Kino-Highlights der Woche: Der größte Film des Jahres?
Ist das hier der größte Kinofilm des Jahres? Alles andere wäre wohl eine Enttäuschung. Denn, bei allen Göttern des Olymp, wie sollte es noch größer gehen? Christopher Nolan verfilmt Homers "Odyssee", eine der ältesten und bedeutendsten Geschichten der abendländischen Kultur. Das Drama aller Dramen, der unübertroffene vorchristliche Action-Kracher, das epischste Epos überhaupt. Auf der Besetzungsliste der Neuverfilmung stehen bis in die hintersten Reihen nur Superstars. Die Erwartungen sind enorm.
Außerdem neu in dieser Woche: Die Tragikomödie "So klingt das Leben" erzählt vom musikalischen Neuanfang eines angeschlagenen spanischen Fischerdorfes, und in "Was haben wir gelacht" blicken weibliche TV-Größen kritisch auf die deutsche Unterhaltungsbranche der 90er- und 2000er-Jahre.
Die Odyssee
Matt Damon, Anne Hathaway, Tom Holland, Zendaya, Robert Pattinson, Charlize Theron, Lupita Nyong'o, Jon Bernthal, Elliot Page, Mia Goth, John Leguizamo ... So viele klangvolle Namen, so viele prominente Gesichter. Die meisten Menschen kennen wahrscheinlich gar nicht genug Figuren aus der "Odyssee", um für jeden dieser Stars eine Rolle zu finden. Christopher Nolan ("Oppenheimer") ist mit den Dichtungen Homers aber bestens vertraut.
Eigentlich war Nolan vor gut 20 Jahren schon anstelle von Wolfgang Petersen als Regisseur für "Troja" (2004) vorgesehen. Nach langem Warten und vielen Erdumrundungen konnte der zweifache Oscargewinner jetzt doch noch seinen eigenen Monumentalfilm realisieren, um die Odysseus-Geschichte so zu erzählen, wie sie aus seiner Sicht erzählt gehört. Mit großem Aufwand und ganz viel Spektakel natürlich. Nolan hat im Lauf seiner Karriere schon einige teure Filme gedreht, so teuer wie dieser war aber noch keiner: Geschätzt 250 Millionen Dollar soll "Die Odyssee" gekostet haben.
So bricht der antike Held Odysseus (verkörpert von Matt Damon) unter der Regie von Nolan also abermals auf, um sich nach dem Trojanischen Krieg den Weg nach Ithaka zu bahnen, zurück in die griechische Heimat. Entkommt er den Fängen des Zyklopen Polyphem? Widerstehen er und seine Gefährten dem Gesang der Sirenen und den süßen Verlockungen der Zauberin Circe? Findet Odysseus nach all den Jahren zurück zu seiner geliebten Penelope (Anne Hathaway)? Es wird in jedem Fall eine lange Reise. Die Spielzeit für Christopher Nolans "Die Odyssee" liegt bei knapp drei Stunden.
So klingt das Leben
Wenn man sich das Leben als ein Stück Musik vorstellt, wie würde das wohl klingen? Wäre es eine Ballade? Oder doch eher eine triumphale Hymne? Bei dem spanischen Regisseur und Autor Daniel Sánchez Arévalo ist es ein bisschen von beidem, ein ganz abwechslungsreiches Werk, das ständig pendelt zwischen Tragik und Glück, Verlust und Neubeginn, Moll und Dur. "So klingt das Leben" nennt der Goya-Preisträger ("Dunkelblaufastschwarz") seinen ersten neuen Film seit sieben Jahren ("Seventeen", 2019).
Hauptschauplatz der Tragikomödie ist ein kleines Fischerdorf an der spanischen Atlantikküste. Vor zwei Jahren kam es hier zu einem schlimmen Schiffsunglück, bei dem sieben Menschen in den Tod gerissen wurden - ein erheblicher Einschnitt für die kleine galicische Gemeinde A Guarda, noch immer liegt eine tiefe Trauer über dem Dorf. Aber irgendwann muss man ja doch wieder nach vorne schauen und zurück ins Leben finden.
In "So klingt das Leben", beworben als "warmherziger, vielstimmiger Film über die heilende Kraft von Musik und Gemeinschaft", sollen ein paar schöne Lieder den Weg in die Zukunft weisen. Es beginnt zunächst damit, dass das örtliche Musikensemble wieder aktiviert wird. Und dann hat jemand den Traum, dass daraus mehr werden könnte: Unter Leitung der 18-jährigen Andrea (Judith Fernández), die in die Fußstapfen ihres verstorbenen Vaters tritt, will die Gruppe an einem traditionellen Rondalla-Musikwettbewerb teilnehmen. Dort gewinnen - eine charmante Vorstellung. Von der perfekten Harmonie ist man in A Guarda aber noch weit weg, musikalisch wie menschlich ...
Was haben wir gelacht
"Eine Reise durch das Unterhaltungsfernsehen" soll es sein, "erstmals aus Sicht der Frauen, die es geprägt haben". Der Fokus liegt auf den 90er- und 2000er-Jahren, einer Zeit also, die momentan in verschiedenen Formaten intensiv aufgearbeitet wird, und der Titel lautet "Was haben wir gelacht". Bei dieser Überschrift schwingt für sich schon ein gewisser Witz mit, allerdings eher von der gallig-ironischen Sorte: Vielen Menschen dürfte das Lachen bei dieser Kino-Dokumentation (Regie: Eva Müller und Isabel Schneider) im Halse stecken bleiben.
Die Frauen, die da vom Unterhaltungsfernsehen erzählen, sind Hella von Sinnen, Maren Kroymann, Esther Schweins, Gaby Köster und Bettina Böttinger. Sie alle haben viel bewegt in der deutschen TV-Geschichte, haben sicher viel gelacht, aber auch eine Menge Mist aus allernächster Nähe gesehen. Der Trailer zu "Was haben wir gelacht" zeigte schon einige reichlich unangenehme Archivaufnahmen - Schweinereien für ein Millionenpublikum.
Dieser Film jedenfalls, man ahnt es, ist kein weiterer verklärender Nostalgie-Rückblick von der Sorte, wie man sie aktuell ganz häufig sieht. Die Protagonistinnen wollen vielmehr "pointiert, unterhaltsam und entlarvend" von einer Zeit berichten, "als Witze auf Kosten von Frauen auf dem Tagesprogramm standen". Da geht es dann auch um viel mehr als nur ein paar dümmliche Gags über Brüste und Hintern, denn: "Wer sagt, worüber gelacht wird, hat Macht."
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