Die Rückkehr des Dr. Sommerfeldt
Online ist "Ostfriesentodesspiel" schon seit Längerem im ZDF abrufbar, am Samstagabend erfolgt nun auch die lineare Ausstrahlung des 16. Films der ZDF-Krimireihe nach den Büchern von Klaus-Peter Wolf. Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen (Picco von Groote) und ihre Kollegen, Ehemann Frank Weller (Tom Radisch) und der vornamenslose Kommissar Rupert (Barnaby Metschurat), treffen in diesem Film auf einen alten Bekannten.
Im 14. Fall "Ostfriesentotenstille" hatte der Serienmörder als eine Art Rächer misshandelter und betrogener Frauen für Aufsehen in Ostfriesland gesorgt: Dr. Bernhard Sommerfeldt (Sven Schelker), ein allerseits beliebter Hausarzt in Norddeich, der mit Charme, Bildung und Einfühlungsvermögen selbst die erfahrene Hauptkommissarin einlullte.
Erst spät erkannte Klaasen sein wahres Gesicht: Der Killer war weder Arzt noch hieß er Sommerfeldt, sondern Johannes Theissen. Ein Mann, der durch die psychische Gewalt und Unterdrückung seiner Mutter schwer traumatisiert und völlig verkorkst ist. Am Ende wollte er auch sie töten, was die Ermittler gerade noch verhindern konnten.
Der Killer und die Frauen
Nun geht die Geschichte des falschen Arztes weiter, denn in der Adaption (Drehbuch: Niels Holle, Regie: Marcus O. Rosenmüller) von Wolfs drittem "Sommerfeldt"-Roman "Todesspiel im Hafen" gelingt Theissen der Ausbruch aus dem Gefängnis.
Erste Anlaufstelle ist für Ann Kathrin Klaasen Dr. Sommerfeldts psychisch labile frühere Sprechstundenhilfe Cordula (Milena Straube), die im ersten Film danach lüstete, mit ihrem Chef wie Bonnie und Clyde zu leben und zu töten. Ihre Liebe zu ihm scheint mittlerweile zur gefährlichen Besessenheit geworden zu sein.
Die Zuschauerinnen und Zuschauer können nun parallel Theissen und den Ermittlern folgen. Wie Klaasen von einem Mithäftling des Flüchtigen eine Botschaft in Form eines weiteren Goethe-Zitats erhält. Und wie Theissen bei seinen Plänen von einer seiner vielen Verehrerinnen, der spröden Hannah Grün (Jule Böwe), unterstützt wird. Wann und wo wird der Serienmörder erneut zuschlagen?
Mann oder Bär?
In einer Zeit, in der Frauen in einem fiktiven Szenario alleine im Wald lieber auf einen Bären als einen Mann träfen, erscheint einer wie Johannes Theissen alias Dr. Sommerfeldt wie ein Ritter auf dem weißen Pferd. Wenn auch auf eine ziemlich kranke Art und Weise, ist er doch eher ein narzisstischer Wolf im Schafspelz. Genau damit spielt Autor Klaus-Peter Wolf mit seiner von Sven Schelker herrlich zweigesichtig gespielten Figur sehr geschickt.
Hinzu kommt das schwer zu begreifende Phänomen von Frauen, die sich in inhaftierte Mörder und Vergewaltiger verlieben, Brieffreundschaften mit ihnen beginnen, glauben, sie ändern zu können. Wie gelingt es diesen Monstern, selbst hochgebildete Frauen so für sich einzunehmen? Der verständnisvolle Arzt liefert zumindest eine von vermutlich zahlreichen Erklärungen.
"Manchmal macht Sommerfeldt mir Angst, dann wieder möchte ich gern mit ihm befreundet sein und wäre sogar bereit, ihn zu verstecken", sagt Klaus-Peter Wolf selbst. Er sei "der typische Antiheld unserer Tage, sympathisch, belesen, ein Feinschmecker, und doch überaus gefährlich. Genau deshalb lesen so viele Menschen gern von ihm". Und sie würden sicher gerne auch noch mehr von ihm sehen ...
"Ostfriesentodesspiel" - Sa. 07.11. - ZDF: 20.15 Uhr
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