40 Jahre Lederhosen-Softpornos: Die Kultbilder!

"Liebesgrüße aus der Lederhos'n“ - damit brach Anfang der 70er Jahre ein neues Filmgenre über die Bundesrepublik herein. Mit viel nackter Haut und fragwürdigem Witz lockten Sexfilmchen Millionen in die Kinos. Die Gipfel-Höhepunkte
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Viel nackte Haut und Sex: Der Film „Liebesgrüße aus der Lederhos'n“ schockte und erfreute in den 70ern die Deutschen. Schulmädchen-Report und Co.: Es folgte eine regelrechte Softporno-Welle. Wir zeigen die kultigen Bilder...
dpa 54 Viel nackte Haut und Sex: Der Film „Liebesgrüße aus der Lederhos'n“ schockte und erfreute in den 70ern die Deutschen. Schulmädchen-Report und Co.: Es folgte eine regelrechte Softporno-Welle. Wir zeigen die kultigen Bilder...
Mit der Mistgabel gegen das Liebepaar auf der Weide: Dieser Bauer versteht keinen Spaß! Szenenfoto aus dem Film "Auf der Alm da gibts koa Sünd"
dpa 54 Mit der Mistgabel gegen das Liebepaar auf der Weide: Dieser Bauer versteht keinen Spaß! Szenenfoto aus dem Film "Auf der Alm da gibts koa Sünd"
Szenenfoto aus dem Film "Geh zieh Dein Dirndl aus"
dpa 54 Szenenfoto aus dem Film "Geh zieh Dein Dirndl aus"
Wer kennt diesen Streifen noch? Richtig: "Drei Schwedinnen aus Oberbayern" lautet der Titel
dpa 54 Wer kennt diesen Streifen noch? Richtig: "Drei Schwedinnen aus Oberbayern" lautet der Titel
Der Ausschnitt aus einem Buch zeigt Szenenfotos aus den Filmen "Liebesgrüße aus der Lederhos'n". Aber auch der Schulmädchen-Report polarisierte. Mit dabei: Viele deutsche Schauspieler, die später noch seriöse Karriere machten...
dpa 54 Der Ausschnitt aus einem Buch zeigt Szenenfotos aus den Filmen "Liebesgrüße aus der Lederhos'n". Aber auch der Schulmädchen-Report polarisierte. Mit dabei: Viele deutsche Schauspieler, die später noch seriöse Karriere machten...
Dreck oder Aufklärung? Vor 40 Jahren kam der erste „Schulmädchen- Report“ ins Kino.
ho 54 Dreck oder Aufklärung? Vor 40 Jahren kam der erste „Schulmädchen- Report“ ins Kino.
Viele der Schauspieler hatten im Nachhinein bemängelt, dass sie ausgenutzt wurden - Doch Schauspieler Achim Neumann hält dagegen: „Wir wurden nicht ausgebeutet“.
ho 54 Viele der Schauspieler hatten im Nachhinein bemängelt, dass sie ausgenutzt wurden - Doch Schauspieler Achim Neumann hält dagegen: „Wir wurden nicht ausgebeutet“.
Als er mit 17 mit meiner Freundin nach München gegangen ist, hat er auf Partys Filmleute kennen gelernt. "Irgendwann traf ich dann Wolf C. Hartwig", den Produzenten des Schulmädchen-Report.
ho 54 Als er mit 17 mit meiner Freundin nach München gegangen ist, hat er auf Partys Filmleute kennen gelernt. "Irgendwann traf ich dann Wolf C. Hartwig", den Produzenten des Schulmädchen-Report.
"Wenn ich heute daran zurückdenke, dann fällt mir vor allem auf, wie sorglos wir alle waren damals. Eine leichte, eine unbeschwerte Zeit. Wir hatten so viel Spaß am Set, wir waren wie eine große Familie."
ho 54 "Wenn ich heute daran zurückdenke, dann fällt mir vor allem auf, wie sorglos wir alle waren damals. Eine leichte, eine unbeschwerte Zeit. Wir hatten so viel Spaß am Set, wir waren wie eine große Familie."
"Ich habe lesen müssen, dass Hartwig die Namen seiner Schauspieler nicht kannte. Dass er Nackt-Szenen beim Dreh reingedrückt habe, die nicht im Drehbuch standen. Und Ingrid Steeger sagt ja allen Ernstes, wir seien ausgebeutet worden...
ho 54 "Ich habe lesen müssen, dass Hartwig die Namen seiner Schauspieler nicht kannte. Dass er Nackt-Szenen beim Dreh reingedrückt habe, die nicht im Drehbuch standen. Und Ingrid Steeger sagt ja allen Ernstes, wir seien ausgebeutet worden...
...doch das stimmt nicht. Hartwig war ein äußerst professioneller Produzent. Wir wurden nicht ausgebeutet, wir wurden sehr gut bezahlt."
ho 54 ...doch das stimmt nicht. Hartwig war ein äußerst professioneller Produzent. Wir wurden nicht ausgebeutet, wir wurden sehr gut bezahlt."
Der Hartwig wusste immer ganz genau, wer wann was drehte. Er ließ uns ja auch jeden Morgen einzeln abholen.
ho 54 Der Hartwig wusste immer ganz genau, wer wann was drehte. Er ließ uns ja auch jeden Morgen einzeln abholen.
"Ich habe pro Drehtag 800 Mark bekommen, die Hälfte davon hat damals meine Zweizimmerwohnung mit Balkon in Schwabing gekostet...
ho 54 "Ich habe pro Drehtag 800 Mark bekommen, die Hälfte davon hat damals meine Zweizimmerwohnung mit Balkon in Schwabing gekostet...
...und die Steeger, die war damals ja schon ein Star. Die hat noch viel mehr gekriegt."
ho 54 ...und die Steeger, die war damals ja schon ein Star. Die hat noch viel mehr gekriegt."
Ich kann mich erinnern, einmal drehten wir in der Seidlvilla. Ich saß mit meiner Partnerin in der Badewanne – und plötzlich stürmt der Hartwig rein und brüllt „Der Achim sitzt wohl wieder in der Wanne und badet auf meine Kosten!“
ho 54 Ich kann mich erinnern, einmal drehten wir in der Seidlvilla. Ich saß mit meiner Partnerin in der Badewanne – und plötzlich stürmt der Hartwig rein und brüllt „Der Achim sitzt wohl wieder in der Wanne und badet auf meine Kosten!“
Die Filme bezeichnet Neumann im Nachhinein als "luftig und charmant".
ho 54 Die Filme bezeichnet Neumann im Nachhinein als "luftig und charmant".
100 Millionen haben die 13 Folgen gesehen. Die Deutschen hatten es erotisch gerade zu lernen versucht mit Oswald-Kolle-Aufklärungsfilmen.
ho 54 100 Millionen haben die 13 Folgen gesehen. Die Deutschen hatten es erotisch gerade zu lernen versucht mit Oswald-Kolle-Aufklärungsfilmen.
Buchautor Günther Hunold hatte im Frühjahr 1970 den „Schulmädchen- Report“ veröffentlicht, in dem 36 Mädchen und junge Frauen zwischen 14 und zwanzig über ihre Sexualität redeten.
ho 54 Buchautor Günther Hunold hatte im Frühjahr 1970 den „Schulmädchen- Report“ veröffentlicht, in dem 36 Mädchen und junge Frauen zwischen 14 und zwanzig über ihre Sexualität redeten.
Schon ein halbes Jahr später war der Film abgedreht.
ho 54 Schon ein halbes Jahr später war der Film abgedreht.
Produzent Wolf C. Hartwig ist bis heute überzeugt: „Alles, was ich gezeigt habe, ist im täglichen Leben vorgekommen, alles!“
ho 54 Produzent Wolf C. Hartwig ist bis heute überzeugt: „Alles, was ich gezeigt habe, ist im täglichen Leben vorgekommen, alles!“
Edgar Reitz: „Sex ist halt das primitivste Erfolgsrezept“
ho 54 Edgar Reitz: „Sex ist halt das primitivste Erfolgsrezept“
Das sah die damalige Kritik anders und sprach von scheinheiliger Pseudo-Wissenschaftlichkeit, um alle Mädchen über 12 Jahren als sexgeile Luder darzustellen. „Eine manipulierte Propagierung der ,freien Liebe`.
ho 54 Das sah die damalige Kritik anders und sprach von scheinheiliger Pseudo-Wissenschaftlichkeit, um alle Mädchen über 12 Jahren als sexgeile Luder darzustellen. „Eine manipulierte Propagierung der ,freien Liebe`.
Moment. Was ist denn das?
ho 54 Moment. Was ist denn das?
Die Abendzeitung kam schon vor 40 Jahren in den Filmen vor.
ho 54 Die Abendzeitung kam schon vor 40 Jahren in den Filmen vor.
Heiner Lauterbach drehte drei Schulmädchen-Filme...
http://deseko69.de.funpic.de/schulmaedchen-report 54 Heiner Lauterbach drehte drei Schulmädchen-Filme...
...wie „Irgendwann fängt jede an.“
ttp://deseko69.de.funpic.de/schulmaedchen-report 54 ...wie „Irgendwann fängt jede an.“
Heute will Heiner Lauterbach nicht darüber reden, wenn man ihn danach fragt.
dpa 54 Heute will Heiner Lauterbach nicht darüber reden, wenn man ihn danach fragt.
Ich habe Unzucht getrieben!“, gesteht Jutta Speidel „In welcher Form?“, fragt der Pfarrer durchs Beichtstuhlgitter. „Geküsst habe ich ihn auf den Bauch. Dann wurde sein Ding ganz groß. Dann hab ich das auch geküsst!“
http://deseko69.de.funpic.de/schulmaedchen-report 54 Ich habe Unzucht getrieben!“, gesteht Jutta Speidel „In welcher Form?“, fragt der Pfarrer durchs Beichtstuhlgitter. „Geküsst habe ich ihn auf den Bauch. Dann wurde sein Ding ganz groß. Dann hab ich das auch geküsst!“
Schon im ersten Film dabei: Lisa Fitz.
http://deseko69.de.funpic.de/schulmaedchen-report 54 Schon im ersten Film dabei: Lisa Fitz.
Die Kabarettistin, Schauspielerin und Sängerin nahm auch an der ersten Staffel der umstrittenen Reality-Show "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" teil.
dpa 54 Die Kabarettistin, Schauspielerin und Sängerin nahm auch an der ersten Staffel der umstrittenen Reality-Show "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" teil.
„Wir wurden ausgebeutet“, sagt auch Ingrid Steeger, die in mehreren Reports mitspielte, zur AZ. „Um Drehtage zu sparen, standen wir von morgens um sechs bis Mitternacht vor der Kamera.“
http://deseko69.de.funpic.de/schulmaedchen-report 54 „Wir wurden ausgebeutet“, sagt auch Ingrid Steeger, die in mehreren Reports mitspielte, zur AZ. „Um Drehtage zu sparen, standen wir von morgens um sechs bis Mitternacht vor der Kamera.“
Peinlich sind ihr die Filme heute nicht. „Ich kam mir gar nicht nackt vor. Wir waren ja vom Kopf bis zum kleinen Zehn mit Körper- Schminke zugekleistert.“
http://deseko69.de.funpic.de/schulmaedchen-report) 54 Peinlich sind ihr die Filme heute nicht. „Ich kam mir gar nicht nackt vor. Wir waren ja vom Kopf bis zum kleinen Zehn mit Körper- Schminke zugekleistert.“
Ihr ging’s damals um das Geld. „Es war zwar wenig, aber dochmehr als ich im Büro verdiente. Und dorthin wollte ich auf keinen Fall zurück.“
dpa 54 Ihr ging’s damals um das Geld. „Es war zwar wenig, aber dochmehr als ich im Büro verdiente. Und dorthin wollte ich auf keinen Fall zurück.“
Rinaldo Talamonti, Schauspieler und Gastronom, spielte schon zu Beginn mit: „Man muss diese Filme aus der Zeit betrachten. Es gab ein Pornografieverbot und Zensur.
http://deseko69.de.funpic.de/schulmaedchen-report 54 Rinaldo Talamonti, Schauspieler und Gastronom, spielte schon zu Beginn mit: „Man muss diese Filme aus der Zeit betrachten. Es gab ein Pornografieverbot und Zensur.
Es waren so genannte Lustspiel- Filme mit ein bisschen Sex. Heute erscheinen Sie doppelt lustig:
http://deseko69.de.funpic.de/schulmaedchen-report 54 Es waren so genannte Lustspiel- Filme mit ein bisschen Sex. Heute erscheinen Sie doppelt lustig:
Erstens waren sie als lustige Filme konzipiert und heute amüsiert man sich auch noch über die Kleider und die prüden Frechheiten von damals.
http://deseko69.de.funpic.de/schulmaedchen-report 54 Erstens waren sie als lustige Filme konzipiert und heute amüsiert man sich auch noch über die Kleider und die prüden Frechheiten von damals.
Ich erinnere mich, wie stundenlang mit der Zensur telefoniert und jede Bewegung, jedes freizügigere Bild verhandelt wurde. Die scharfen Hunde der Zensur wollten nichts, was ,außerhalb des Normalen’ lag!“ Aber was ist schon normal?
Klaus Primke 54 Ich erinnere mich, wie stundenlang mit der Zensur telefoniert und jede Bewegung, jedes freizügigere Bild verhandelt wurde. Die scharfen Hunde der Zensur wollten nichts, was ,außerhalb des Normalen’ lag!“ Aber was ist schon normal?
Friedrich von Thun spielte in den ersten drei Folgen den Reporter.
http://deseko69.de.funpic.de/schulmaedchen-report 54 Friedrich von Thun spielte in den ersten drei Folgen den Reporter.
Inzwischen hat Friedrich von Thun in über 100 Fernseh- und Kinoproduktionen mitgewirkt.
dpa 54 Inzwischen hat Friedrich von Thun in über 100 Fernseh- und Kinoproduktionen mitgewirkt.
Sascha Hehn spielte neben dem Schulmädchen-Report auch in einigen Erotikfilmen mit. Hehn avancierte mit seinen körperlichen Vorzügen zum Vorbild einer Männer-Generation und kurzzeitig zum Sexsymbol.
http://deseko69.de.funpic.de/schulmaedchen-report 54 Sascha Hehn spielte neben dem Schulmädchen-Report auch in einigen Erotikfilmen mit. Hehn avancierte mit seinen körperlichen Vorzügen zum Vorbild einer Männer-Generation und kurzzeitig zum Sexsymbol.
Als Synchronsprecher betätigte sich Sascha Hehn auch in den Filmen Shrek, Shrek 2 und Shrek 3.
dpa 54 Als Synchronsprecher betätigte sich Sascha Hehn auch in den Filmen Shrek, Shrek 2 und Shrek 3.
Können Sie sich noch an alle Teile erinnern? Teil 1 - Was Eltern nicht für möglich halten
http://deseko69.de.funpic.de/schulmaedchen-report 54 Können Sie sich noch an alle Teile erinnern? Teil 1 - Was Eltern nicht für möglich halten
Teil 2 - Was Eltern den Schlaf raubt
http://deseko69.de.funpic.de/schulmaedchen-report 54 Teil 2 - Was Eltern den Schlaf raubt
Teil 3 - Was Eltern nicht mal ahnen
http://deseko69.de.funpic.de/schulmaedchen-report 54 Teil 3 - Was Eltern nicht mal ahnen
Teil 4 - Was Eltern oft verzweifeln lässt
http://deseko69.de.funpic.de/schulmaedchen-report 54 Teil 4 - Was Eltern oft verzweifeln lässt
Teil 5 - Was Eltern wirklich wissen sollten
http://deseko69.de.funpic.de/schulmaedchen-report 54 Teil 5 - Was Eltern wirklich wissen sollten
Teil 6 - Was Eltern gern vertuschen möchten
http://deseko69.de.funpic.de/schulmaedchen-report 54 Teil 6 - Was Eltern gern vertuschen möchten
Teil 7 - Doch das Herz muß dabei sein
http://deseko69.de.funpic.de/schulmaedchen-report 54 Teil 7 - Doch das Herz muß dabei sein
Teil 8 - Was Eltern nie erfahren dürfen
http://deseko69.de.funpic.de/schulmaedchen-report 54 Teil 8 - Was Eltern nie erfahren dürfen
Teil 9 - Reifeprüfung vor dem Abitur
http://deseko69.de.funpic.de/schulmaedchen-report 54 Teil 9 - Reifeprüfung vor dem Abitur
Teil 10 - Irgendwann fängt jede an
http://deseko69.de.funpic.de/schulmaedchen-report 54 Teil 10 - Irgendwann fängt jede an
Teil 11 - Probieren geht über Studieren
http://deseko69.de.funpic.de/schulmaedchen-report 54 Teil 11 - Probieren geht über Studieren
Teil 12 - Wenn das die Mammi wüßte
http://deseko69.de.funpic.de/schulmaedchen-report 54 Teil 12 - Wenn das die Mammi wüßte
Teil 13 - Vergiss beim Sex die Liebe nicht. Klingt für Sie fast alles gleich? Kein Wunder, uns auch.
http://deseko69.de.funpic.de/schulmaedchen-report 54 Teil 13 - Vergiss beim Sex die Liebe nicht. Klingt für Sie fast alles gleich? Kein Wunder, uns auch.

Mit dem Film „Liebesgrüße aus der Lederhos'n“ brach Anfang der 70er Jahre ein neues Filmgenre über die Bundesrepublik herein. Mit viel nackter Haut und fragwürdigem Witz lockten Lederhosen-Sexfilmchen Millionen in die Kinos. Eine Erinnerung an Höhepunkte auf dem Gipfel.

München – „Das sind die Liebesgrüße aus der Lederhos'n. Da weiß man, was bei uns steht.“ Mit diesem Titelsong brachen 1973 die „Liebesgrüße aus der Lederhos'n“ über Deutschland herein und begründeten einen heute skurril wirkenden Trend im deutschen Kino: den Lederhosenfilm mit viel nackter Haut, prallen Dirndl-Dekolletés und flachem Humor.

Laut „Spiegel Online“ war der Film von Regisseur und „Softporno-König“ Franz Marischka damals der bestbesuchte deutsche Film des Jahres. Zwar gab es auch vorher schon Film(s)experimente auf der Alm mit Streifen wie „Alpenröschen im Dirndlhöschen“ oder „Pudelnackt in Oberbayern“, der ganz große Boom aber begann mit den „Liebesgrüßen“.

Ein Jahr später kam „Auf der Alm da gibt's koa Sünd“ in die Kinos. 1,2 Millionen Zuschauer sahen sich die Sex-Klamotte an. „Es war zur richtigen Zeit am richtigen Ort das richtige Genre“, sagt David Spiehs, der Geschäftsführer der Produktionsfirma Lisa Film. Sein Vater Karl hat den Film und andere Klassiker des Genres produziert. „Ich bin mit diesen Filmen aufgewachsen“, sagt Spiehs (Jahrgang 1974), der als Geschäftsführer von Lisa Film in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist. „Heimatfilme haben in Deutschland ja schon immer gut funktioniert.“

„Die Idee war, die sexuelle Revolution der späten 60er auch kommerziell auszuschlachten und für das Kleinbürgertum aufzubereiten“, sagt der Soziologe Sven Lewandowski, der ein Buch über „Die Pornographie der Gesellschaft“ geschrieben hat. Während in den USA bereits die ersten Hardcore-Pornos wie der Klassiker „Deep Throat“ (1972) auf den Markt kamen, habe man in Deutschland noch behutsamer vorgehen müssen.

„Man wollte die Angst vor Sex auf der Leinwand nehmen, indem man ihn mit einer Pseudo-Witzigkeit paart, wie sie in der Zeit zum Beispiel auch in Bud Spencer-Filmen vorkam.“ Um die Erotik der Lederhose ging es seiner Einschätzung nach dabei nicht. Schließlich feierten auch Filme wie die der berüchtigten „Schulmädchen-Report“-Reihe damals große Erfolge. „Das Rezept lautete: nackte Haut und Sex plus X.“

Zahlreiche Produzenten sprangen auf den „Sexexpress aus Oberbayern“ (Filmtitel von 1977) auf. Gemeinsam haben die Filme, dass zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit die Lederhose runtergelassen und das Dirndlröckchen gehoben wird. Anarchisch könnte man das wohlwollend nennen – oder auch sinnbefreit. Das Frauenbild: eine Katastrophe, das Männerbild: auch. „Spiegel Online“ zitiert das Heyne-Filmlexikon: „Bayerische Buam bumsen brünstige Blondinen. Ein wirklich intellektuelles Vergnügen.“

Die „Liebesgrüße aus der Lederhos'n“ brachten es auf insgesamt sieben Filme. Den letzten mit dem Untertitel „Kokosnüsse und Bananen“ gab es im Jahr 1990. Da war der Höhepunkt längst vorbei. Zwar erlebten die Sexfilmchen im Nachtprogramm der Privatsender ein kurzes Revival, die große Ära des Erotik-Unsinns in den Bergen aber war vorüber.

Jasper P. Morgan vermutet in seinem bildgewaltigen Buch „Die sündige Alm – Die deutsche Sex-Komödie“ auch späte Prüderie hinter dem Erlöschen des Alpenglühens. Als Beispiel nennt er den Film „Alpenröschen im Dirndlhöschen“, der bei Erscheinen 1971 trotz (laut Drehbuch) minderjähriger Hauptdarstellerin, Sex mit dem Stiefvater und Sex-Geständnissen im Beichtstuhl nicht beanstandet wurde, 1985 als Videofassung aber auf dem Index landete. „Offenbar war also das Moralempfinden der Deutschen in den frühen Siebziegern wesentlich lockerer als zehn Jahre später“, erklärt der Autor.

Soziologe Lewandowski sieht das anders: „Das Home-Video brachte den Zugang zu Hardcore-Pornografie außerhalb von Porno-Kinos im Bahnhofsviertel.“ Heute gebe es einfach keine Klientel mehr für die Sex-Filmchen. „Sie sind nicht ironisch genug und nicht pornografisch genug.“

Für viele Schauspieler aber war die sündige Alm die erste Stufe auf der Karriereleiter. Peter Steiner zum Beispiel, später mit seinem „Theaterstadl“ berühmt, spielte zumindest gefühlt in jedem zweiten dieser Filme mit. Elisabeth Volkmann, „Klimbim“-Ulknudel und später deutsche Synchronstimme von Marge Simpson, spielte die Hedda in „Alpenglühn im Dirndlrock“.

Auch Liedermacher Konstantin Wecker gab sich die Ehre in einem Klassiker des Genres: 1974 spielte er – wie übrigens auch Annemarie Wendl, die „Else Kling“ aus der „Lindenstraße“ – in dem Film „Unterm Dirndl wird gejodelt“ mit. Reden möchte er heute nicht mehr gerne über diese Rolle. Aber er tut das einzige, was bei diesem Auswuchs des deutschen Films Sinn macht: Er nimmt es mit Humor.

 

 

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