Eckart von Hirschhausen jagt die Deepfake-Mafia
Ein vertrautes Gesicht im Werbeclip, eine bekannte Stimme, ein angebliches Wundermittel gegen Übergewicht oder Herzbeschwerden - wer würde da nicht zumindest einen Moment lang hinhören? Genau auf diesen Reflex zielt eine Industrie, die mit Künstlicher Intelligenz Prominente nachbaut und ihre Doppelgänger Produkte verkaufen lässt, von denen die Originale nichts wissen. Eckart von Hirschhausen (58) hat sich aufgemacht, hinter die Kulissen dieses Geschäfts zu blicken, das auch ihn zu einem Betroffenen gemacht hat. Das Ergebnis läuft am 4. Mai um 20:15 Uhr im Ersten.
Hirschhausen: "Es ist Identitätsdiebstahl"
Für Hirschhausen ist die Geschichte zugleich eine sehr persönliche. Im Pressegespräch zur Doku formulierte er es deutlich: "Es ist Identitätsdiebstahl. Es ist Rufmord." Im Film selbst sagt der Arzt und Moderator: "Meine Stimme gehört mir, mein Gesicht auch." Die ungebremste Entwicklung der KI bedrohe das Vertrauen in Wissenschaft, Demokratie und Mitmenschen.
Dass er kein Einzelfall ist, macht die Doku ebenfalls deutlich. Hirschhausen trifft weitere Prominente, deren Bilder für dubiose Geschäfte missbraucht wurden. Fachleute aus Datenschutz, Politik und Kriminalitätsforschung erklären, warum die geltende Rechtslage solchen Maschen kaum etwas entgegenzusetzen hat.
Recherche zwischen Sofia und São Paulo
Die Spur, der Hirschhausen folgt, reicht weit über Deutschland hinaus. Nach Angaben des WDR führten die Recherchen bis nach Bulgarien und Brasilien. Dort sitzen offenbar Teile jener Strukturen, die Senioren und chronisch Kranke per Telefon zum Kauf vermeintlicher Abnehmspritzen, Herzmedikamente oder Potenzpillen drängen.
Vorgeschaltet sind die manipulierten Videos in den sozialen Netzwerken; den Rest erledigen geschulte Mitarbeiter in Callcentern, die bei Bedarf einfühlsam wirken oder Druck aufbauen. Wie das im Detail funktioniert, zeigt ein Whistleblower, der dem Team Schulungsunterlagen und Mitschnitte überlässt.
Daten als Treibstoff der Masche
Ein wesentlicher Strang der Doku widmet sich der Rolle von Tech-Konzernen und Werbeindustrie. Wer im Netz nach Diäten, Schmerzmitteln oder Vorsorge sucht, hinterlässt Spuren, die sich verkaufen lassen. Genau diese Profile dienen den Tätern als Wegweiser.
Hirschhausen warnt vor den gesundheitlichen Folgen: "Desinformation ist ein medizinischer Notfall. Auch unechte Wundermittel können echten Schaden anrichten." Die Doku enthält daher auch praktische Hinweise, woran sich Betrugsangebote erkennen lassen und wie man sich schützen kann.
Eingebettet in ARD-Schwerpunkt "Age of Fake"
Der Film ist Teil des Themenschwerpunkts "Age of Fake - Die neue Macht der Täuschung", mit dem die ARD verschiedene Programme zum Umgang mit manipulierten Inhalten bündelt. Ebenfalls ab 4. Mai - allerdings ausschließlich in der ARD Mediathek - läuft die Doku "F*CK DEEPFAKES!" mit Moderatorin Collien Fernandes (44).
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