ARD zeigt Beethoven-Film: Ta ta ta taaaaaaa!

Die ARD zeigt zum Abschluss des Jubiläumsjahrs den Film "Louis van Beethoven" mit Tobias Moretti und Ulrich Noethen.
| Robert Braunmüller
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Der Jungpianist Colin Pütz (re.) spielt das Wunderkind der Bonner Kindheitstage, Anselm Bresgott (li.) den rebellischen Beethoven vor der zweiten Reise nach Wien und Tobias Moretti (Mitte) den tauben Grantler gegen Ende seines Lebens.
Der Jungpianist Colin Pütz (re.) spielt das Wunderkind der Bonner Kindheitstage, Anselm Bresgott (li.) den rebellischen Beethoven vor der zweiten Reise nach Wien und Tobias Moretti (Mitte) den tauben Grantler gegen Ende seines Lebens. © Degeto/WDR/ORF/EIKON Media/Tom Trambow

Wäre Beethoven nicht so ein fürchterlicher Dickschädel gewesen! Hätte er die Kutsche auf dem Weg nach Wien mit seiner etwas nervigen Schwägerin geteilt, dann wäre er nicht im Niederösterreichischen in einen Schneesturm geraten und an den Spätfolgen einer Lungenentzündung gestorben. Er hätte seine Umwelt zwar weiter brüskiert. Aber wir hätten mindestens 15 Symphonien statt nur neun, weitere Quartette und vielleicht sogar die misslungene Oper "Melusina" auf ein Libretto von Grillparzer.

TV-Kritik: Beethoven-Fans kommen wegen guter Schauspieler auf ihre Kosten

Film-Biografien berühmter Menschen bringen naturgemäß mehr Ordnung ins Chaos des Lebens, als da womöglich wirklich war. Auch der ARD-Weihnachtsfilm "Louis van Beethoven" betreibt die branchenübliche Vereinfachung schwieriger Sachverhalte. Aber weil die Schauspieler gut sind, dürfte der Festtagsfrieden auch unter Beethoven-Fans gewahrt bleiben.

Nikolaus Stein von Kamienski (Buch und Regie) verbindet die Jugend mit dem letzten Lebensjahr des Komponisten. Der alte Beethoven, von Tobias Moretti gespielt, als sei er direkt aus Joseph Stielers Gemälde gesprungen, erinnert sich an seine frühen Jahre in Bonn und die von ihm vergeblich geliebte Eleonore von Breuning und hat in der Gegenwart eine Menge Ärger mit seinem Neffen.

Beethoven ist, wie es sich gehört, ein Rebell und Anhänger der Freiheit. Schon als 10-Jähriger hört er mit Sympathie, wie ein junger Schauspieler die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika deklamiert.

Beethoven ist ein Rebell und Anhänger der Freiheit

Schillers "Ode an die Freude" mit den idealistischen Worten "Alle Menschen werden Brüder" hat er wohl vor allem deshalb in Töne gesetzt, weil es ihm nicht vergönnt war, seine unzulänglichen Nächsten angemessen zu lieben.

Der Film führt das nicht nur auf seine Taubheit zurück. Schon der junge Beethoven ist - wie sein Vater - ein Grobian, der Adeligen die Zunge herausstreckt. Aber im Unterschied zu Salzburg, wo der aufsässige Mozart vom sprichwörtlichen Fußtritt des Grafen Arco auf den freien Musikmarkt Wiens befördert wird, lässt man sich am kurkölnischen Hof zu Bonn eine Menge bieten.

Nicht einmal die Schlägerei des jungen Beethoven mit Adeligen hält die besseren Kreise der Stadt davon ab, den jungen Pianisten und Komponisten unermüdlich zu fördern. Und da gibt es angesichts eines Alkoholiker-Vaters und einer tuberkulösen Mutter einiges zu tun. Nur beim Heiraten hört dann die Verbrüderung zwischen den Ständen auf.

Wenn es um Musik und Zeitgeschichte geht, werden die Dialoge ein wenig hölzern. Die beiden jungen Beethoven-Darsteller Colin Pütz und Anselm Bresgott spielen den Grantler Tobias Moretti mit Charme an die Wand. Heimliches Zentrum des Films bleibt Ulrich Noethen als Beethovens Lehrer und Ersatzvater Christian Gottlob Neefe, der den jungen Mann mit Bach, Goethe und der aufklärerischen Lebensklugheit bekannt macht.

Über Beethovens dreimonatigen Wien-Aufenthalt im Winter 1786 wissen Biografen nicht viel, der Film dafür umso mehr: Da hat Mozart seinen großen Auftritt. Der Sänger, Schauspieler und Kabarettist Manuel Rubey ("Falco") rockt Amadeus als hallodrigen Zappelzyniker, der an der Belehrung junger Talente völlig desinteressiert ist und mit einer Kokotte so über seine Verhältnisse lebt, dass man die Sorgen von Vater Leopold gut versteht.

Wer auf die Schilder der Hammerklaviere achtet, wird feststellen, dass der Film großen Wert auf korrekte Details legt. Stein von Kamienski hat eine merkwürdige Obsession für die im Werk Beethovens ephemeren Fugen. Gleich zu Beginn scheitert das Schuppanzigh-Quartett am musikalischen Grant der "Großen Fuge" aus Opus 133. Mit Mozart improvisiert der frisch in Wien Angekommene eine dem Kenner unter der Köchelverzeichnisnummer 426 bekannte Komposition.

Die dynastischen Verbindungen zwischen Wien und Bonn hätten etwas mehr Erklärung vertragen können. Gedreht wurde in Tschechien. Die schönen Kostüme des Films kommen etwas zu frisch und fleckenlos direkt aus der Schneiderei, die Straßen von Bonn sind immerhin nicht ganz so sauber.

Ein Gewinn ist der Mut zum Dialekt. Der Bonner Vermieter der Beethovens spricht ein für Münchner gänzlich unverständliches Idiom, der Komponist bleibt auch im Alter sprachlich dem Rhein nahe. Und der in Chemnitz geborene Neefe sächselt allerliebst.


ARD, 25. Dezember, 20.15 Uhr, auch in der Mediathek

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