Danni Büchner erschrickt in neuer ARD-Reality: "Ich bin nicht prüde, aber was ist das für ein Format?"

Die ARD wagt sich erstmals ins Haifischbecken Reality-TV, aber in seriös: Vermarktet wird "Vibes - Find Your Fire" (ab 5. November in der ARD-Mediathek) als "die erste Social-Reality-Show". Die positive Message: "Nicht Konkurrenz und Wettkampf stehen im Mittelpunkt, sondern Zusammenhalt und Selbstfindung." So fasst WDR-Unterhaltungschefin Karin Kuhn das etwas andere Reality-Konzept zusammen. Subtext: Wer Ablästern, Anbrüllen und Aggressionsausbrüche für gute Unterhaltung hält, soll gern weiter bei den Privaten einschalten.
Worum geht's? Neun Frauen - von der auffällig tätowierten 38-Jährigen bis zum 65-jährigen Howard-Carpendale-Fan-Girl - stehen an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Sie wollen dringend etwas ändern. Endlich mehr für sich einstehen. Alte Beziehungen loslassen. Sich selbst annehmen. Eine alleinerziehende Mutter, eine Krebsüberlebende und eine erfolgreiche Unternehmerin sind darunter. Doch die Urteile, die diese mitten im Leben stehenden Frauen über sich selbst fällen, könnten härter kaum sein: "Zu dick", "unattraktiv", "dumm", "zu laut". Das tut weh beim Zusehen.
ARD-Publikum stört sich an sprechender Vulva: "Primitiv und niveaulos"
Dass es auch anders, liebevoller, geht, will Motsi Mabuse zeigen, die hier als Mentorin auftritt. Unterstützt wird die "Let's Dance"-Jurorin dabei von der Klinischen Psychologin und Psychotherapeutin Hedda Hess und Sexological Bodyworkerin und Selbstliebe-Coach Stella Siegert - und last but not least: einer sprechenden Lampe in Form einer Vulva, die das Zusammenleben der Frauen in einer Luxus-Villa auf Rhodos humorvoll kommentiert. "Ich bin die Vulva eures Vertrauens und ihr seid meine VIPs." Für den Trash-TV-Faktor ist also doch noch gesorgt. Danni Büchner, die bekannteste Teilnehmerin von "Vibes", wirkt kurz panisch: "Ich bin nicht prüde, aber ich habe ein bisschen Angst. Was ist das noch mal für ein Format hier?"
Kaum verwunderlich: Die sprechende Vulva ist die Steilvorlage für missbilligende Kommentare: "Und alles von unseren Zwangsgebühren. Primitiver und niveauloser geht es wohl nicht mehr?", lautet nur einer von vielen negativen Rückmeldungen zur Reality-Offensive der Öffentlich-Rechtlichen in den sozialen Netzwerken.
Dass mit Danni Büchner und Sara Kulka ("GNTM") gleich zwei "Reality-Bienchen" (Teilnehmerin Vivi) dabei sind, sorgt indes nur anfangs für Skepsis im Cast. "Sie sollen ruhig Vorurteile haben und dann hoffentlich nach zwölf Tagen sagen: 'Nee, die Danni ist ja supernett!'", wünscht sich die 46-Jährige. Die alleinerziehende Mutter von fünf Kindern hat schließlich auch ihr Päckchen zu tragen: Sie will wieder mehr vertrauen können.
"Reality-Bienchen" Danni Büchner und Sara Kulka dabei
In der Frauenrunde fühlt sie sich dann schnell so wohl, dass sie ein gut gehütetes Geheimnis offenbart: Sie war mehrere Jahre in einer Beziehung, die sie rückblickend als toxisch betrachtet: "Im Nachhinein bin ich auch froh, dass ich das nie öffentlich gemacht habe", so Büchner.
Verstecken kann sich bei "Vibes" sowieso niemand: Die dreifache Mutter Rüki spricht unter Tränen über ihre lieblose Ehe. "Ich hatte drei Jahre keinen Sex." Die 65-jährige Antje hat eine Krebserkrankung überlebt, will lernen, sich nicht mehr nur für andere aufzuopfern. Die einzige lesbische Frau in der Runde wünscht sich sehnlichst Kinder - hat aber gar keine Partnerin. Dass dann auch noch eine schwangere Frau in die Villa einzieht, macht die Situation nicht eben leichter. Franzi leidet unter ihrem Perfektionismus. Alex mag ihren Körper nicht. Nadja weiß nicht mehr, was sie außer Mutter zu sein überhaupt noch ausmacht.
Bei einer ersten Aufgabe packen die Frauen schwere Steine, auf denen negative Glaubenssätze geschrieben sind, in einen Rucksack ("Ich kann das nicht") und müssen damit einen Berg hinauf kraxeln: "Sie sollen richtig spüren, welche Last sie täglich mit sich herumtragen", sagt Psychologin Hedda Hess. Oben angekommen, schleudern sie die Steine nicht nur symbolisch über die Klippe.
"Vibes" bald auch im linearen TV zu sehen
Bei einer Party herrscht dann die Art von ausgelassener Stimmung, die man auch von Formaten wie "Der Bachelor" kennt: Champagner schlürfen und Pole-Dancing-Action inklusive. Doch es gibt einen großen Unterschied: Die Frauen hier wollen niemandem gefallen, sie genießen die Zeit miteinander, haben einfach eine gute Zeit - ohne Selbstkritik. Allein dafür lohnt sich das Einschalten schon.
In den bisher veröffentlichten drei Folgen werden die Probleme der Teilnehmerinnen nicht ausgeschlachtet. Der Fokus liegt auf dem, was die Frauen verbindet. So etwas kann also passieren, wenn nicht nur die Teilnehmerinnen, sondern auch das gesamte Produktionsteam (WDR in Kooperation mit der FLOW media company Köln GmbH) aus Frauen besteht.
"Vibes − Find Your Fire" ist ab 5. November in der ARD-Mediathek zu sehen. Veröffentlicht werden jeweils drei bis vier Folgen pro Woche. Im linearen TV startet die Serie bei ONE am 12. November um 21.45 Uhr. Im WDR sind die insgesamt zehn Folgen wöchentlich ab dem 8. Januar 2027 um 23.30 Uhr zu sehen.