Die Neue im "Tatort": Karoline Schuch hat Strahlkraft "unterschätzt"
Der Kieler "Tatort" bekommt ein neues Gesicht: Karoline Schuch (44) spielt im Auftakt zur Doppelfolge "Unter Freunden/Unter Feinden" am 11. Oktober (20:15 Uhr im Ersten) zum ersten Mal die Polizeipsychologin Elli Krieger. Fortan ermittelt sie gemeinsam mit Almila Bagriacik (36) als Kommissarin Mila Şahin im hohen Norden. In ihrem ersten Fall bekommen sie es mit einer Toten zu tun, die sich von ihrem Arbeitgeber bedroht fühlte. Dadurch geraten die Ermittlerinnen in ein Netz aus Drogen und Korruption.
Bekannt gegeben hatte der NDR Schuch als neue Personalie bereits im Oktober 2024. Sie rückt damit in das Team nach, das Axel Milberg (70) nach mehr als 20 Jahren als Kommissar Klaus Borowski verlassen hat. Ganz neu ist ihr der Sonntagskrimi trotzdem nicht: Ihr "Tatort"-Debüt gab die Schauspielerin bereits 2001 als Tochter des Kölner Kommissars Freddy Schenk (Dietmar Bär). Zudem stand sie bei Bagriaciks erstem Fall, "Tatort: Borowski und das Haus der Geister" (2018), in einer Episodenhauptrolle vor der Kamera.
Mit ihrer Rückkehr zum Kieler "Tatort" schließt sich für Karoline Schuch ein Kreis, verrät sie im Interview mit spot on news - die Tragweite einer Rolle im Sonntagskrimi hat sie allerdings unterschätzt. Außerdem erzählt die Diplompsychologin, ob ihr das Studium bei der Vorbereitung geholfen hat, welchen Tipp sie von Axel Milberg bekam und warum sie gut damit leben kann, dass ihrer Elli ein "Stock im Arsch" unterstellt wird.
Sie bringen als Polizeipsychologin eine andere Perspektive in den "Tatort" ein. Was hat Sie an dieser Rolle gereizt?
Karoline Schuch: Bei einer klassischen Kommissarin hätte ich nicht gewusst, was ich da noch für eine Farbe in die Mannigfaltigkeit der filmischen Kriminalkommissare in Deutschland reinbringen soll. Da wäre mir nicht viel eingefallen. Bei einer Polizeipsychologin umso mehr, weil die Psychologie in der Polizei zwar mehr und mehr stattfindet, aber immer noch nicht genügend Platz hat. Dafür breche ich gerne eine Lanze. Außerdem ist Elli eine Figur, die der Polizeiarbeit hilft, sie aber teilweise auch erschwert. Das wird man dann in dem einen oder anderen Fall mitbekommen. Der Ansatz ist einfach ein bisschen anders als klassische Ermittlungs- und Polizeiarbeit.
Wie war es für Sie, in eine so große Institution wie den "Tatort" einzusteigen?
Schuch: Erst mal nicht so spektakulär. Ich dachte, das ist den Leuten egal, wer jetzt neu beim "Tatort" ist. Und dann kam die Meldung raus und es war das komplette Gegenteil. Also anscheinend ist der "Tatort" immer noch eine große und wichtige Institution. Ich habe es unterschätzt. Aber es freut mich natürlich, wenn es diese große Aufmerksamkeit gibt.
Welche eigenen Erinnerungen verbinden Sie mit dem "Tatort"?
Schuch: Nachdem ich viel Soap gedreht habe, war meine Rolle im Kölner "Tatort" sozusagen mein erster Ausflug in das andere Fernsehen. Das fand ich total aufregend damals. Darüber hinaus habe ich in meinen 20ern während meiner Studienzeit relativ stabil sonntags "Tatort" geschaut, meistens mit Fischstäbchen und Spinat. Aber das ist mir in der Zwischenzeit total abhandengekommen. Ich bin mittlerweile auch kein besonders analoger TV-Zuschauer mehr, in den letzten Jahren habe ich überhaupt keine Krimis gesehen. Und da ich ohne Fernseher aufgewachsen bin, hat es das in meiner Kindheit und Jugend sowieso nicht gegeben.
Der Kölner "Tatort"-Kommissar Dietmar Bär hat Ihnen zur neuen Rolle gratuliert. Hat er Ihnen auch einen Tipp für das Dasein im "Tatort"-Kosmos gegeben?
Schuch: Nein, das ist am Ende auch nur einer von vielen Fernsehfilmen, da hat er mir jetzt keine Tipps gegeben. Aber Axel Milberg hat mir gesagt, dass ich Spaß haben soll und schauen muss, wofür ich kämpfen möchte. Ein sehr guter Tipp.
Als Diplompsychologin bringen Sie selbst Erfahrung aus Elli Kriegers Bereich mit. Konnten Sie davon etwas für die Rolle nutzen?
Schuch: Nein, ich habe mich genauso vorbereitet wie auf andere Rollen. Das hat letztendlich mit dem Studium nichts zu tun. Psychologie und Schauspielerei haben gemeinsam, dass man sich qua Beruf für Menschen interessiert. Das habe ich auch schon vor meinem Studium gemacht und deswegen hat es jetzt keinen großen Einfluss gehabt. Aber natürlich ist es eine nette Begleiterscheinung.
Sehen Sie sonst Parallelen zwischen sich und Ihrer Rolle?
Schuch: Ich glaube, ich höre gerne zu, auch als Karoline, und stelle gerne Fragen.
Hat die Rolle neue Lust auf Psychologie geweckt oder bleiben Sie lieber bei der Schauspielerei?
Schuch: Ich bin eigentlich ganz froh, wo ich bin.
Wie war die Zusammenarbeit mit Almila Bagriacik?
Schuch: Wir kannten uns ja schon von ihrem allerersten "Tatort", als ich eine Episodenrolle gespielt habe. Deswegen bin ich ganz warm empfangen worden. Wir haben einen ähnlichen Workflow und ich finde, das ist ein gutes Match, ohne dass wir uns besonders ähnlich sind. Es ist total schön, dass wir im Film sehr unterschiedliche Standpunkte haben, aber nicht permanent einen Ringkampf miteinander ausfechten müssen. Das wird sich dann in den nächsten Folgen auch noch anders gestalten.
Ihre Kollegin hat gesagt, durch Ihr erneutes Aufeinandertreffen habe sich ein Kreis geschlossen.
Schuch: Das empfinde ich ganz genauso und es freut mich, dass sie das so sagt. Es ist oft gar nicht so einfach, in ein bereits etabliertes Format einzusteigen. Wenn es einem dann leichtgemacht wird und man freudig empfangen wird, ist es natürlich viel schöner als andersrum.
Aktuell ist Ihre Elli noch ein bisschen zugeknöpft. Ihr wurde sogar ein "Stock im Arsch" unterstellt...
Schuch: Damit kann ich gut leben (lacht). Das ist eben so bei Psychologen, dass man von denen privat nicht so viel erfährt. Daran wird man sich auch in Zukunft noch die Zähne ausbeißen. Ich mag das.
Statt eigene Aussagen zu treffen, stellt Elli immer wieder Rückfragen. Das kann auch als nervig wahrgenommen werden. Wie war das für Sie?
Schuch: Ich finde das einen total spannenden schauspielerischen Ansatz. Nur weil man von sich nichts erzählt, heißt es nicht, dass man nichts zu sagen hat. Elli ist deswegen keine unspannende Figur. Natürlich ist meine Hoffnung, dass ich den Zuschauer trotzdem nicht verliere in der knappen Zeit. Aber ich weiß ja selber: Psychologen sind nicht dafür gemacht, dass sie Fragen gestellt bekommen. Im normalen Gespräch ist man Frage-Antwort-Gegenfrage gewohnt. Dass Ellis gleichförmige Art nervig sein kann, kann ich total nachempfinden.
Inwieweit sind Sie an der Entwicklung der Figur beteiligt?
Schuch: Wir haben immer unsere Fortführungsgespräche, da können wir uns mit einbringen. Es ist wichtig, dass man gemeinsam entscheidet, wohin die Reise geht.
Der "Tatort" könnte Sie nun viele Jahre begleiten. Verändert eine solche langfristige Rolle auch die Auswahl Ihrer anderen Projekte?
Schuch: Das weiß ich noch nicht, frag mich in fünf Jahren (lacht). Ich kann nicht in die Zukunftsglaskugel schauen, aber ich möchte natürlich trotzdem auch weiterhin andere Rollen spielen und mich weiterentwickeln.
Wie blicken Sie der Ausstrahlung entgegen?
Schuch: Wenn Filme gesendet werden, bin ich gar nicht mehr so aufgeregt. Wenn man zum Casting geht und sich vorbereitet - das ist für mich eigentlich die spannende Arbeit. Wenn die Filme dann gezeigt werden, ist das schon so lange vorbei. Beim "Tatort" ist es ja auch schon eine ganze Weile her, dass ich als Neue im Team bekannt gegeben wurde. Umso mehr freue ich mich, dass es jetzt endlich, endlich losgeht.
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