"Wäre i-Tüpfelchen gewesen": Ex-NFL-Star Nzeocha neidisch auf St. Brown wegen Munich Game
AZ: Herr Nzeocha, die NFL-Saison steht unmittelbar bevor. Wie heiß waren Sie zu Ihrer aktiven Zeit kurz vor dem Saisonstart?
MARK NZEOCHA: Als Spieler war ich schon nervös vor dem Saisonstart. Man weiß ja nie, was auf dich in den kommenden Monaten zukommt. (lacht)
Trainingscamp in der NFL ist stark durchstrukturiert
Wie sah Ihre Ernährung in den Wochen vor dem Saisonstart aus?
Auf das Thema Ernährung habe ich schon immer viel Wert gelegt. Ich hatte da meine Routine. Ich musste genug Proteine und Kohlenhydrate zu mir nehmen. Da gab es jeden Tag zur gleichen Zeit einen Shake.
Können Sie Einblicke in Ihren Trainingsalltag vor dem Saisonstart geben?
Kurz vor der Saison gibt es immer ein Trainingslager. Das ist sehr intensiv. Das fängt meist schon am Morgen um 8 Uhr an und man kommt nicht vor 20 Uhr nach Hause. In den Tagen vor dem ersten Spiel geht man dann in eine Spielroutine über. Da stand bei mir in der Regel am Montag Regeneration auf dem Programm, am Dienstag Videoanalyse und der Mittwoch war der erste Tag, an dem ich trainiert habe. Das war meist der längste und härteste Tag in der Woche. Es ist also alles sehr durchstrukturiert.
Auf das Thema Ernährung habe ich schon immer viel Wert gelegt.
Zahlreiche Spieler werden vor der Saison noch entlassen
Im American Football gibt es unzählige Spielzüge. Wie lange haben Sie gebraucht, bis Sie alle verinnerlicht hatten?
Das hat schon immer seine Zeit gedauert. Aber deshalb ist auch das Trainingscamp vor der Saison so wichtig, dass man sich da intensiv damit beschäftigt.
Es kommt nicht selten vor, dass Neuzugänge bereits vor der Saison wieder entlassen werden. Wie geht man als Spieler damit um?
Das ist nicht ganz einfach. Man hat das schon immer im Hinterkopf. Ich wurde zum Beispiel erst sehr spät ausgewählt und kam mit einer Verletzung in die Liga. Auch war ich schon immer eher am unteren Ende des Kaders. Und wenn Spieler auf höheren Positionen im Kader entlassen wurden, macht man sich schon Gedanken darüber, ob man jetzt der Nächste sein könnte. Aber man muss sich da durchkämpfen. Man muss beweisen, dass das Franchise keine andere Wahl hat, als dich zu behalten.

Leben in der NFL ist nicht luxuriös
Konnten Sie die NFL-Zeit mit diesem Hintergedanken überhaupt genießen?
Ich habe nicht konstant darüber nachgedacht. Deshalb konnte ich es schon auch genießen. Wobei ich sagen muss, dass ich die Zeit eher in der Offseason genossen habe. Während der Saison war ich sehr angespannt, weil ich in der Regel um 6.30 Uhr am Trainingsgelände war und erst um 18 Uhr wieder nach Hause kam. Dann stand oft noch eine individuelle Videoanalyse auf dem Programm. Das muss man machen, weil jeder seine eigenen Gegenspieler hat. Das Leben in der NFL ist also nicht luxuriös.
In der NFL ist es deutlich schwerer als in der Bundesliga, einen Titelfavoriten auszumachen. War es auch für einen als Spieler vor der Saison immer eine Blackbox, wo man am Ende der Saison landet?
Man hat natürlich schon eine grobe Idee, wo man steht. Aber die NFL ist so unberechenbar, dass jede Woche jedes Team jeden schlagen kann. Das macht die NFL so besonders, dass man nie weiß, wer das Ding am Ende gewinnt.
Die NFL ist so unberechenbar, dass jede Woche jedes Team jeden schlagen kann.
Nzeocha tippt auf Super Bowl zwischen Dallas und Buffalo
Welche Mannschaften gehen in dieser Saison als Favoriten in die Saison?
(lacht) Die Dallas Cowboys. Und das ist witzig, weil ich in Dallas lebe und die Cowboys-Fans auslache, die jedes Jahr sagen, dass das ihre Saison wird und sie am Ende doch nicht in den Super Bowl kommen. Aber ich finde, dass sie in diesem Jahr wirklich gut aufgestellt sind. Wenn sie gesund bleiben und ihr Potenzial ausspielen, können sie weit kommen.
Auch in den Super Bowl?
Das ist natürlich sehr schwer zu sagen. Aber ich tippe, dass im Super Bowl diesmal die Cowboys gegen die Buffalo Bills spielen.

Patriots spielen in München gegen die Lions
Die Kansas City Chiefs um Star-Quarterback Patrick Mahomes haben in der vergangenen Saison enttäuscht. Trauen Sie der Mannschaft eine bessere Saison zu?
Auf jeden Fall. Sie haben mit Andy Reid einen der besten Trainer der Liga. Aber die Frage wird sein, wie Mahomes von seinem Kreuzbandriss zurückkommt und ob Travis Kelce mit 36 Jahren noch performt.
Die NFL trägt wieder ein Spiel in München aus, zwischen den New England Patriots und den Detroit Lions. Hätten Sie sowas auch gerne erlebt?
Absolut. Das wäre das i-Tüpfelchen in meiner Karriere gewesen. Schon allein als ich mit den San Francisco 49ers im Super Bowl stand, war die Unterstützung aus Deutschland unglaublich. Das hat mich sehr berührt. Und wenn ich dann auch noch vor diesen Fans gespielt hätte, das wäre irre gewesen.
Er will immer besser werden und beweisen, dass er zu den besten Spielern der Liga gehört.
Ex-NFL-Star glaubt an starke Saison von St. Brown
Sie beneiden also Amon-Ra St. Brown durchaus ein bisschen, dass er vor den deutschen NFL-Fans spielen darf?
Zu 100 Prozent. Aber es ist gut für ihn. Amon-Ra ist ein super Spieler. Er kann noch alles erreichen, was er erreichen will. Wie hart er arbeitet, obwohl er schon einer der Top-Receiver der Liga ist, ist unglaublich. Er will immer besser werden und beweisen, dass er zu den besten Spielern der Liga gehört. Er wird wieder eine irre Saison spielen.
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