Der Tod macht auch nur seinen Job

Im SAT.1-Streifen „Und weg bist Du“ spielt Christoph Maria Herbst den Sensenmann – ein Gespräch über die verdrängten letzten Dinge, Filmküsse und Lebenshilfe durch Richard Strauss
| Jens Szameit
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Christoph Maria Herbst spielt den leibhaftigen Tod im SAT.1-Film "Und weg bist Du".
SAT.1 / Willi Weber Christoph Maria Herbst spielt den leibhaftigen Tod im SAT.1-Film "Und weg bist Du".

Im SAT.1-Streifen „Und weg bist Du“ spielt Christoph Maria Herbst den Sensenmann – ein Gespräch über die verdrängten letzten Dinge, Filmküsse und Lebenshilfe durch Richard Strauss

Schwarze Perücke, blaue Kontaktlinsen, melancholische Schwere – im SAT.1-Film „Und weg bist Du“ spielt Christoph Maria Herbst den leibhaftigen Tod. Er soll einer sympathischen Krebspatientin (Annette Frier) das Lebenslicht auspusten, mag aber nicht. Daraus wurde ein ziemlich couragierter Beitrag zu einem schwierigen Thema.

AZ: Herr Herbst,  was denkt sich ein Schauspieler, wenn man ihm den Tod anbietet?
CHRISTOPH MARIA HERBST: Das ist natürlich eine Rolle, vor der viele Schauspieler zurückschrecken. Dass die ausgerechnet auf mich gekommen sind, ist aber eine große Freude. Ich bin vielleicht blöd genug, mich solchen Aufgaben zu stellen.

Ihr Sensenmann ist überraschend melancholisch.
CHRISTOPH MARIA HERBST: Absolut. Den leibhaftigen Tod muss man mit menschlichen Attributen ausstatten, sonst kann ich mich der Figur mit schauspielerischen Mitteln nicht nähern. Ich glaube, der ist hier in so ’ner Midlife-Crisis. Der zaudert, verzagt, ein einsamer Hund. Diese morbide, melancholische Aura war etwas Neues für mich, so etwas hatte ich noch nicht gespielt.

Die zärtliche Szene am Ende mit Annette Frier – das war wohl der seltsamste Filmkuss Ihrer Karriere?
Es ist vor allem einer der wenigen Filmküsse, die ich überhaupt machen durfte. Normalerweise bin ich immer der, der zuguckt, wie andere sich küssen, und dabei neidvoll an den Fingernägeln kaut. Vor dem Hintergrund war das eine besondere Szene und auf die spezielle Situation bezogen umso mehr. Annette Frier zu küssen, hat aber sehr viel Freude gemacht. Das ist eine unfassbar sympathische Kollegin. Das war das erste Mal, dass uns das Schicksal bei einem Film zusammengeführt hat, und wir hoffen beide, dass es nicht das letzte Mal war.

Was soll uns der Kuss sagen? Dass man den Tod umarmen muss, weil der auch nur seinen Job macht?
Ja, das würde ich genauso flapsig formulieren. Über den Tod kann man überhaupt nur flapsig reden, weil man sich sonst in Sätzen verliert, die der Thematik nicht mehr gerecht werden. Der Tod gehört zum Leben, man sollte ihn weder mystifizieren noch verdrängen. Leider gehen wir mit ihm alles andere als entspannt um.

Sie etwa schon?
Schon als Heranwachsender beschäftigte ich mich mit der Sterbeforschung. Das hat mich fasziniert und schließlich mit einer großen Gelassenheit ausgestattet.

Für eine Komödie steckt viel Melodramatik im Film.
Stimmt. Und ich bin froh, dass sich der Sender entschied, den Film als Tragikomödie anzukündigen. Nur dieser etwas sperrige Ausdruck wird dem Film gerecht. Mich hat er berührt. Gleichzeitig gab es viele Stellen, an denen ich schmunzeln oder lachen musste. Sich auf diese Weise dem Thema Sterben und Krebs zu nähern, ist schon ungeheuerlich...

So ungeheuerlich, dass sich die Pietätfrage stellt.
Das kann sein. Auf die Debatte bin ich sehr gespannt. Annette und ich werden das aushalten.

Erinnern Sie sich an Ihre erste Berührung mit dem Tod?
Als meine Lieblingsoma starb. Ich muss etwa 13 gewesen sein. Sie müssen jetzt einen merkwürdigen Eindruck von mir bekommen, aber in der Zeit danach hatte ich eine Richard-Strauss-Phase...

Bitte?
Es gibt eine wunderbare Tondichtung von Strauss, „Tod und Verklärung“. Die habe ich in dieser Zeit immer wieder gehört. Die Mittel der Kunst halfen mir bei der Trauerarbeit, fantastisch!

SAT.1, 20.15 Uhr

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