Die Zweiflers in echt?

Die Familienkomödie "Doitscha - Alles geht vorüber" entstand nach dem autobiografischen Roman "Doitscha" von Adriana Altaras, Mutter der "Die Zweifler"-Stars Aaron und Leo Altaras. Mit klugen Figuren und spritzigen Dialogen erzählt der Film mit Mark Waschke vom deutsch-jüdischen Lebensgefühl 2026.
Eric Leimann |
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen  AZ als Quelle bevorzugen
Sehenswerter ARD-Fernsehfilm "Doitscha - Alles geht vorüber": Beim Abendessen von Familie Alkalaj-Meyer treffen sich (von links): der jüngere Sohn Sammy Meyer (Adam Lukas), Vater und Nicht-Jude Georg Meyer (Mark Waschke), Freund Aron Schuster (Samuel Finzi), der ältere Sohn David Meyer (Yahli Yogev) sowie Mutter Adriana Alkalaj (Oriana Schrage).
© WDR/Storytelle/Andreas Dobslaff, 8 Sehenswerter ARD-Fernsehfilm "Doitscha - Alles geht vorüber": Beim Abendessen von Familie Alkalaj-Meyer treffen sich (von links): der jüngere Sohn Sammy Meyer (Adam Lukas), Vater und Nicht-Jude Georg Meyer (Mark Waschke), Freund Aron Schuster (Samuel Finzi), der ältere Sohn David Meyer (Yahli Yogev) sowie Mutter Adriana Alkalaj (Oriana Schrage).
Adriana (Oriana Schrage) moderiert die Lesung des jüdischen Autoren Eli Mugrabi (Noam Meiri, rechts). Auch mit dabei: Aron Schuster (Samuel Finzi).
© WDR/Storytelle/Andreas Dobslaff, 8 Adriana (Oriana Schrage) moderiert die Lesung des jüdischen Autoren Eli Mugrabi (Noam Meiri, rechts). Auch mit dabei: Aron Schuster (Samuel Finzi).
Abendessen bei Familie Alkalaj-Meyer (von links): Georg Meyer (Mark Waschke), Freund Aron Schuster (Samuel Finzi) und Georgs Sohn David Meyer (Yahli Yogev).
© WDR/Storytelle/Andreas Dobslaff, 8 Abendessen bei Familie Alkalaj-Meyer (von links): Georg Meyer (Mark Waschke), Freund Aron Schuster (Samuel Finzi) und Georgs Sohn David Meyer (Yahli Yogev).
Adriana (Oriana Schrage, links) gibt einer Journalistin (Bettina Böttinger) ein Homestory-Interview.
© WDR/Storytelle/Andreas Dobslaff, 8 Adriana (Oriana Schrage, links) gibt einer Journalistin (Bettina Böttinger) ein Homestory-Interview.
David Meyer (Yahli Yogev, links) und Aron Schuster (Samuel Finzi), für den Jungen eine Art jüdische Vaterfigur, nehmen am Yom-Kippur-Gottesdienst in der Synagoge teil.
© WDR/Storytelle/Andreas Dobslaff, 8 David Meyer (Yahli Yogev, links) und Aron Schuster (Samuel Finzi), für den Jungen eine Art jüdische Vaterfigur, nehmen am Yom-Kippur-Gottesdienst in der Synagoge teil.
Adriana Alkalaj (Oriana Schrage) und ihr Sohn Sammy Meyer (Adam Lukas) haben einen Verlust zu beklagen.
© WDR/Storytelle/Andreas Dobslaff, 8 Adriana Alkalaj (Oriana Schrage) und ihr Sohn Sammy Meyer (Adam Lukas) haben einen Verlust zu beklagen.
Tante Jele (Inge Maux, links) gibt ihrer Nichte Adriana (Oriana Schrage) Ratschläge fürs Leben.
© WDR/Storytelle/Andreas Dobslaff, 8 Tante Jele (Inge Maux, links) gibt ihrer Nichte Adriana (Oriana Schrage) Ratschläge fürs Leben.
Adriana (Oriana Schrage) erwischt ihren Mann Georg (Mark Waschke, rechts) und ihren älteren Sohn David (Yahli Yogev) beim handfesten Streiten.
© WDR/Storytelle/Andreas Dobslaff, 8 Adriana (Oriana Schrage) erwischt ihren Mann Georg (Mark Waschke, rechts) und ihren älteren Sohn David (Yahli Yogev) beim handfesten Streiten.

Wenn Adriana (stark: Oriana Schrage) in einer Talkshow über Juden in Deutschland spricht, dämmert vorm Fernseher niemand weg. Die jüdische Theatermacherin aus Köln verbreitet eine Energie, dass prompt die nächste Anfrage folgt: Sie soll zum Holocaust-Gedenktag in der Frankfurter Paulskirche die Rede halten. Eine Ehre, gewiss, aber auch eine Aufgabe, an der man gut und gern verzweifeln kann. Dabei hat Adriana eigentlich genug in der eigenen Familie zu tun. Georg (Mark Waschke), Adrianas Mann, ist nicht jüdisch, und das scheint zu Hause plötzlich eine größere Rolle zu spielen als jahrelang gedacht. Zwischen ihm und dem älteren Sohn David (Yahli Yogev) schaukeln sich Streitigkeiten hoch, die sich als Glaubensfragen verkleiden, in Wahrheit aber ein klassischer Pubertätskonflikt sind.

Wer je einen Fünfzehnjährigen am Esstisch erlebt hat, weiß: Das Thema ist selten das eigentliche Thema. Ganz anders beim jüngeren Sohn Sammy (Adam Lukas). Er wird in der Schule tatsächlich antisemitisch angefeindet und verschweigt es lange, aus Scham, aus Selbstschutz, vielleicht auch, um seine Mutter nicht zu belasten. Das Familiengefüge gerät mehr und mehr aus dem Gleichgewicht, und Adrianas liberale Werte werden immer wieder auf harte Proben gestellt.

Vater ist ein Spießer, ein Deutscher

"Doitscha - Alles geht vorüber" ist eine Geschichte, die auf dem 2015 erschienenen, in weiten Teilen autobiografischen Roman "Doitscha" von Adriana Altaras beruht. Deren echte Söhne, Aaron (hier in einer Gastrolle als Talkshow-Promi dabei) und Leo spielten in der vielfach ausgezeichneten ARD-Serie "Die Zweiflers". Ebenfalls mit dabei im enorm erfrischenden Figuren-Kabinett: Samuel Finzi als onkelartiger Aron Schuster, Inge Maux als alte Tante Jele und Bettina Böttinger als Journalistin. Der Pubertäts-Midlife-Crisis-Konflikt zwischen David und seinem Punk-T-Shirts tragenden Vater kulminiert in Davids Antwort auf Tante Jeles Frage, was eigentlich ein typischer Deutscher sei.

David bezeichnet seinen Vater immerhin als einen solchen. "Er denkt, er kann alles viel besser als alle anderen. Er versucht, immer zu erziehen. Nur sein Weg ist richtig. Ein Spießer, ein Deutscher." Allerdings nimmt der Film der deutsch-israelischen Drehbuchautoren Momme Peters und Ester Amrami (auch Regie) aus der Innenperspektive auch den gegenwärtigen Alltag von Juden in Deutschland aufs Korn und ist damit ein bisschen "Die Zweiflers" 2.0.

Das Erste zeigt die WDR-Produktion im Vorfeld des Jahrestags der Reichspogromnacht am 9. November. Was die Buchvorlage noch nicht leisten konnte: Der Film berichtet auch von der Situation deutscher Juden nach dem 7. Oktober 2023 und erzählt, wie sich der Alltag zwischen deutscher Normalität und wachsenden innergesellschaftlichen Konflikten in Bezug auf Israel anfühlt. (In der ARD-Mediathek ist die wunderbar leichte und dennoch kluge Familienkomödie ab 30. Oktober zu sehen.)

Doitscha - Alles geht vorüber - Mi. 04.11. - ARD: 20.15 Uhr

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Agentur teleschau. Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an info@teleschau.de

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
 
Noch keine Kommentare vorhanden.
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.