... und am Ende gewinnt der FC Sevilla

Das war ein würdiges Finale! Das Endspiel des ersten Europa-League-Finalturniers bot alles, was ein Fußball-Spiel braucht. Tore, Diskussionsstoff, Helden und tragische Helden. Und der Titel ging wieder mal nach Sevilla.
| dpa
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Die Spieler des FC Sevilla feiern den Sieg im Finale der Europa League.
Federico Gambarini/dpa/dpa Die Spieler des FC Sevilla feiern den Sieg im Finale der Europa League.

Köln - In der Europa League spielen 213 Mannschaften aus ganz Europa - und am Ende gewinnt immer der FC Sevilla. So könnte man den legendären Spruch der britischen Fußball-Ikone Gary Lineker von den letztlich immer gewinnenden Deutschen umdichten.

Denn durch das 3:2 (2:2) im Europa-League-Finale gegen Inter Mailand gewannen die Andalusier schon zum sechsten Mal seit 2006 den kleinen Europacup. Damit sind sie mit Abstand Rekord-Gewinner und haben so viele Titel geholt wie alle deutschen Vereine zusammen. Doch das hitzige, teilweise verrückte und spektakuläre Finale von Köln sorgte nicht nur für spannende Statistiken, sondern auch für emotionale Geschichten.

TRAGISCHER HELD: Romelu Lukaku hatte das Zeug zum Helden. In der 5. Minute hatte der Inter-Stürmer einen selbst herausgeholten Elfmeter zur Führung verwandelt. Er hatte seine Rekord-Serie ausgebaut, weil er im elften Europa-League-Spiel in Folge traf. Und er hatte das früheste Final-Tor in der Geschichte des Wettbewerbs erzielt. Doch am Ende war der Belgier die tragische Figur. Der Fallrückzieher von Diego Carlos - der ihn beim Elfmeter plump gefoult hatte - wäre nämlich am Tor vorbeigeflogen. Doch Lukaku fälschte ihn ins Tor ab. Direkt nach Abpfiff rannte der 27-Jährige in die Kabine, schwänzte die Siegerehrung und verzichtete auf seine Silbermedaille. Stunden nach dem Abpfiff änderte die UEFA auch noch offiziell den Torschützen und wertete den Treffer als Eigentor Lukakus.

ECHTER HELD: Bei Borussia Mönchengladbach ist Luuk de Jong als einer der wenigen Transfer-Fehlgriffe von Manager Max Eberl in Erinnerung. Nun ist er der Held von Sevilla. Dem Siegtor als Joker beim 2:1 im Halbfinale gegen Manchester United ließ er nach der Beförderung in die Startelf zwei Kopfballtore folgen: Das war noch keinem Spieler in einem Europacup-Endspiel gelungen. "Der Erfolg der Mannschaft ist wichtiger als meine Tore", sagte de Jong: "Aber einen Titel zu holen und dabei Tore erzielt zu haben, fühlt sich wunderbar an."

REHABILITIERT: 2018 war Julen Lopetegui international ins Rampenlicht gerückt und hatte viel Spott über sich ergehen lassen müssen. Zunächst wurde er bei Spaniens Nationalmannschaft noch vor dem ersten WM-Spiel entlassen, weil er seinen Wechsel zu Real Madrid angekündigt hatte, dann warfen ihn die Königlichen nach nur zehn Spieltagen raus. Nun führte er Sevilla in seiner ersten Saison zum Europacup-Sieg. Genugtuung wollte er sich aber keine anmerken lassen. "Es stimmt, mir war keine lange Zeit bei Real vergönnt", sagte der 53-Jährige: "Aber dann habe ich die wunderbare Gelegenheit bekommen, mit dieser tollen Mannschaft zu arbeiten. Hier bin ich glücklich."

RÜCKKEHRER: Als der FC Sevilla 2006 durch ein 4:0 gegen den FC Middlesbrough zum ersten Mal UEFA-Cup-Sieger wurde, stand Jesus Navas als 20-Jähriger 90 Minuten auf dem Platz. Auch 2007 war er Stammspieler. Ausgerechnet in den vier Jahren, in denen der kleine Mittelfeldspieler aus der Region Sevilla nicht in der Heimat spielte, holte sein Verein dann dreimal in Folge die Europa League. 2017 kehrte Navas von Manchester City zurück, nun durfte er die Trophäe nach 13 Jahren wieder in die Luft recken. "Ich kann es gar nicht in Worte fassen", sagte der inzwischen 34-Jährige sichtlich gerührt.

ZUKUNFT OFFEN: Antonio Conte führte Inter Mailand in seinem ersten Jahr zur Vize-Meisterschaft und ins Europa-League-Finale. Seine Zukunft ließ der Inter-Trainer, der sich mit der Vereinsführung überworfen hat, aber offen. "Es ist nicht der richtige Zeitpunkt, darüber zu sprechen", sagte er.

© dpa-infocom, dpa:200822-99-263484/4

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