Ein Roadtrip der besonderen Art

Eine Krankenschwester (Tamara Romera Ginés) soll angeblich einen Patienten auf dem Gewissen haben. Auf der Flucht vor der Polizei entführt sie versehentlich eine sterbewillige Patientin (Ulrike Kriener) ... "Nichts wie weg" ist ein absurder und zugleich berührender Road-Movie.
von  Elisa Eberle
Luise Dobertin (Ulrike Kriener, links) möchte sterben. Dabei helfen soll ihr ausgerechnet die Krankenschwester Anke Bender (Tamara Romera Ginés).
Luise Dobertin (Ulrike Kriener, links) möchte sterben. Dabei helfen soll ihr ausgerechnet die Krankenschwester Anke Bender (Tamara Romera Ginés). © ZDF/Christine Schroeder

Es beginnt mit einer Esel-Dame: Rosi, so wird man im Verlauf dieses eher ungewöhnlichen Fernsehfilms im ZDF erfahren, ist von zu Hause weggelaufen. Nun steht sie mitten auf der Landstraße, auf der gerade Luise Dobertin (Ulrike Kriener) unterwegs ist. Die einstige Star-Pianistin bremst, sie hupt und flucht, doch Rosi bewegt sich kein Stück. Dobertins Geduld ist bald am Ende: "Jetzt pass mal auf, du kleines Miststück", droht sie, gibt Gas und kracht mit ihrem roten Cabrio in den nächsten Baum. Was zunächst noch aussieht wie ein Unfall, entpuppt sich in "Nichts wie weg" bald als etwas ganz anderes. Das ZDF zeigt den Film unter Regie von Sophie Averkamp (Buch: Elke Schuch) als Erstausstrahlung. Bereits ab Samstag, 31. Oktober, ist er auf zdf.de abrufbar.

Im Krankenhaus trifft Luise Dobertin auf Anke Bender (Tamara Romera Ginés): Die Krankenschwester soll sie zum CT bringen. Doch die Patientin lehnt dankend ab. Sie macht stattdessen einen anderen Vorschlag: "Sie können mir doch einfach irgendwas geben zum Sterben", erklärt sie der verdatterten jungen Frau: "Ich hab auch Geld dabei: 500 Euro für Sie als Anzahlung." Anke lehnt selbstverständlich ab.

Krankenschwester und Patientin auf der Flucht

Sie hat ohnehin bald ein anderes Problem: Sie hat soeben aus Reflex einen Patienten geohrfeigt, nachdem dieser ihr an den Hintern gefasst hatte. Leider entpuppte sich der übergriffige Patient als Hamburger Gesundheitssenator Martin Block (Albrecht Ganskopf). Und es kommt noch schlimmer: Am nächsten Morgen ist Block, der mit Herzproblemen eingeliefert wurde, plötzlich tot. Hat Anke ihm womöglich aus Absicht oder aus Versehen seine Infusion falsch eingestellt?

Da die Kripo (dargestellt von Idil Üner und Anton von Lucke) bereits in der Klinik ist, bekommt Anke Panik: Sie steigt in einen Rettungswagen und ergreift die Flucht. Leider ohne zu wissen, dass im Patientenraum Luise Dobertin sitzt. Nachdem ihr Wunsch zu sterben in der Klinik nicht erfüllt wurde, versuchte sie den Medizinschrank des Rettungswagens aufzubrechen. Die wohlhabende Frau Dobertin wittert ihre Chance: Sie bietet Anke ihre Hilfe an, wenn diese sie dafür in die Schweiz zu einem Bekannten fährt, der assistierten Suizid anbietet. Gesagt, getan: Es beginnt ein ungewöhnlicher Roadtrip ...

"Das ist, als hätte ich ein Loch im Kopf"

"Nichts wie weg" ist zweifelsohne ein besonderer Film. Viele Szenen des 90-Minüters sind berührend und absurd zugleich. Dass das am Ende funktioniert, liegt zum großen Teil auch an den beiden starken Hauptdarstellerinnen: Ulrike Kriener, die einstige "Kommissarin Lucas", war in den vergangenen Jahren vor allem in leichteren, unterhaltsamen Geschichten zu sehen. Hier überzeugt sie als selbstbewusste Frau, die fürchtet, die Kontrolle über ihr Leben und sich selbst zu verlieren.

Denn: Luise Dobertin leidet an einer fortschreitenden Demenz: "Das ist, als hätte ich ein Loch im Kopf", erklärt sie ihrer Mitreisenden in einem der stärksten Monologen des Films: "Ein Schwarzes Loch, das alles aufsaugt. Meine Erinnerungen, meine Freude, mein Wissen, mein Können, alles! Alles, was ich bin. Und ich merk es doch! Ich merk doch, dass ich alles vergesse."

So bereiteten sich die Schauspielerinnen auf ihre Rollen vor

Doch auch Tamara Romera Ginés ("Balko Teneriffa") überzeugt: "Ich hatte auf jeden Fall von Anfang an eine Verbindung zu Anke", erklärt sie im Senderinterview: "Ihre Entschlossenheit, Frau Dobertin zu retten, konnte ich gut nachvollziehen und spielerisch für sie als starken Antrieb nutzen." Sowohl Ginés als auch Kriener hatten sich intensiv auf ihre jeweiligen Rollen vorbereitet, wie sie im Interview mit dem ZDF erzählten: Kriener besuchte die Alzheimer-Gesellschaft München, sprach mit Ehrenamtlichen, las Bücher zum Thema und nutzte die KI.

Ginés wiederum absolvierte ein Praktikum in den Alexianer St. Hedwig-Kliniken in Berlin: "Wir wissen wahrscheinlich mittlerweile alle, dass es immer schlechter um unser Gesundheitssystem steht", erklärt sie: "allerdings habe ich es zu Teilen als noch heftiger empfunden, als ich dachte, und konnte aber gleichzeitig sehen, mit wie viel Hingabe und Wärme die Pflegekräfte ihren Job so gut wie möglich unter den gegebenen Umständen ausführen." Sie appelliert: "Wir müssen wirklich dringend aufpassen, dass wir dieses Segment nicht noch weiter kaputtsparen und die Menschen, die dort arbeiten, nicht komplett ausbrennen lassen. Krankenhäuser sollten nicht gewinnbringend sein müssen."

Nichts wie weg - Mo. 09.11. - ZDF: 20.15 Uhr

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