Die Lastesel der Zelle

Wie sehen menschliche Zellen in ihrem Inneren aus, wie funktionieren sie? - Noch nie zuvor waren Zellforscher so nah daran, die letzten Geheimnisse des Lebens zu entschlüsseln. Nicht zuletzt durch den Einsatz von Elektronenmikroskopen wurden die Mechanismen des Innenlebens der Zellen aufgeschlüsselt und mittels elektronischer Bildgebung erklärt. Dem ARTE-Zweiteiler von Katrin Back "Unser Körper - Unsere Zellen" (ARTE, 2026) gelingt es in faszinierenden computergenerierten Bildern das Innere der Zellkraftwerke anschaulich zu machen. So entdeckte der japanische Zellforscher Nobutaka Hirokawa, dass kleinste Teilchen in Nervenzellen Proteine transportieren. Mit ihren Füßen gleichen sie dabei menschlichen Wesen, die an "Schienen" Botenstoffe transportieren, um Leben zu erhalten und immer wieder neues zu erzeugen, indem sie die Zellteilung steuren.
Ein Segen für die Wissenschaft sind offenbar bis heute die sogenannten HeLa-Zellen, benannt nach einer 1951 in Baltimore verstorbenen Patientin, deren Einzelzellen nach ihrem Tod konserviert und bis heute im Labor, also außerhalb des menschlichen Körpers, vermehrt werden können. Je besser Forschende das Innenleben der Zellen verstehen, desto eher können sie auch bislang unheilbare Krankheiten heilen, wird in dem Film erklärt. In Boston entschieden sich etwa Ärzte für einen ungewöhnlichen Eingriff: Sie übertrugen nach der Geburt eines Mädchens eigene Mitochondrien, also lebenswichtige Zellkraftstoffe, ins fremde Herz. Inzwischen ist man auch dabei, in Einzelfällen tierische Organe auf den Menschen zu übertragen. Die Amerikanerin Towana Looney konnte 2025 bereits 130 Tage mit einer gentechnisch veränderten implantierten Schweineniere überleben, bevor diese wieder abgestoßen wurde. Looney zeigte sich danach glücklich, der Forschung durch den Versuch weitergeholfen zu haben.
Unser Körper - Unsere Zellen: Gibt es ewiges Leben im Mikrokosmos? (1/2) - Do. 05.11. - ARTE: 20.15 Uhr