Interview

ARD-Talk "Club 1" mit Caro Matzko: Das Mädchen hinter der Bar

Caro Matzko über den neuen ARD-Talk "Club 1" bei dem der Moderator Hannes Ringelstetter nicht weiß, welche Gäste er erwarten darf.
| Thomas Becker
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Caro Matzko und Hannes Ringlstetter. In seiner Talkshow "Club 1" wissen nur die Redaktion und Sidekick Caro Matzko, welche Gäste geladen sind.
Caro Matzko und Hannes Ringlstetter. In seiner Talkshow "Club 1" wissen nur die Redaktion und Sidekick Caro Matzko, welche Gäste geladen sind. © Markus Kovalin

München - Der Bayerische Rundfunk bereichert den ARD-Sendeplatz "Talk am Dienstag" (22.50 Uhr) um das neue, 90-minütige Format "Club 1" mit Hannes Ringlstetter. Der Clou an der neuen Talkshow: Nur die Redaktion und Sidekick Caro Matzko, mit der er seit fast vier Jahren die Sendung "Ringlstetter" bestreitet, wissen, welche Gäste geladen sind. Die ersten Folgen sind für heute und 27. Oktober geplant.

AZ-Interview mit Caro Matzko

Die AZ hat mit Caro Matzko (41) gesprochen. Sie studierte Kommunikationswissenschaft, Politik und Soziologie an der Uni München, arbeitete beim SWR und moderiert seit 2002 beim "Zündfunk". Seit 2016 ist sie Sidekick der Ringelstetter-Show

AZ: Frau Matzko, "Club 1" steht in einer Reihe mit "3nach9", der "NDR Talkshow", dem "Kölner Treff" und dem "Nachtcafé" vom SWR. Ganz schön große Fußstapfen. Wie nervös waren Sie vor dem ersten Auftritt im hochheiligen Ersten?
CARO MATZKO: Ich war ja schon mal im Ersten: Beim "ARD Gesundheitscheck" war ich als Reporterin zu sehen. Aber das ist gar nicht so das Thema. Der BR ist ja genauso wichtig wie das Erste. Ich bin eher aufgeregt, weil wir in einer Reihe stehen mit verdienstvollen Kolleginnen und Kollegen, vor denen ich den Hut ziehe und den Gebetsteppich ausrolle: Judith Rakers, Giovanni di Lorenzo, Barbara Schöneberger - da sind wir jetzt dabei! Das war auch mit der Grund, dass wir gesagt haben: Auf dem Level mit unserer Verballertheit können wir nur verlieren. Wir mussten uns etwas anderes überlegen: eben diese Spielkonstellation. So hat der Hannes nun ganz offiziell die Legitimation, keine Ahnung zu haben.

Neue Sendung: Hannes Ringlstetter kennt Gäste nicht

Das Szenario vom völlig unvorbereiteten Moderator hat ja Charme...
...und funktioniert auch total! Er wusste wirklich von nichts. Ich bin schon ein bisschen stolz darauf, dass wir uns so zusammengerissen haben, ihn nicht aus Versehen in einem E-Mail-Verteiler drin oder ein Buch oder eine CD von einem Gast rumliegen hatten. Da waren wir sehr diszipliniert für unsere Verhältnisse.

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Sie kommen vom Wissenschaftsjournalismus. Wie sind Sie von da aus in der Unterhaltung gelandet?
Das liegt an meiner alten Ulmer Schulfreundin Ariane Müller, die Kabarettistin in dem Duo "Suchtpotenzial" ist. Die hatte mehrere Auftritte im "Vereinsheim", wo ich sie sozusagen als Fankurve laut grölend unterstützt habe.

Karriere von Caro Matzko

So kommt man also zum Fernsehen!
Daher kannte mich der Hannes, weil ich mich einfach sehr auffällig benommen habe. Irgendjemand hat mich dann für die Rolle der Barfrau in "Ringlstetter" empfohlen, und er meinte: "Klar, des mach ma." Mein Bewerbungsvideo ist allerdings im Giftschrank gelandet.

Erzählen Sie!
Ich habe mir eine Wienerwurstkette um den Hals gehängt, mit dem Mund eine Flasche entkorkt und sehr viel Wein getrunken - schließlich wurde ja eine Barfrau gesucht. Eine Form von zivilem Ungehorsam.

Das heißt, Sie und Ringlstetter kannten sich vorab bereits.
Wir hatten grundsätzliche Sympathie füreinander, aber auch genügend Distanz, haben uns sozusagen vorsichtig beäugt, waren nicht zu buddymäßig, dass da für den Zuschauer eine Hermetik hätte entstehen können. Gleich am Anfang hatten wir dann ein paar gemeinsame Projekte, die uns wirklich an die Grenzen gebracht haben.

Sie meinen das Foto-Shooting? Sie als leicht bekleidete Jung-Besamerin mit Gummihandschuhen im Kuhstall...
Wir wollten unbedingt mal so einen ironischen Porno-Kalender machen, inklusive Charity-Impetus. Es war nur absurd, wahnsinnig lustig. Insofern sind Hannes und ich sehr schnell gut miteinander klargekommen.

Die erste von bislang rund 130 Sendungen lief am 1. Dezember 2016. Viel Zeit für andere Projekte bleibt da kaum, oder?
Ich versuche es schon, merke aber schnell, dass ich da in eine Überforderung gerate. Ich bin ja auch noch oder vor allem Mutter. Ab und zu mache ich ja noch "1:1 - der Talk" auf Bayern 2, in diesem Monat zwei lange Interviews, immer wieder auch den Zündfunk, ab und an eine Veranstaltung. Letzten Monat habe ich auch noch ein Buch geschrieben, das an Silvester rauskommt. Und "Ringlstetter" beschäftigt mich tatsächlich drei Tage die Woche - ich stehe ja nicht nur an der Bar, sondern sitze auch in der Redaktion. Montags suchen wir Witze aus, dienstags schreiben wir Witze auf, mittwochs machen wir Witze. Da habe ich also genug zu tun.

Nicht in der Sendung: Uschi Glas hisst feministische Fahne 

Die Bandbreite der "Ringlstetter"-Gäste ist ähnlich breit wie nun wohl auch die bei "Club 1". Plaudern Sie doch mal aus dem berühmten Nähkästchen, bitte!
Es gab viele denkwürdige Momente, sowohl auf als auch hinter der Bühne. Ich finde immer die Chemie zwischen den Gästen spannend und wie sie sich dann gemeinsam entwickeln beim Hannes am Schreibtisch. Schön war zum Beispiel der Besuch von Schauspieler Michael Ostrowski: Der brachte mir als Gastgeschenk eine Feinstrumpfhose mit, die ich in der Sendung anzog, die aber nur auf Halbmast hing, worauf Veronika von Quast, die auch zu Gast war, mir nach zwei Gin Tonic den Tipp gegeben hat: "Die Füße abschneiden, dann passt sie im Schritt!" Oder Willy Michl, der Skispringer Markus Eisenbichler zum Indianer ernannt hat. Ein inneres Foto-Album voller Schnappschüsse. Ein Moment, der es nicht in die Sendung geschafft hat, war, als Uschi Glas es zu viel männliches Silberrückengegockel um sie herum wurde. Sie stand auf und kam zu mir an die Bar, hat sozusagen die feministische Fahne gehisst und sich mit mir verschwestert.

Wie #MeToo-konform ist Ihre Rolle als sidekickende Barfrau in "Ringlstetter"? Sie sind ja nicht mittendrin, sondern eher nur dabei.
Ich bin ja eine der wenigen weiblichen Sidekicks. Das ist schon mal positiv. Was ich sehr bedauerlich finde, ist, dass das immer noch keine Selbstverständlichkeit ist, dass es immer noch nicht möglich ist, dass eine Late-Night-Show von einer Frau moderiert wird. ARD-Programmdirektor Volker Herres sagte ja mal den denkwürdigen Satz, es gebe halt kein weibliches Pendant zu Kai Pflaume - dass darauf so viele Kolleginnen reagiert haben, hat schon seinen Grund. Intern nennen wir das scherzhaft "Die Rolle der Caro" - weil das so vieldiskutiert ist. Ich finde es vor allem anstrengend, dass ich mich dauern dazu verhalten muss. Manche Zuschauer schreiben oder sprechen mich an und glauben, sie müssten etwas gegen den Hannes sagen, um mich aufzuwerten. Aber das ist ja Nonsens. Hannes und ich sind ein Superteam mit einer ganz klaren Aufgabenverteilung. Und er hat die Sendung, die seinen Namen trägt, mehr als verdient.

Aber allein die räumliche Versuchsanordung macht es schwierig: Sie im Rücken der Gäste.
Der Studiobau ist nicht unbedingt ideal. Damit müssen wir umgehen. Es ist immer schwierig, eine Frau in den Hintergrund zu stellen. Ich weiß nicht, ob es genauso schwierig wäre, wenn da ein Mann hinter der Bar stünde. Aber dadurch dass ich ein Mädchen bin, schaut man doppelt drauf. Ich halte das sehr gut aus, weil ich um meine Kompetenzen weiß. Ich weiß, dass ich mich auch noch viel mehr einmischen könnte. Aber dadurch, dass sich die Gäste dann zu mir umdrehen müssten, wäre das einfach eine unangenehme Situation, für alle Beteiligten. Insofern halte ich mich zurück, weil: Eine Frau, die von hinten lautstark reinkräht, hält keiner aus. Weil es immer bedauerlich ist. Viele schauen mich deswegen an wie ein Opfer und dann muss ich mich dazu verhalten - das ist der eigentlich anstrengende Part an der vielzitierten "Rolle der Caro". Aber Hannes und ich sind total ok und ich mach den Job ja, weil ich's kann und großen Spaß daran habe. Natürlich könnte ich noch mehr moderieren. Aber ich kann auch einfach ein Glaserl Wein trinken und zuhören.

Und wo ist nun Ihr Platz in der neuen Sendung?
Da habe ich eine andere Rolle: Ich bin die Redakteurin, die vier von fünf Gästen ausgesucht hat, und gebe Hannes in der Sendung einige sachdienliche Hinweise, die in einem Film zusammengefasst sind. Ich schlage ihm drei, vier mögliche Themen vor und gebe ihm manchmal eine Challenge mit. Und so, das kann ich schon mal verraten, sind unglaublich schöne und lustige Runden entstanden, die keiner verpassen sollte.

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