Achtung, Blasphemie! Einer der lustigsten Filme aller Zeiten läuft im Free-TV

Verbohrte Debatten stimmt über die famose Bibelsatire der Monty Pythons heute keiner mehr an. An Reiz und Relevanz hat der anarchische Kinohit von 1979 dennoch nichts verloren.
Jens Szameit |
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Der Heiland ward geboren! Und einer, den man irrtümlicherweise für den Messias hält: Brian von Nazareth (Graham Chapman).
RTLZWEI 5 Der Heiland ward geboren! Und einer, den man irrtümlicherweise für den Messias hält: Brian von Nazareth (Graham Chapman).
Die Volksfront von Judäa - von links: Eric Idle, John Cleese, Michael Palin, Sue Jones-Davies - diskutiert über "Vergeltungsaktionen" gegen die Römer.
RTLZWEI 5 Die Volksfront von Judäa - von links: Eric Idle, John Cleese, Michael Palin, Sue Jones-Davies - diskutiert über "Vergeltungsaktionen" gegen die Römer.
Brian (Graham Chapman, links) und seine Mutter (Terry Jones, re.) sind auf dem Weg zu einer Steinigung.
RTLZWEI 5 Brian (Graham Chapman, links) und seine Mutter (Terry Jones, re.) sind auf dem Weg zu einer Steinigung.
"Wir haben keinen Chmul!" Pontius Pilatus (Michael Palin) kann die Ausgelassenheit des Volkes nicht begreifen.
RTLZWEI 5 "Wir haben keinen Chmul!" Pontius Pilatus (Michael Palin) kann die Ausgelassenheit des Volkes nicht begreifen.
"Always Look On The Bright Side Of Life": Auch im Angesicht des bevorstehenden Todes behält ein Verurteilter (Eric Idle, links) seinen Humor.
RTLZWEI 5 "Always Look On The Bright Side Of Life": Auch im Angesicht des bevorstehenden Todes behält ein Verurteilter (Eric Idle, links) seinen Humor.

Im Jahr 1979 gab es Menschen, die hätten die Komikertruppe Monty Python vermutlich am liebsten gesteinigt. Warum? Weil die einen Film über ihresgleichen gedreht hatte: religiöse Dogmatiker und andere verbohrte Ideologen. "Du machst alles nur noch schlimmer für Dich, Elender!", warnt der Scharfrichter in einer der vielen absurden Szenen. "Was kann denn noch schlimmer sein?", wendet der zur Steinigung Verurteilte nicht ganz grundlos ein. Und dann tanzt er keck zu den verbotenen Worten: "Jehova! Jehova!" - RTLZWEI tut es dem guten Mann gleich und wiederholt schamlos das gotteslästerliche Meisterwerk "Das Leben des Brian" am Donnerstag, 8. Oktober, um 20.15 Uhr.

Als im Lager der Pythons Mitte der 70er-Jahre erstmals die Idee einer Bibelsatire aufkam, waren die einzelnen Mitglieder schon fleißig mit ihren Solokarrieren befasst. Man arbeitete in Zweiergruppen oder ganz für sich. Da kommt es fast einem Wunder gleich, dass ausgerechnet "Life of Brian" der inhaltlich kohärenteste Kinofilm der genialischen Knallchargen wurde. Mit ein wenig gutem Willen könnte man sagen, er erzählt so etwas Ähnliches wie eine Geschichte.

Alles nur ein Missverständnis?

Bethlehem im Jahre Null. Der Heiland ward geboren! Und einer, den man irrtümlicherweise für den Messias hält: Brian von Nazareth. Das kurze Leben des glücklosen Judäers (Graham Chapman), unehelicher Sohn eines römischen Centurio, wird auch weiterhin von bitteren Missverständnissen und Enttäuschungen geplagt sein.

Brian schließt sich der tumben Guerillatruppe Volksfront von Judäa (selbstverständlich nicht der Judäischen Volksfront!) an. Er verliebt sich in eine politisch radikalisierte Emanze (Sue Jones-Davies). Er lässt sich beim Parolenpinseln grammatischer Fehler überführen. Man schießt ihn ins Weltall. Man ergreift ihn und verurteilt ihn zum Tode. Und natürlich rettet es ihn nicht, dass der Statthalter Pontius Pilatus mit seinem (in der deutschen Synchronfassung) pösen Chprachfehler eine "Peknadikung" ausspricht. Am Ende bleibt der munteren Kreuzigungsgruppe nur ein Lied: "Always Look on the Bright Side of Life".

Ohne George Harrison hätte es den Film nie gegeben

Die fröhliche Flötnummer aus der Feder von Eric Idle wurde ein Welthit - und der Film allen Aufführungsverboten und Boykottaufrufen zum Trotz ein Klassiker. Dabei wäre die Satire, die mehr noch als die Bibelgeschichte die politischen Debatten jener Tage durch den Reißwolf jagte, beinahe nie gedreht worden. Die Geldgeber wollten das vermeintlich heiße Eisen "Blasphemie" nicht anpacken. Schließlich stellte der Ex-Beatle George Harrison vier Millionen Dollar aus seinem Privatvermögen zur Verfügung. Weil er den Film so gerne sehen wollte. Über das Ergebnis hat er sich begreiflicherweise nie beklagt. Ist es Klamauk? Ist es große Kunst? Ganz entschieden: beides.

Die eher klamaukige Seite der Pythons zeigt RTLZWEI direkt im Anschluss: Um 22.10 Uhr läuft mit "Die Ritter der Kokosnuss" (1974) der zweite Spielfilm der britischen Komikertruppe, in dem König Arthur (Graham Chapman) und seine Gefährten sich auf die Suche nach dem Heiligen Gral machen.

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