Hannes Jaenicke lebt in einer "lustigen Wander-WG"

Hannes Jaenicke lebt mit einem Kollegen in einer "lustigen Wander-WG". Auch beruflich harmoniert es zwischen den beiden, wie er im Interview zu "Retter der Meere" erzählt.
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Teil des neuen "Retter der Meere"-Team (v.l.): Pit Wagner (Daniel Roesner), Reno Finnings (Hannes Jaenicke) und Yuna Bartosch (Luka Omoto).
Teil des neuen "Retter der Meere"-Team (v.l.): Pit Wagner (Daniel Roesner), Reno Finnings (Hannes Jaenicke) und Yuna Bartosch (Luka Omoto). © ARD Degeto/Daniel Villiers

Man darf es wohl getrost als echtes Herzensprojekt von Hannes Jaenicke (60, "Im Einsatz für Delfine") bezeichnen. Denn "Retter der Meere: Tödliche Strandung" (6.2., 20:15 Uhr, das Erste) ist inhaltlich genau sein Geschmack. Für den Pilotfilm der potenziellen neuen Umweltthriller-Reihe konnte er endlich auch mal wieder mit seinem "Ziehsohn" Daniel Roesner (37, "Verliebt in Berlin") zusammenarbeiten.

Jaenicke spielt den politisch handelnden Umweltvisionär Reno Finnings und Roesner den Leiter seines internationalen Forscherteams Global Ocean Foundation, Pit Wagner. Bei ihrem Einsatz vor dem bedrohten Naturparadies Mauritius müssen sie die Ursache dafür finden, warum Meeressäuger ihren Orientierungssinn verlieren, und die drohende Strandung einer kompletten Walherde verhindern.

Woher sich die beiden Hauptdarsteller des im Übrigen sehr sehenswerten Films kennen und wie sehr dieses Filmprojekt auf Jaenickes Wissen über Meere und Wale aufbaut, erzählt er unter anderem im Interview mit spot on news.

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Der Umweltthriller "Retter der Meere: Tödliche Strandung" (Pilotfilm einer neuen Reihe) dürfte ein Film ganz nach Ihrem Geschmack sein. Wie kam es denn dazu?

Hannes Jaenicke: Die ARD-Redakteurin Birgit Titze hat meinen Schauspielkollegen Daniel "Dani" Roesner und mich vor drei Jahren bei der Berlinale zu einem Meeting eingeladen und uns die Idee zu diesem Film präsentiert. Anfangs war ich skeptisch, weil ich diese Themen eigentlich immer dokumentarisch bearbeite. Aber da Dani Roesner und ich schon lange nicht mehr zusammen gedreht hatten und das Konzept der Reihe großartig ist, habe ich mich schnell für diese Idee begeistern lassen.

Inzwischen kann ich nur sagen, wie mutig ich es finde, dass die ARD es wagt, einen Ökothriller, der unterhalten und gleichzeitig einen Inhalt transportieren will, am klassischen Samstagabend-Sendeplatz gegen einen ZDF-Krimi ins Rennen zu schicken. Danke für die Idee und den Mumm!

Haben Sie am Drehbuch mitgewirkt?

Jaenicke: Ja! Die Redaktion und die Produzentin Nanni Erben haben Dani Roesner und mir ausgesprochen viel Freiraum gelassen. Das Thema war mir allerdings auch nicht mehr fremd. Ich habe drei ZDF-Dokus zum Thema "Untergang der Meere" gemacht, habe ein Buch darüber geschrieben, und ich habe einen Film über Orcas und Delfine, einen über Haie und einen über Lachse gemacht. Sender und Produktion wussten also, dass ich ein bisschen Wissen mitbringe. Insofern standen uns alle Türen offen, wir hatten wirklich tolle Bedingungen.

Welche inhaltlichen Details konnten Sie konkret beitragen?

Jaenicke: In unserer Doku über Delfine und Orcas ging es auch um Sonarverschmutzung, Überfischung der Weltmeere, Plastikmüll, illegale Giftmüllentsorgung etc. Im Prinzip ist es egal, wo du auf der Welt ins Meer gehst, du hast überall die gleichen Probleme. Davon erzählen wir in unserem Film aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. Vielmehr erwartet die Zuschauer ein spannendes Thrillerformat mit atemberaubenden Bildern.

Die Waljagd kommt ja international nicht mehr gut an. Viele Fischer sind auf Whalewatching umgestiegen. Doch das ist auch gefährlich für die Tiere, wie der Thriller unter anderem zeigt. Worin liegt die Gefahr?

Jaenicke: In den USA muss man beim Whalewatching inzwischen 300 Meter Abstand zum Wal einhalten, daraufhin ist der Waltourismus weitgehend zum Erliegen gekommen. Es gibt aber natürlich auch Länder, die das nicht so streng regulieren und dort ist es eine Katastrophe. Ein Beispiel dafür ist Ägypten: Da werden 200 Schnorcheltouristen in die Schlafbucht der Delfine gebracht und quasi auf sie draufgeschmissen. Natürlich ist Whalewatching besser als Walfang. Aber man sollte respektvolles Whalewatching betreiben und nicht diese kriminellen Formen für den Massentourismus.

Sie sind ja auch privat viel im und auf dem Meer unterwegs. Was war die gefährlichste Situation, die Sie erlebt haben?

Jaenicke: Das Gefährlichste war mit Sicherheit die chinesische Haiflossenmafia, die wir zum Glück mit versteckter Kamera drehen konnten, ohne aufzufliegen. Ansonsten war das Gefährlichste, was ich auf dem Meer erlebt habe, eine Segelregatta, bei der wir in einen Sturm geraten sind. Dabei sind uns die Segel gerissen, der Skipper hat sich den Fuß gebrochen und der Motor ist ausgefallen - gelegentlich wird das Meer eben ungemütlich. Obwohl auch ich es normalerweise als die schönste Badepfütze der Welt betrachte, zeigt uns das Meer dann und wann doch ziemlich deutlich, wo der Hammer hängt.

Ich hatte auch mal einen schweren Surfunfall. Damals hat mich übrigens Dani Roesner ins Krankenhaus gebracht und vier Stunden auf dem Parkplatz gewartet, bis mein Schädel wieder zusammengeflickt war. Man kann sich im Meer sehr gut wehtun. Darin bin ich Meister - und trotzdem war, bin und bleibe ich bis ans Ende meiner Tage eine absolute Wasserratte.

Woher kennen Sie und Daniel Roesner sich?

Jaenicke: Kennengelernt haben wir uns 2004. Damals war er einer meiner Schauspielschüler und ist mir schnell aufgefallen, weil er einfach ein Sonnenschein mit unglaublicher Energie ist. Seit dieser Zeit betreiben wir eine lustige Wander-WG. Erst in Los Angeles, dann haben wir sie in Berlin aufgemacht. Danach haben wir regelmäßig in Köln und später am Ammersee zusammengewohnt.

Für "Retter der Meere: Tödliche Strandung" wollte uns die Produktion einen Monat lang im Hotel unterbringen, aber wir haben uns lieber zusammen eine kleine Hütte genommen. Dort haben wir nachts am Buch gefeilt, geprobt und tagsüber gedreht. Wir sind uns generell sehr ähnlich in unseren Interessen und Leidenschaften. Ich sage immer, Dani ist der Sohn, den ich nie hatte, eine Art Ziehsohn. Dani nennt mich gern "his brother from another mother" [Dt. "sein Bruder von einer anderen Mutter"] - das finde ich treffend und lustig.

Der Film ist unter anderem auf Mauritius entstanden. Wie hat es Ihnen da gefallen?

Jaenicke: Der ganze Film ist auf Mauritius entstanden, auch die Szenen, die zum Beispiel in Kapstadt spielen. Die eine Hälfte der Crew waren Südafrikaner, die andere Mauritianer. Mauritius kannte ich schon, weil ich da schon mal gedreht hatte. Es ist eine unfassbar schöne Insel, und die Bewohner passen tatsächlich sehr auf ihre Natur auf.

Der Film wurde Ende 2019 gemacht, also direkt vor Corona. Haben Sie seit Corona und damit unter den neuen Sicherheitsbedingungen schon gedreht?

Jaenicke: Ja, wir haben die Doku "Im Einsatz für den Wolf" für das ZDF gedreht, mit Dani Roesner zusammen eine Costa-Rica-Doku für ntv und einen satirischen Umweltspot für das Unternehmen Frosch. Damit geht es auch in diesem Jahr weiter. Außerdem bereiten wir die nächste ZDF-Doku "Im Einsatz für die Sau" über Massentierhaltung vor. Aktuell warte ich darauf, ob wir ab Frühjahr die nächsten beiden Amsterdam-Krimis für die ARD drehen können.

Dann haben Sie sicher schon einige Coronatests über sich ergehen lassen müssen? Was ist unangenehmer, Nase oder Rachen?

Jaenicke: In den letzten Wochen und Monaten bin ich glaube ich 30- oder 40-mal getestet worden. Ob Nase oder Rachen ist mir egal. Ich finde es richtig, dass wir Tests machen, Abstandhalten und dergleichen. Trotzdem finde ich die derzeitige Politik erschreckend kopflos und kulturfeindlich. Es wird alles gerettet, außer der Kultur. Andererseits möchte ich nicht in der Haut unserer PolitikerInnen stecken, die diese Entscheidungen gerade treffen müssen.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Agentur spot on news. Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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