Wer holt die ersten Medaillen für Deutschland?

Andre Greipel, Judith Arndt oder Britta Steffen: Wer holt die ersten Medaillen für Deutschland?
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Andre Greipel, Judith Arndt oder Britta Steffen: Wer holt bei den Olympischen Spielen die ersten Medaillen für Deutschland?

LONDON - Die altehrwürdige „Times” weiß es genau. Die erste deutsche Goldmedaille wird es laut der Prognose des angesehenen Blattes am Sonntag Abend geben, wenn Nicolas Limbach im Säbel-Finale der Fechter antritt (ab 19 Uhr). Der 27-jährige Olympiasieger von Peking ist einer der heißesten Kandidaten auf einen Olympiasieg in London. Ob er aber die erste deutsche Medaille schafft, ist angesichts der Konkurrenz fraglich. Einige Gold-Kandidaten gehen nämlich früher in ihre Wettkämpfe. Während den Sportschützinnen Jessica Mager und Beate Gauß mit dem Luftgewehr im 10-Meter-Wettbewerb „höchstens” Medaillenchancen eingeräumt werden (Samstag ab 9.15 Uhr), gehört das Schwimmpaar Britta Steffen und Paul Biedermann zur Kategorie Limbach.

Steffen tritt mit der 4 x 100 Meter Staffel bereits am Samstag Abend an – ihr Lebensgefährte Biedermann über 400 Meter Freistil ebenfalls am Samstag (20.30 Uhr Ortszeit).
Goldchancen besitzt auch der Straßenradfahrer Andre Greipel, der ebenfalls am Samstag loslegt. Medaillen sind auch beim Radrennen der Frauen durch Judith Arndt und im Skeet-Schießen (Wurfscheiben) durch Christine Wenzel drin, die 2008 Bronze holte. „Diesmal wünschen wir uns am ersten Tag einen Erfolg”, sagte Chef de Mission Michael Vesper. „Das würde uns einen Push geben und die Sache leichter machen.”

Bei den Sommerspielen in Peking vor vier Jahren gewannen deutsche Athleten 16 Goldmedaillen (41 Mal Edelmetall insgesamt). In London tritt die kleinste deutsche Mannschaft seit der Wiedervereinigung an. Die Erwartungen sind aber hoch. „In der Mannschaft schlummert enormes Potential”, sagt Vesper, der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Trotz muss sich die deutsche Mannschaft, die aus 392 Athleten besteht, mit einer goldenen Medaille weniger begnügen als in Peking.
Das Institut für angewandte Trainingswissenschaften in Leipzig hat 15 Goldmedaillen vorausgesagt. Grundlage der Prognose sind Ergebnisse der vergangenen Weltmeisterschaften. Auf 15 Mal Gold kommt auch die „Tuch School of Business” aus den USA. Dort analysiert man Daten wie Bevölkerungsdichte, Heimvorteil und früherer Olympiaerfolge. „Unsere Erfolgsquote liegt bei 95 Prozent”, behaupten die Amis.

„Wir müssen mit dem Druck der ersten Medaille umgehen”, sagt Schützin Gauß vor ihrem Wettbewerb am Samstagmorgen. Wie schwer die Last, die erste Medaillen gewinnen zu „müssen” wiegen kann, erfuhr die Münchnerin Sonja Pfeilschifter 2008 in Peking. Sie ging als Mit-Favoritin in die ersten Wettkämpfe und beendete diese auf enttäuschenden Plätzen zwölf und 17. In Peking klagte der Deutsche Schützen Bund sei sie der „olympischen Belastung nicht gewachsen” gewesen. Bei der Nominierung für 2012 wurde Pfeilschifter nicht in allen Disziplinen berücksichtigt, Sie beklagte sich bitter und erhob mit dem Vorwurf, ungerecht behandelt worden zu für mächtig Wirbel im Lager der Schützen.
Ist es neben der richtigen Olympiaform tatsächlich die nötige Portion Lockerheit, die zum Gold-Erfolg verhilft, könnte die „Times” mit ihrem Limbach-Tipp richtig liegen. Der im belgischen Eupen geborene Fechter hat kürzlich die „Psycho-Spiele” auf der Planche als Schlüssel zum Erfolg beschrieben. Auch vor London gibt sich Limbach betont locker. „Du musst ein guter Schauspieler sein. Den Gegner einschüchtern und deine Emotionen herauskitzeln. Es geht darum, den Rhythmus des Gegners zu brechen, wenn es nicht läuft.” Die Fechter binden dann ihre Schuhe neu und fummeln am Trefferkabel herum.

„Bei anderen Mannschaften und anderen Nationen gibt es viele Einzelgänger, die eine Gruppe sprengen. Da kommt kein richtiges Wir-Gefühl auf. Das ist bei uns anders. Vor zwei Jahre haben wir für drei Tage eine Abschlussreise nach Mallorca gemacht. Ich glaube, das macht fast keiner", sagte Limbach. „Wenn man ein introvertierter Typ ist, geht das alles nicht”, so Limbach und meinte die Verunsicherungstaktik für die Konkurrenz und die Ausflüge mit der Mannschaft, die in London ebenfalls zu den Favoriten zählt. Und was, wenn es doch nichts wird, mit Limbachs Gold: „In diesem Jahr zählt alles andere nichts, weil es nur um Olympia geht. Ich könnte auch alle Turniere gewonnen haben dieses Jahr – wenn ich Olympia verliere, bin ich der Depp.”

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