"Dankbar" für 20 Jahre "SOKO Wien": Lilian Klebow zieht Bilanz

Die 20. Staffel der Vorabendkrimiserie "SOKO Wien" startet. Von Anfang an dabei ist Schauspielerin Lilian Klebow. "Nun bin ich der letzte Dinosaurier", sagt sie im Interview und blickt auf schwere Abschiede zurück. Doch sie macht auch klar, warum ihr Herz so sehr an der TV-Serie hängt.
von  (ili/spot)
Privat und beruflich ein eingespieltes Team: "SOKO Wien"-Star Lilian Klebow und ihr Ehemann, der ehemalige "Sturm der Liebe"-Star Erich Altenkopf.
Privat und beruflich ein eingespieltes Team: "SOKO Wien"-Star Lilian Klebow und ihr Ehemann, der ehemalige "Sturm der Liebe"-Star Erich Altenkopf. © imago images/K.Piles

Seit über 20 Jahren steht Lilian Klebow (48) als Penny Lanz für "SOKO Wien" (seit 2005) vor der Kamera - eine Rolle, mit der sie vom rebellischen Nachwuchstalent zum erfahrenen Serienstar wurde. Im Interview mit spot on news spricht sie über ihren allerersten Drehtag auf der Donau, über wilde Szenen im Hochzeitskleid, den Teamgeist hinter den Kulissen und die Kunst, eine Figur über zwei Jahrzehnte lebendig zu halten. Außerdem verrät die Münchnerin, was sie privat von Penny gelernt hat, warum Humor ihr größtes Geheimrezept ist - und welche emotionalen Überraschungen die neue Staffel, die am 23. Januar um 18 Uhr mit der Episode "Vergeltung" im ZDF startet, bereithält.

Sie sind seit der ersten Staffel (2005) als Penny Lanz dabei - was bedeutet es für Sie, diese Rolle schon seit mehr als 20 Jahren zu verkörpern?

Lilian Klebow: Penny Lanz ist ein riesengroßes Geschenk. Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als meine Agentin Daniela Stibitz mir am Telefon sagte: "Setz dich hin. Du hast die Rolle - und du heißt Penny Lanz!" Einer der schönsten Momente meines Lebens. Ich habe den Namen sofort geliebt.

Hätten Sie sich damals vorstellen können, diese Rolle so lange zu spielen?

Klebow: Niemals! (lacht) Mit 26 war ich rebellisch und rastlos. Penny und ich haben als junge, unerfahrene, sehr aufgeregte Schauspielerin und Ermittlerin angefangen, heute haben wir beide auf ganz unterschiedliche Weise uns selbst gefunden. Penny zu begleiten und sie mich, ist eine der schönsten Reisen meines Lebens. Und dabei durfte ich alles spielen: Action, Drama, Humor, Liebe, Verlust - nur Mama durfte nur ich sein.

Was werden Sie von Ihrem allerersten Drehtag bei "SOKO Wien" nicht vergessen?

Klebow: Die Aufregung vor dem ersten Wort. In meinem Polizeioverall, den wir damals noch hatten, mit Waffe im Oberschenkelholster, musste ich in meinen schweren Stiefeln über die Ladeklappen eines riesigen Schubverbandes steigen. Dabei musste ich mein Headset am Funk bedienen und sagen: "Alles klar. Keine verdächtige Ladung". Ich war aufgeregt, weil ich keinen Partner oder Partnerin zum Spielen hatte, sondern eine Szene ganz alleine - ich kam ja vom Theater und Musical. Es ist eine coole Szene geworden und ich liebe bis heute die großen Schubverbände auf der Donau.

Welche weiteren Momente am Set sind unvergesslich?

Klebow: Neben der wilden und musikalischen Doppelrolle in der Episode "Quantensprung" fällt mir da insbesondere eine One-Taker-Szene ein: Penny im Hochzeitskleid, entführt, festgehalten in einem Keller. Sie versucht sich zu befreien, reißt ein Metallregal aus der Wand und will die Tür einschlagen. Diese Wut, dieser Schrei, diese Hilflosigkeit - das war heftig. Als das Team danach sagte, wie stark die Szene war, war das das schönste Kompliment. Die Liebe, das Vertrauen und der Zusammenhalt bei uns am Set, machen diese Arbeit so besonders, denn Film ist ein Teamsport.

Wie schafft man es, eine Figur über zwei Jahrzehnte frisch, glaubwürdig und lebendig zu halten?

Klebow: Indem man neugierig und demütig bleibt. Genau diese Szene an diesem Tag hast du ja noch nie gespielt. Ich lasse los und lasse mich voll auf den Moment ein. Dann denke ich nicht mehr, sondern bin einfach. Die Arbeit an der Szene, am Buch, hat man ja vorher gemacht.

Gibt es etwas, das Sie privat von Penny Lanz gelernt haben?

Klebow: Mut und klare Ansagen zu machen, wo ich manchmal viel diplomatisch-freundlicher veranlagt wäre. Durchhaltevermögen und Humor.

Was hat sich am meisten verändert - in der Serie, im Team oder in Ihnen selbst - seit Staffel eins?

Klebow: Als junge Schauspielerin wollte ich Fernseh- oder Filmpreise gewinnen, große Rollen spielen und möglichst viel Verschiedenes drehen. Ich fürchtete mich vor der Schublade, in die man so gerne gesteckt wird. Gut, in der stehe ich zwar knietief - aber mit Stolz. Ich darf heute beruflich so vieles machen: Kino, Moderation, Kabarett, meinem Knef-Abend als Sängerin - dafür bin ich zutiefst dankbar. Darüber hinaus durfte ich meine Kinder jeden Tag aufwachsen sehen - das Wichtigste und Schönste überhaupt. Ohne das verständnisvolle "SOKO"-Team, das da war, wenn ich müde, überfordert oder erledigt war, wäre das nicht möglich gewesen. Dieses Team voller besonderer Menschen ist das Geheimnis der "SOKO Wien".

Die Dreharbeiten zwischen Wien und München verlangen sicher viel Organisation - wie gelingt Ihnen der Spagat?

Klebow: Gnadenlose Selbstausbeutung (lacht). Mutter zu sein, ist eigentlich ein Managerinnenjob - nur leider gesellschaftlich nicht so anerkannt. Meine Organisationsskills sind bemerkenswert geworden, die Krisenresilienz wächst. Mich bringt so schnell nichts mehr aus der Ruhe. Irgendwann habe ich Wut und Selbstmitleid hinter mir gelassen und einfach gemacht und gegeben, ohne darüber nachzudenken. Das war teilweise eine gesunde Abkehr vom Ego und teilweise erschöpfend. Man wird gut in Spontanität und schnellen Entscheidungen, in unserem schwer planbaren Beruf. Schlussendlich hat aber der Humor Erich [Schauspieler Erich Altenkopf, Red.] und mich und unsere Liebe durch alles getragen. Denn ein Spagat ist und bleibt anstrengend.

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, die Serie zu verlassen?

Klebow: Natürlich. Es gab Momente, in denen ich dachte, ich schaffe den Spagat zwischen Job und Kindern nicht oder brauche Neues. Aber die Liebe zu Penny und die Möglichkeit bei meinen Kindern zu sein, haben immer überwogen.

In 20 Jahren verändert sich auch das Team. Wie haben Sie Abschiede und Neuanfänge am Set erlebt?

Klebow: Vor allem die Abschiede am Anfang von Pia Baresch, Alma Hasun, Cornelius Obonya und besonders meinem Partner Manuel Witting haben mir sehr leidgetan. Kein Abschied war leicht und jeder anders, manche waren hochemotional und erschütterten ein Dreamteam. Aber in jedem lag auch die Chance auf Veränderung. Auch Penny konnte so irgendwann aus dem Küken-Status herauswachsen. Nun bin ich der letzte Dinosaurier. Aber es geht ja weiter und über neue Kollegen wie Martin Gruber kann man sich einfach nur freuen, großartiger Schauspieler und Mensch.

Was dürfen die Zuschauerinnen und Zuschauer in der neuen Staffel von Penny Lanz erwarten - gibt es Überraschungen?

Klebow: Oh ja. Penny verliebt sich wieder einmal - und so viel sei verraten: natürlich unglücklich. (lacht) Außerdem greift eine Folge das Thema Femizide erneut auf. In "Jausenstation Hödlmoser" (2014) wurden junge Frauen von den Hödlmosers entführt und getötet. Auch Penny wurde in dieser Folge entführt und bedroht. Die Wut auf Femizide, die extreme Form von geschlechtsbezogener Gewalt gegen Frauen, teile ich mit meiner Rolle. Und in "Hödlmoser reloaded" kommt das Thema wieder auf den Tisch. Eine spannende, berührende und heftige Reise in die Vergangenheit und ein gesellschaftlich wichtiges Thema. Es gibt auch eine Folge über sogenannte "Tradwives" - das Eintauchen in dieses Universum hat mir große Freude bereitet. Sehr spannend waren für mich auch viele Drehorte: das neue Wasserlabor an der Donau, die Universität für Bodenkultur oder der stillgelegte Reaktor in Zwentendorf.

Wenn Sie auf 20 Staffeln SOKO Wien zurückblicken - was möchten Sie dem Publikum sagen?

Klebow: Ein riesiges Danke! Es ist berührend, über zwei Jahrzehnte hinweg begleitet zu werden - manchmal schon über Generationen. Jedes Feedback, jede Begegnung bedeutet mir viel. Es ist eine Ehre, das tun zu dürfen, was ich liebe.

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