Vor der Handball-WM: AZ-Interview mit Nationalspielerin Isabell Klein

Am Freitag beginnt die Handball-WM der Frauen im eigenen Land. In der AZ spricht Nationalspielerin Isabell Klein über den Titel 2007, über ihre Heimat Ismaning und das Leben in einer Handballer-Familie.
| Thomas Becker
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Isabell Klein und die deutsche Mannschaft erwartet bei der WM ein bunter Gegner-Mix aus drei Kontinenten. Los geht es afrikanisch gegen Kamerun. In den Duellen mit Südkorea und China wird es asiatisch. Zwei Rivalen kommen aus Europa: Serbien und zum Abschluss der Vorrunde der WM-Zweite Niederlande.
imago/Klaus Bergmann Isabell Klein und die deutsche Mannschaft erwartet bei der WM ein bunter Gegner-Mix aus drei Kontinenten. Los geht es afrikanisch gegen Kamerun. In den Duellen mit Südkorea und China wird es asiatisch. Zwei Rivalen kommen aus Europa: Serbien und zum Abschluss der Vorrunde der WM-Zweite Niederlande.

Die 33 Jahre alte Nationalspielerin stammt aus Oberschleißheim und spielte einige Zeit für den TSV Ismaning. Aktuell ist sie für den französischen Erstligisten Nantes Loire Atlantique aktiv.

AZ: Frau Klein, Handball-WM im eigenen Land: Da denkt man an die WM 2007, das sogenannte Wintermärchen, mit dem sensationellen Titelgewinn der Männer. Wie haben Sie das Turnier damals erlebt?
ISABELL KLEIN: Die 2007er-WM ist auf jeden Fall noch präsent, für mich ja sowieso, weil mein Mann Dominik damals Weltmeister wurde. Ich konnte glücklicherweise beim Finale in Köln dabei sein, vor 19.000 Zuschauern! Unvergesslich! Davon träumen wir jetzt natürlich auch.

Wie wichtig ist dabei der Heimvorteil?
Das kann ein entscheidender Faktor werden – wenn diese Konstanz durch die Zuschauer getragen wird.

Sie sind mit Mann und Sohn vor gut einem Jahr nach Frankreich gegangen: Sie spielen für Nantes Loire Atlantique, Ihr Mann beim Handball Club Nantes. Wie sind Sie auf Nantes gekommen?
2015 hatten wir schon eineinhalb Jahre eine Pendelbeziehung. Wir haben in Kiel, wo Dominik für den THW spielte, gelebt, und ich bin jeden Tag zu meinem Klub nach Buxtehude gefahren. Jeden Tag war ich acht Stunden unterwegs, habe nebenher noch gearbeitet, und dann war da noch der Sohnemann. Das konnte nicht so weitergehen. Und als sich Domi mit dem THW nicht über die Vertragslaufzeit einigen konnte, haben wir geschaut, wo es Frauen- und Männer-Handball auf hohem Niveau an einem Ort gibt. Da wurde der Kreis sehr schnell sehr klein, und zum Glück war dann in Nantes bei beiden Vereinen Bedarf.

Klein: "Klar wünscht man sich Konstanz"

Wie gut ist Ihr Französisch?
Ich hatte Französisch in der Schule, das kommt dann recht schnell wieder. Bei Domi war es schwieriger: Der hat bei Null angefangen, was für ihn schon eine Umstellung war, weil er so ein kommunikativer Typ ist. Unser Sohn lernt es am schnellsten – die gehen hier schon mit drei in die Schule.

Wie oft sind Sie noch in der Heimat Oberschleißheim? Spielen Bruder und Schwester noch für den TSV?
Sie sind jetzt beide als Trainer eingestiegen. Und da es einen Direktflug München-Nantes gibt, bin ich in der Tat öfter mal daheim, auch weil unser Sohn gern bei seinen Cousins ist. Nun geht es zunächst nach Leipzig.

Wie ist Ihr Gefühl vor der WM?
Bei Großereignissen tut sich die Mannschaft ja schwer: Platz sieben bei der WM 2009, den letzten Titel gab es 1993. Unsere Stärke ist, dass wir jeden schlagen können, dass wir Potenzial haben, uns aber der Faktor Konstanz in jedem Turnier zum Verhängnis wird. Jetzt haben wir mit Michael Biegler aber einen sehr erfahrenen Trainer, der auch das Drumherum perfektioniert, damit uns nichts ablenkt.

Dummerweise verlässt der Coach das Team nach der WM, um Leipzigs Männer-Team zu trainieren. Ihm folgt Henk Groener, derzeit Nationalcoach der Niederländerinnen. Er wird der sechste Trainer in neun Jahren – kein Wunder, dass es an Konstanz mangelt.
Absolut. Klar wünscht man sich da Konstanz, andererseits bin ich auch Betriebswirtin und weiß, was es für einen guten Trainer bedeutet, einen Job bei einem Männer-Bundesligisten anzunehmen. Es ist natürlich zu wünschen, dass da jetzt jemand kommt, der längerfristig arbeitet, den Frauenhandball in Deutschland prägen und auf den richtigen Weg bringen will.

Klein: "Menschlich eine sehr intakte Mannschaft"

Da kommt die Heim-WM ja gerade recht. Andererseits bringt sie auch jede Menge Druck.
Wir machen Leistungssport, und das bedeutet jeden Tag Druck – wie in jedem anderen Beruf auch. Insofern können wir damit umgehen. Es geht immer um den nächsten Schritt. Der Coach setzt uns Aufgaben, und wenn wir die erfüllen, gewinnen wir. Dann ergibt sich ein Flow – oder eben nicht. Insofern empfinde ich keinen Druck, sondern Vorfreude. Wir werden in großen, hoffentlich vollen Hallen spielen. Bei der Vorbereitung im Sommer haben wir mal in Hamburg gespielt, damit man nicht zum ersten Mal vor 10.000 Leuten einläuft – ein geiles Gefühl!

Am Freitag (18:45 Uhr, Sport 1) geht es zum Auftakt gegen Kamerun. Irgendeine Ahnung, wie die Handball spielen?
Gar nicht. Ich habe allerdings eine französische Mitspielerin, die aus Kamerun stammt und deren Oma da noch lebt. Insofern weiß ich jetzt ein bisschen was über das Land.

Was trauen Sie Ihrem Team zu?
Menschlich ist es auf jeden Fall eine sehr intakte Mannschaft, was bei 20 Frauen nicht selbstverständlich ist. Wir werden dafür sorgen, dass wir auch außerhalb des Feldes eine schöne Zeit verbringen. Aber wenn Anpfiff ist, zählt nur noch Handball.

Lesen Sie hier: Alle Infos zur Handball-WM der Frauen

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