Vorsicht, Rücken!

"Leistungssport ist ungesund!“ Hier erklärt ein Wirbelsäulen-Experte, welche olympischen Disziplinen gefährlich sind – und wie man selbst den Schmerzen vorbeugen kann.  
| Julian Galinski
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Leistungssport ist ungesund!“ Hier erklärt ein Wirbelsäulen-Experte, welche olympischen Disziplinen gefährlich sind – und wie man selbst den Schmerzen vorbeugen kann

München - Leistungssport, zumindest wenn er erfolgreich betrieben wird, kann durchaus für Annehmlichkeiten sorgen: internationale Titel, Olympia-Medaillen sogar, Ruhm – und in manchen Fällen sogar Reichtum. Doch viele Athleten, darunter auch genetisch bevorteilte Superstars wie Usain Bolt oder Timo Boll, zahlen einen Preis für ihre Erfolge: Mit ihrer Gesundheit, vor allem in Form eines lädierten Rückens. „Sport ist gesund, Leistungssport ist ungesund“, sagt Wirbelsäulenchirurg Oliver Oetke. Er muss es wissen – Oetke hat 54 Länderspiele mit der Volleyball-Nationalmannschaft absolviert.
Die AZ listet die zehn rückenunfreundlichsten olympischen Sportarten auf – und erklärt, was Sie für die Gesundheit Ihres Rückens tun können.

1. Speerwerfen: Abruptes Abbremsen nach dem Anlauf, extreme Biegung des Rückens, kombiniert mit einer Drehung des Oberkörpers – das ganze hundertausendfach in einer Karriere: Der Sport hat alles, was dem Rücken schadet. 80 Prozent der Athleten leiden unter Schmerzen.

2. Schmetterling-Schwimmen: Die Bewegungen im Wasser beim Schmetterlings-Stil können zu Lockerungen zwischen den einzelnen Wirbelsegmenten führen. Das führt erst zu Überbeweglichkeit, später zu Instabilität.

3. Gewichtheben:  Bei kaum einer anderen Sportarten werden die Sehnen im Rücken derart abgenutzt. Gefährlich werden auch Hohlkreuz-Positionen unter großer Last.

4. Kunstturnen: Salti am Boden, Abgänge vom Reck, Überschläge am Pferd – dabei wirken Kräfte mit dem 20-fachen des Körpergewichts. Das begünstigt vor allem Knorpelschäden, Blockaden und Arthrose.

5. Hammerwerfen: Der Sportler muss große Zentrifugalkräfte mit seinem Gewicht ausgleichen. Die massive Verdrehung der Schulter- gegenüber der Beckenachse kann Bandscheibenvorfälle vorbereiten.

6. Ringen: Hier wird vor allem die Halswirbelsäule mit Stauchungen und Zerrungen in Mitleidenschaft gezogen. Gefährlich sind vor allem schnelle Aktionen, die keine Möglichkeit zum Abrollen über die Schulter bieten.

7. Kanu: Im Gegensatz zum Rudern kommt es im Kajak und Kanadier zu starken Belastungen auf Knochen, Bänder und Muskeln. Einseitiges Paddeln kann zu einer Wirbelsäulenverkrümmung führen.

8. Radsport:  Erhöhter Sattel, tief liegender Lenker: Besonders die Muskulatur im Lendenwirbelbereich wird überdehnt. Kalte und nasse Witterung über Stunden erschwert zudem die Durchblutung und damit den Nährstofftransport.

9. Wasserspringen: Gerade bei technisch unsauberen Sprüngen geraten die Springer in ein massives Hohlkreuz – die Wirbelsäule wird beim Aufprall auf das Wasser gestaucht. Das führt zu Knorpelabnutzung und Arthrose.

10. Handball: Viele Sprünge bedeuten viele Stauchungen der Wirbelsäule. Durch körperliche Angriffe kommt es oft zu extremen Biegungen. Auch der oft harte Hallenboden schadet.

Bei unmittelbar auftretenden Rückenschmerzen empfiehlt der Orthopäde und Sportmediziner Reinhard Schneiderhan Freizeitsportlern das Auftragen einer schmerzlinderden Salbe und Wärmezufuhr.

Der beste Weg, die Schmerzen zu vermeiden ist allerdings grundlegende Prävention. „Ständiges Training ist der Schlüssel zum Erfolg“, sagt Schneiderhan. „Und das ist natürlich auch eine Disziplinfrage.“ Vor allem ist aber die Qualität des Trainings entscheidend: Die klassischen Maschinen in Fitnesstudios trainieren hauptsächlich die Oberflächenmuskulatur – wichtig für die Gesundheit ist aber die Tiefenmuskulatur.

Empfehlenswert sind hier vor allem Yoga- oder Pilateskurse, und zwar geschlechterübergreifend. Viele zeitgemäße Studios geben mittlerweile Anleitung für funktionelles Training – hier stehen das bloße Bewegen von Gewichten, sondern vor allem Stabilisation des Körpers im Vordergrund. Trotzdem ist der Trainingseffekt hoch.
„Auch die Krankenkassen bieten Rückenschulen an“, sagt Schneiderhan. Informieren lohnt sich: Jeder Freizeitsportler, egal in welcher Sportart, profitiert von einem stabilen Rücken – und dabei ist gesundheitsorientiertes Kräftigungstraining elementar.

 

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