Kölner Tatort: Gefangen: Solide, aber nicht herausragend

Der neue Kölner "Tatort: Gefangen" befasst sich vor allem mit der Psyche von Kommissar Max Ballauf, den extreme Schuldgefühle plagen. Vor allem eine Nebendarstellerin macht den Krimi jedoch zu einem soliden, aber nicht herausragenden "Tatort". Die AZ-Kritik.
| Philipp Seidel
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Max Ballauf ist im Dienst, aber nicht richtig da. Er wendet sich ab, während Rechtsmediziner Dr. Joseph Roth und Freddy Schenk die Leiche von Prof. Krüger untersuchen.
WDR/Thomas Kost Max Ballauf ist im Dienst, aber nicht richtig da. Er wendet sich ab, während Rechtsmediziner Dr. Joseph Roth und Freddy Schenk die Leiche von Prof. Krüger untersuchen.

Achtung, Spoiler! Diese TV-Kritik gibt mehr oder weniger konkrete Hinweise auf die Handlung des Köln-"Tatort: Gefangen". Wenn Sie nichts verraten bekommen wollen, warten Sie mit der Lektüre des Textes, bis Sie den Film gesehen haben (Das Erste, 17.05.2020, 20.15 - 21.45 Uhr und in der ARD-Mediathek).


So konsequent hat zuletzt Horst Schimanski die Psychotherapie gemieden. Der hätte sie sicher auch mal nötig gehabt, aber natürlich nie auch nur einen Fuß in eine Praxis gesetzt. Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) nimmt immerhin noch kurz Platz, bevor er die Therapeutin (Juliane Köhler) wieder frustriert zurücklässt.

Männer machen doch keine Therapie! Selbst dann nicht, wenn das Phantom der Kollegin, die Ballauf versehentlich erschossen hat, ihn wirklich überall hin verfolgt und ihn völlig aus der Spur wirft – was seinen Kollegen Freddy Schenk (Dietmar Bär) bald verständlicherweise ziemlich nervt.

Ein Krimikarussell mit rasanten Kurven

Im Kölner "Tatort: Gefangen" (Regie: Isa Prahl, Buch: Christoph Wortberg) geht es eigentlich darum, den Mord am Leiter einer psychiatrischen Klinik aufzuklären. Die Umstände dieses Todes sind aber ganz schön kompliziert, allerlei Menschen fahren auf dem Krimikarussell mit, und so macht die Handlung eine rasante Kurve nach der anderen. Bei Minute 45 meint man, dass doch eigentlich gleich die Abspannmusik kommen müsste.

Bei Minute 70 weiß man: Der Täter, den Ballauf und Schenk da geschnappt haben, ist nicht der wirkliche Täter – man kann ja schlecht die verbleibenden 20 Minuten die beiden Kommissare beim Bratwurstessen zeigen, wie sie den Fall Revue passieren lassen. Also: Noch eine Kurve! Die führt zurück zu Julia Frey (großartig gespielt von Frida-Lovisa Hamann), um die sich hier alles dreht. Das Opfer, das sich wehrt, trägt seinen Namen auf absehbare Zeit zu unrecht.

Wir lernen in diesem soliden, aber nicht herausragenden "Tatort" nebenbei: Die Verrückten sitzen nicht zwingend in einer geschlossenen Psychiatrie. Die wirklich unheimlichen Menschen trifft man außerhalb.

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