"Wurden zum Verlieren eingekauft": Bayern-Boxer sorgt für Sensation im Supermittelgewicht
Es kommt im adrenalingeladenen Faustkampf äußerst selten vor, dass der gegnerische Trainer den Konkurrenten in der Rundenpause lobt. Als der mehrmalige Weltmeistercoach Andy Lee über Simon Zachenhuber anerkennend sagt, "er ist tough", war klar, dass dieser Samstagabend gerade anders verläuft als jeder erwartet hatte: nämlich sehr positiv aus bayerischer Sicht.
Buchmacher sahen Deutschen als klaren Außenseiter
Saudi-Arabien, Jeddah, 22:55 Uhr deutscher Zeit: Der Erdinger Zachenhuber steht im Co-Main-Event des Abends dem ungeschlagenen Supermittelgewichts-Champion und Lee-Schützling Hamzah Sheeraz gegenüber. Die Buchmacher haben den Deutschen vor dem WM-Duell als klaren Außenseiter gelistet, als praktisch chancenlosen Außenseiter.
Dazu hat Sheeraz Heimspiel, der bayerische Boxer wird vor Kampfbeginn, vor dem ersten Gong, gnadenlos ausgebuht. Die meisten Experten geben dem 1,85 Meter großen Model-Athleten aus dem Münchner Umland kaum mehr als vier Runden Überlebenschance. Doch Zachenhuber sieht das anders und boxt von Beginn an couragiert auf Augenhöhe.

Jeddah Superdome wurde zunehmend stiller
Ab Mitte des heißen Duells wechselt sogar zeitweise das Momentum und der Jeddah Superdome wird zunehmend stiller. Der sechs Zentimeter größere Titelverteidiger wirkt leicht ratlos, seine gefürchteten Aufwärtshaken verfehlen regelmäßig ihr Ziel. Auch, weil Zachenhuber sich exzellent bewegt und gleichzeitig stetig aktiv bleibt. Der wohlüberlegte Plan des Deutschen funktioniert nahe an der Perfektion.
"Wir wurden zum Verlieren eingekauft und wollten die Show stehlen. Simon hat unsere Taktik sehr gut umgesetzt", findet Zachenhubers Coach Conny Mittermeier, der unter anderem Weltmeister Marco Huck betreute. Allerdings ist es im Boxen fast unmöglich, einen amtierenden Weltmeister vor gegnerischer Kulisse nach Punkten zu schlagen.
Zachenhuber suchte im letzten Kampfdrittel nach dem Knockout
Auch deshalb geht der gebürtige Landshuter im letzten Kampfdrittel mutig nach vorne und sucht nach dem Knockout. In dieser Phase kommt der Rechtsausleger immer wieder mit seiner linken Geraden durch. Aber auch Sheeraz trifft einige Male hart. In der letzten Runde pfeift die Arena erneut, diesmal allerdings gegen den WBO-Weltmeister, den großen Favoriten. Spätestens das macht Zachenhubers Leistung beeindruckend.
Das knappe Urteil (114:114, 113:115 und 112:116) ist aus Zachenhubers Sicht ein moralischer Triumph. "Ich hatte das Gefühl, leicht vorne zu liegen. Aber der Kampf war sehr, sehr eng und man weiß nie, worauf die Punktrichter den Fokus legen. So oder so bin ich stolz auf meine Leistung", kommentiert Bayerns bester Boxer selbstbewusst.

Zachenhuber macht sich international einen Namen
Mit diesem Auftritt hat sich der 28-Jährige auch international einen Namen gemacht. "Für die Mega-Sensation haben noch der finale Mut zum Risiko und vor allem die Schlagstärke gefehlt", ordnet DAZN-Kommentator Uli Hebel Zachenhubers Kampf ein. Weil zum Potenzial des "Let’s Dance"-Teilnehmers von 2021 auch ein bisschen TV-Glamour hinzukommt, könnte die Zukunft rosig werden.
Ein nächster Kampf könnte noch in diesem Jahr bei einem Box-Event auf deutschem Boden stattfinden, bei der ersten WM-Titelverteidigung von Schwergewichtschampion Agit Kabayel. "Eines Tages möchte ich den WM-Titel unbedingt nach Bayern holen", sagt Zachenhuber. Seit Samstag ist er näher dran.
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