Weltmeister Krasniqi! Ein Münchner im Boxhimmel

Robin Haxhi Krasniqi knockt in Magdeburg den Champion Dominic Bösel kapital aus und krönt sich in seinem dritten Anlauf damit endlich zum Champion. "Dieser Kampf hat 15 Jahre gedauert."
| Matthias Kerber
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Siegerfäuste: Krasniqi hat's geschafft.
Siegerfäuste: Krasniqi hat's geschafft. © Ronny Hartmann/dpa-Zentralbild

Halleluja sog i! Robin Haxhi Krasniqi ist ein Münchner im Boxhimmel. Glücklicherweise nicht, weil er etwa das Zeitliche unzeitgemäß früh gesegnet hat, sondern, weil sich der 33-Jährige im dritten Anlauf seinen Lebenstraum erfüllt hat und nun Box-Weltmeister nennen darf.

5.469 Tage nachdem Krasniqi am 20. Oktober 2005 im Alabama Club in München gegen Sven Haselhuhn - ohne zuvor einen einzigen Amateurkampf bestritten zu haben -, sein Profi-Debüt gegeben (und verloren) hat, knockte der Münchner in Magdeburg den IBO-Weltmeister und Interimschampion der WBA, Dominic Bösel, kapital aus. Er krönte sich so zum König im Halbschwergewicht (zumindest nach Ansicht der beiden Boxverbände). "Dieser Kampf war nicht nur heute, er hat 15 Jahre gedauert", sagte Krasniqi, der als 17-Jähriger mit seiner Familie aus dem Kriegsgebiet in Jugoslawien nach Deutschland, genauer gesagt nach München, geflüchtet war, unter Tränen. "Ich kann gar nicht glauben, dass es wahr geworden ist, dass ich Weltmeister bin."

Krasniqi im dritten Anlauf Weltmeister

Es war sein dritter Anlauf - und ziemlich sicher auch seine allerletzte Chance. Im April 2013 hatte er sich in die Höhle des britischen Löwen gewagt und Weltmeister Nathan Cleverly in der Wembley Arena einen beherzten Kampf geliefert. Doch Krasniqi war chancenlos, nur einer der drei Punktrichter hatte ihm überhaupt eine Runde zugestanden. 2015 dann der zweite Anlauf, sich auf den Brettern, die die Box-Welt bedeuten zum Champion zu krönen. Doch Jürgen Brähmer, gerne als Jahrhunderttalent gepriesen, knockte Krasniqi in der neunten Runde aus. Nachdem der Münchner auch noch im März 2019 gegen Stefan Härtel seinen EM-Titel verlor, hatten viele Experten und solche, die sich dafür halten, Krasniqi schon abgeschrieben.

Eigentlich sollte es daher im Stall-Duell bei SES-Boxpromotion eher ein besserer Aufbaukampf für Bösel sein. Der 30-Jährige hatte in boxtypischer Großmäuligkeit einen Knockout angekündigt, er platzte vor dem Fight schier vor Selbstvertrauen. So viel davon, dass selbst in seinem Umfeld vor dem Kampf Stimmen laut geworden waren, dass Bösel den Kampf vielleicht auf die leichte Schulter nimmt.

Knockout in der dritten Runde

Und Hochmut kommt bekanntlich vor dem tiefen Fall, dem Knockout. In der dritten Runde krachte Krasniqis Rechte an den Schädel des Da-noch-Weltmeisters, der zum Lied der Böhsen Onkelz "Wir ham' noch lange nicht genug" eingelaufen war, und schickte ihn ins Reich der Box-Träume. Bösel hat definitiv genug. "So ist Boxen, was soll ich sagen", stammelte er, "ich bin erschrocken, damit rechnet man nicht."

Hat mehr als genug: IBO-Weltmeister Dominic Bösel nach dem Knockout durch die Rechte des Münchners Robin Haxhi Krasniqi.
Hat mehr als genug: IBO-Weltmeister Dominic Bösel nach dem Knockout durch die Rechte des Münchners Robin Haxhi Krasniqi. © Ronny Hartmann/dpa-Zentralbild/dpa

Nach dem Kampf wurde Bösel noch ins Krankenhaus gebracht und ein MRT vorgenommen - zum Glück alles in Ordnung. Alles, was größeren Schaden genommen hat, war nur der Stolz und das Ansehen von Bösel. "Wenn man extrem konzentriert ist und damit rechnet, passiert es einem vielleicht nicht so schnell, als wenn man das nicht einplant. Dominic war sträflich offen", kritisierte ARD-Experte Henry Maske, der Gentleman-Boxer: "Er war in der Endkonsequenz in seiner Position nicht ganz klar."

"Es gab nur Sieger an diesem Abend - außer Bösel"

Was auch immer das heißen sollte. Klarer drückte es Thomas Pütz, der Präsident des Bundes deutscher Berufsboxers BDB, aus. "Für mich hatte Krasniqi vor dem Kampf eine Zehn-Prozent-Außenseiter-Chance. Aber Hut ab, das war grandios. Nach dem Knockout war ich erst einmal eine Minute sprachlos, fast schockiert", sagte Pütz der AZ: "Es gab nur Sieger an diesem Abend - außer Bösel. Auch der Boxsport hat an diesem Tag gewonnen. Bösel muss seine Konsequenzen ziehen und daraus lernen und zeigen, dass er der Boxer ist, der er glaubt zu sein. Wer denkt, dass er im Vorbeigehen einen Kampf gewinnt, wird umgehend bestraft. Die Erfahrung musste Wladimir Klitschko ja damals gegen Corrie Sanders auch machen. Den Gegner zu unterschätzen, ist im Boxen schlicht fatal."

Fatal für den einen, genial für den anderen - den Endlich-Weltmeister Krasniqi. Ein Münchner im Boxhimmel.

 

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