Vogts kleiner Streif-Coup: Erst Top Ten, nun Olympia-Chaos

Ein deutscher Abfahrer lässt in Kitzbühel den Sieger und den zweitplatzierten Superstar zittern. Mit Platz acht gelingt Luis Vogt ein Lichtblick. Doch wegen Olympia wird es jetzt kompliziert.
von  Manuel Schwarz, dpa
Luis Vogt gelingt eine bärenstarke Abfahrt in Kitzbühel.
Luis Vogt gelingt eine bärenstarke Abfahrt in Kitzbühel. © Hans Klaus Techt/APA/dpa

Luis Vogt hatte gerade die Ziellinie von Kitzbühel überquert und sich von 45.000 Fans für seinen Mini-Coup feiern lassen, da sahen einige schon ein anstehendes Olympia-Chaos aufziehen. Rang acht bei der wichtigsten Abfahrt im Weltcup war nicht nur der größte Erfolg des 23-Jährigen und ein Lichtblick im bislang trübgrauen Ski-Winter der deutschen Speedfahrer.

Eigentlich knackte Vogt mit diesem achten Platz auch die Qualifikationsnorm für die Winterspiele in Mailand und Cortina. Aber die Nominierung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ist - anders als in anderen Ländern - schon erfolgt und Vogt stand nicht auf der Liste. Rückt der Garmischer nun dank einer Last-Minute-Aktion noch nach? Und wenn ja, muss jemand anderes aus dem Männer-Ski-Team sein Olympia-Ticket wieder zurückgeben? Es ist kompliziert.

Vogt kommt Shootingstar Franzoni und Superstar Odermatt nahe

"Das liegt nicht in meinen Händen", sagte Vogt selbst zur Bredouille, in die der DOSB und der Deutsche Skiverband (DSV) am Samstagnachmittag geraten waren. Der Zwei-Meter-Rennfahrer, der sich mit Schuhgröße 50 in Skistiefel der Größe 47 zwängte, genoss lieber seine erste Top-Ten-Platzierung im Weltcup, und das ausgerechnet auf der legendären Streif. Mit einer beherzten Fahrt hatte er spät im Rennen sogar den späteren Sieger Giovanni Franzoni (Italien) und Superstar Marco Odermatt (Schweiz) auf Rang zwei bangen lassen.

"Saugeil", fand Vogt, den Verletzungen in den vergangenen Jahren immer wieder gebremst hatten. Das Grinsen wich ihm im Zielraum von Kitzbühel nicht aus dem Gesicht; Fans und Freunde mit Plakaten jubelten dem Oberbayern zu.

Finden die Verbände noch eine Lösung?

Aber natürlich wurde er auch nach Olympia gefragt. Eine Nachnominierung "wäre mega", meinte er, sagte aber auch, dass die bisher Ausgewählten "große Namen mit guten Platzierungen" und "berechtigt" eingeladen seien. Und eines ist unter den vielen Fragezeichen klar: Mehr als die fünf Startplätze, die der Skiweltverband Fis den Deutschen zugeteilt hatte, wird es nicht geben.

Die Verantwortlichen im DSV müssen nun mit DOSB und Fis klären, was zu tun ist. Kann neben den fünf Nominierten Linus Straßer, Simon Jocher, Alexander Schmid, Fabian Gratz und Anton Grammel noch ein sechster Athlet zumindest als nomineller Ersatzfahrer mit nach Bormio? Quasi als Backup, falls sich jemand vor Ort verletzten sollte? Zumal ein Einsatz von Schmid, der sich jüngst eine Sprunggelenksverletzung zugezogen hatte, ohnehin schon jetzt fraglich ist.

Kritik an frühem Nominierungstermin des DOSB

Der DOSB äußerte sich auf dpa-Anfrage zunächst nicht zu den offenen Punkten. Am deutschen Olympia-Verband hatte es Kritik gegeben, weil er schon relativ früh seine Sportlerinnen und Sportler für die Spiele in Norditalien fixierte. Die Österreicher und Schweizer warten mit den Nominierungen bis nach den Rennen in Kitzbühel. Wäre auch der DOSB so verfahren, dann ist davon auszugehen, dass Vogt - anstelle von Grammel, der die deutsche Norm eigentlich nicht komplett geschafft hatte - das Olympia-Ticket erhalten hätte.

"Das ist jetzt alles Zukunftsphilosophie", sagte Männer-Chefcoach Christian Schwaiger über die sportpolitischen Gedankenspiele, in die er sich nicht einmischen will. "In zweieinhalb Wochen kann im Skisport noch viel passieren."

Cheftrainer blickt bei Vogt schon über Olympia hinaus

Dem Trainer war die Erleichterung anzumerken nach dem achten Platz, der sich fast wie ein Podesterfolg anfühlte. Noch am Freitag hatten seine Schützlinge im Super-G maßlos enttäuscht und Schwaiger "deprimiert" zurückgelassen. Vogt ist eine der Hoffnungen bei den Abfahrern, die in den vergangenen Jahre etliche Leistungsträger wie die Ex-Kitzbühel-Sieger Thomas Dreßen und Josef Ferstl verloren hatten. Der 23-Jährige soll langfristig als Top-Ten-Fahrer aufgebaut werden. Eine Teilnahme an Olympia 2026 sei dafür nicht essenziell, meinte Schwaiger. Freuen würde sich Luis Vogt aber freilich schon.

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