Wilfried Sauerland: Der Vater des Boxens wird 80

Wilfried Sauerland, der in Deutschland mit Henry Maske und auch Axel Schulz den großen Box-Boom ausgelöst hat, wird am Samstag 80.
| Matthias Kerber
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Wilfried Sauerland mit Profi-Boxer Arthur Abraham.
dpa Wilfried Sauerland mit Profi-Boxer Arthur Abraham.

Runde Geburtstage sind ja immer so ein Moment, um den Blick zurück zu wagen. Im Falle von Wilfried Sauerland, der am Samstag 80 wird – oder, wie er scherzt, 20, da er am 29. Februar geboren wurde und dieser nur in den Schaltjahren existiert, ist die Nostalgie-Schau viel angenehmer als ein Blick in die triste Gegenwart seines Boxstalls. Seit diesem Jahr steht Sauerland ohne Gym da, ohne Trainer. Es geht gewaltig bergab.

Mit dem Boxstall – und dem deutschen Boxen. Sauerland, der mit dafür verantwortlich war, dass der Boxsport in den 80er Jahren den Schritt aus der rotlichtbestrahlten Schmuddelecke ins strahlende Rampenlicht machte, hat sich 2013 zurückgezogen. Doch seine Söhne Kalle und Nisse mussten feststellen, dass die Fußstapfen für sie viel zu groß sind. Der Senior hat Graciano und dessen Bruder Ralf Rocchigiani etabliert, hat mit Henry Maske und Axel Schulz den Box-Boom ausgelöst. Er hat Sven Ottke, Markus Beyer, Arthur Abraham, Marco Huck zu Weltmeistern gemacht. "Ich bin mit meinem Leben sehr zufrieden. Ich wünsche mir nur, dass ich weiter in Gesundheit und Zufriedenheit leben kann", sagte er der "Bild".

Wilfried Sauerland mit Profi-Boxer Arthur Abraham.
Wilfried Sauerland mit Profi-Boxer Arthur Abraham. © dpa

Deswegen gönnt sich Sauerland zu seinem Ehrentag eine Auszeit. Keine rauschende Party in seinem Wohnsitz in Kapstadt in Südafrika. Stattdessen zieht er, der sich in Afrika verliebt hat, weil er auf einem Buch das Bild einer Sahara-Akazie gesehen hatte, sich in einen Nationalpark zurück. "Da stehen wir um fünf Uhr auf und sehen in aller Stille den Tieren zu. Kein Telefon, kein Trubel, keine Hektik. Das ist das Schönste überhaupt", sagt Sauerland.

Sauerland trauert um Box-Legenden Rocchigiani und Beyer

Sein Geld verdiente Sauerland mit dem Verkauf von Getränkeanlagen. Später ging er seiner ewigen Passion, dem Boxsport, nach. Er veranstaltete Kämpfe. "Boxen war immer sein dritter Sohn", sagte Filius Kalle über den "Vater des Boxens". Es waren harte Jahre für das Boxen in Deutschland. Sauerland investierte viel – Zeit und Geld. Doch recht auf die Beine kam das Boxen nicht. Bis Olympiasieger Maske auftauchte. Der wurde als Gentleman-Boxer vermarktet, als Sir Henry, obwohl Maske "White Tiger" genannt werden wollte.

Boxen boomte, Sauerland gelang es mit geschickter Gegner-Auswahl, dass er immer irgendwelche Weltmeister präsentieren konnte – und die TV-Sender in wahrer Titelgeilheit mehr auf den Titel als die Klasse des Kampfes achteten. "Es waren tolle Zeiten", sagte Sauerland, der auch die andere Seite, die tragische, erleben musste. Der Unfalltod von Graciano Rocchigiani (55), der 2018 in Italien betrunken vor ein Auto gelaufen war, traf ihn hart. "Ich hatte auf meinem Schreibtisch immer ein Bild meiner Familie und eines mit Rocky stehen. Er war der einzige Boxer, der da je stand. Wir haben uns oft gefetzt, aber auch immer geliebt", sagt Sauerland damals der AZ.

Kurze Zeit später verstarb Markus Beyer (47) an Krebs. "Sie sind viel zu früh von uns gegangen. Da sieht man noch mehr, wie glücklich man sein darf, wenn einem ein langes und gutes Leben geschenkt wird", sagte Sauerland. Er hofft immer noch, dass Boxen in Deutschland zu alter Strahlkraft findet. Dass es wieder einen Rocchigiani, einen Ottke, einen Maske, einen Beyer geben wird. "Das deutsche Boxen ist nicht so tot wie vor 40 Jahren." Damals, als Sauerland es in die Hand nahm.

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