, BVB-Wimpeln und allgemeiner Tristesse. Und aus lauter Zorn wollen sie, was man den beiden nicht so recht abnimmt, ein altes Stahlwerk in die Luft sprengen.

Die Kommissare Nora Dalay (Aylin Tezel) und Jan Pawlak (Rick Okon, M) mit dem ehemaligen Bergmann Stefan Kropp (Andreas Döhler).
Die Kommissare Nora Dalay (Aylin Tezel) und Jan Pawlak (Rick Okon, M) mit dem ehemaligen Bergmann Stefan Kropp (Andreas Döhler). © Martin Valentin Menke/WDR/ARD/dpa

Tatort: Zorn - teilweise unterhaltsam aber nie spannend

Auch der Reichsbürger (Götz Schubert) ist zornig, und zwar auf die ganze BRD: einen von den Amerikanern besetzten und gelenkten Staat, wie er meint. Zum Glück hat er mit dem nichts mehr zu tun, da er sein eigenes Reich regiert: das "Freie Reich Frieden", dem er als Staatenlenker vorsteht. Aus Mangel an Untertanen ist er in Personalunion auch das Militär seines Reichs, hortet Waffen und Sprengstoff und verkauft sie wohl auch, um seinen Staat zu finanzieren.

Dieser Teil des Films ist skurril-unterhaltsam, die rechtsradikale Problematik mit den "Reichsbürgern" bleibt aber völlig unterbelichtet. Und auch die Kumpels liefern eher Kolorith, als dass man etwas über den Strukturwandel im Ruhrgebiet erfahren würde. Stattdessen dümpelt dieser Tatort gemächlich vor sich hin: Kommissarin Bönisch (Anna Studt) öffnet sich dem Reiki, Nora Dalay (Aylin Tezel) und Jan Pawlack (Rick Okon) liefern sich Büro-Scharmützel, und Kommissar Faber (Jörg Hartmann) ist mittlerweile so nah am Nervenzusammenbruch, dass er ständig heiter ist. Keinerlei Spannung reißt den Zuschauer aus der Gemütlichkeit, auch nicht gegen Ende.

Die Auflösung? Geschenkt

Dass man der Auflösung nicht gerade entgegenfiebert, ist ein Glück: Denn eine eindeutige Auflösung bleibt aus. Wahrscheinlich war der Reichsbürger der Mörder, genaues weiß man nicht.

Erinnerungswürdig ist nur Bibiana Beglaus Auftritt als überspannte, überkandidelte Hexe vom Verfassungsschutz. Der hat irgendwie gewaltig Dreck am Stecken. Aber mit den Einzelheiten zu diesem dritten großen Thema wird der Zuschauer nicht belastet.

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