Kalli statt Kult-Duo: So geht der Münchner "Tatort" jetzt weiter
Mit Batic und Leitmayr endet in München nicht einfach nur ein weiteres Ermittlerduo. Es geht eine Fernsehpartnerschaft, die den Münchner "Tatort" über Jahrzehnte geprägt hat: zwei Figuren, deren Reibung, Verlässlichkeit und trockener Humor für viele Zuschauer fast so wichtig war wie die Fälle selbst. Gerade deshalb ist der Umbruch nach ihrem Abschied heikel.
Der Bayerische Rundfunk setzt dabei aber nicht auf einen kalten Schnitt, sondern auf einen Übergang mit Gesicht - und dieses Gesicht heißt Kalli Hammermann. Seit 2014 gehört Ferdinand Hofer (32) bereits zum Münchner "Tatort"-Ensemble; damals stieß er in "Am Ende des Flurs" als junger Assistent dazu. Mehr als zehn Jahre später ist aus der Nachwuchsfigur jene Person geworden, über die sich nun am deutlichsten erzählen lässt, wie aus dem alten Münchner "Tatort" ein neuer werden soll.
Kalli Hammermann: Vom unsicheren Assistenten zum unverzichtbaren Ermittler
Das ist mehr als eine reine Personalie. Hammermann war über Jahre nicht die lauteste Figur in diesem Kosmos, aber vielleicht gerade deshalb eine besonders dankbare. Er kam nie als großer Gegenentwurf zu Batic und Leitmayr daher, sondern wuchs an ihrer Seite. Anfangs war Kalli der Jüngere im Raum, manchmal etwas tapsiger, oft derjenige, der zwischen Respekt, Ehrgeiz und leiser Unsicherheit pendelte. Mit den Jahren bekam die Figur jedoch ein immer klareres Profil.
Aus dem Assistenten wurde ein Ermittler mit eigener Haltung, mit größerer Präsenz und wachsender Selbstverständlichkeit im Team. Dass diese Entwicklung nicht nur von außen hineingelesen wird, sondern auch intern so gedacht ist, hat Hofer selbst in Interviews beschrieben: Man habe sich in den vergangenen Jahren darum bemüht, Kalli weiterzuentwickeln; jetzt gehe es mit ihm "ins nächste Level".
Gerade darin steckt die eigentliche Eleganz dieses Übergangs. Der Münchner "Tatort" beginnt nach Batic und Leitmayr eben nicht bei null. Er versucht auch nicht, deren Chemie eins zu eins zu ersetzen - was ohnehin unmöglich wäre. Stattdessen rückt mit Hammermann eine Figur in die erste Reihe, die das Publikum längst kennt und die zugleich nie so übermächtig war, dass sie selbst schon wieder für eine abgeschlossene Ära stünde. Hofer hat in einem Interview mit der "Augsburger Allgemeinen" selbst betont, dass prägende Münchner Elemente wie Humor und Lokalkolorit erhalten bleiben sollen. Ein wichtiger Hinweis darauf, in welche Richtung der BR denkt: statt kompletter Neuerfindung ein behutsam verändertes Profil mit vertrauter Grundtemperatur.
Nikola Buvak der neue Mann an Kallis Seite
Zu diesem Staffelstab gehört auch, dass der neue Partner nicht völlig aus dem Nichts auftaucht. Carlo Ljubek (49) übernimmt die Rolle von Nikola Buvak, einem SEK-Schichtleiter, der im künftigen Münchner Team an Hammermanns Seite ermitteln soll. Der erste gemeinsame Fall trägt den Arbeitstitel "Zwischenwelten"; darin begegnen sich Hammermann und Buvak in einem Mordfall in Neuperlach. Interessant ist dabei, dass Buvak für das Publikum nicht erst nach dem Abschied eingeführt wird, sondern schon zuvor als Teil dieser Münchner Welt sichtbar wurde. Im Finale von "Unvergänglich Teil 1" ist Buvak bereits als Chef einer SEK-Einheit mit von der Partie.
Für die Zuschauer dürfte dieser Übergang trotzdem nicht reibungslos und schon gar nicht emotionslos sein. Wer Batic und Leitmayr über Jahrzehnte begleitet hat, wird ihr Zusammenspiel nicht einfach abhaken und zur Tagesordnung übergehen. Dazu ist die Fallhöhe dieses Abschieds zu groß. Aber genau deshalb wirkt die Entscheidung für Hammermann als zentrale Figur des Neuanfangs plausibel. Er steht nicht für das Vergessen der Vergangenheit, sondern für eine Zukunft, die sich aus ihr entwickelt.
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