Interview

Türkgücüs Pokal-Spezialist Marco Kehl-Gomez: "Das war im positiven Sinne geisteskrank"

Vor dem Erstrunden-Knaller gegen Union erklärt Türkgücüs Pokal-Spezialist Marco Kehl-Gomez, wie man einen Bundesligisten rauswirft - und warum er kürzlich alle Social-Media-Kanäle abstellen musste.
| Krischan Kaufmann
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
1 Kommentar Artikel empfehlen
Zwei Spiele, zweimal Startelf, zweimal über die kompletten 90 Minuten: Marco Kehl-Gomez hat bei Türkgücü voll eingeschlagen.
Zwei Spiele, zweimal Startelf, zweimal über die kompletten 90 Minuten: Marco Kehl-Gomez hat bei Türkgücü voll eingeschlagen. © imago images/Oryk HAIST

AZ: Servus, Herr Kehl-Gomez - oder wäre Ihnen als Hispano-Schweizer ein Hola oder Grüezi lieber?
MARCO KEHL-GOMEZ: Gerne beides. (lacht) Ich bin ja zweisprachig aufgewachsen, habe als Kind mit meiner Mutter nur spanisch gesprochen.

Da passen Sie ja gut in die Multikulti-Truppe von Türkgücü. Mit Ihren zwei Startelfeinsätzen wirkt es eh so, als wären Sie in einer absoluten Rekordzeit bei Ihrem neuen Verein angekommen.
Das stimmt. Ich habe mich hier sehr schnell wohl- und mit meiner Familie in München heimisch gefühlt. Deshalb konnte ich hier auch sofort meine Leistung zu 100 Prozent abrufen. Leider hat es für uns gegen Halle trotz zweimaliger Führung wieder nicht für einen Sieg gereicht (2:2, Anm. d. Red.).

"Was da in dieser Pokal-Saison abgelaufen ist, war im positiven Sinne wirklich geisteskrank"

Die nächste Chance besteht gleich am kommenden Sonntag, diesmal allerdings im Pokal gegen Union Berlin. Ein klarer Fall für den Pokal-Spezialisten Marco Kehl-Gomez, der letzte Runde mit Regionalligist RW Essen Zweitligist Fortuna Düsseldorf und gleich zwei Bundesligisten - Arminia Bielefeld und Bayer 04 Leverkusen - aus dem Cup-Wettbewerb geworfen hat.
Was da in dieser Pokal-Saison abgelaufen ist, war im positiven Sinne wirklich geisteskrank. Das waren für den ganzen Verein, für alle Spieler unvergessliche Momente. Wenn ich allein an das Leverkusen-Spiel (2:1 n.V., d. Red.) denke, das wird für immer in den Köpfen bleiben. Man ist - selbst als Regionalligist - im DFB-Pokal nie chancenlos - und das durfte ich zum Glück am eigenen Leib erfahren.

Lesen Sie auch

Sie haben sich für die erste Runde einen "machbaren" Erst- oder Zweiligisten gewünscht. Wie "machbar" ist denn nun Union?
Was die "Eisernen" letzte Saison in der Bundesliga gezeigt haben, da kann ich nur den Hut ziehen. Aber DFB-Pokal, das ist eben immer nur ein Spiel. Dass wir eine herausragende Leistung brauchen, um die Sensation zu schaffen, ist natürlich auch klar.

Haben sich ihre neuen Teamkollegen oder gar Ihr Trainer Petr Ruman schon Tipps von Ihnen geholt, wie man so ein Pokal-Wunder angeht?
Da gibt es eigentlich kein großes Geheimnis. Man braucht selbst einen absoluten Sahnetag - und dann auch noch viel Spielglück. Aber dann ist alles möglich! Mir kann nach dem Leverkusen-Spiel - und das ist eine Champions-League-Mannschaft - niemand mehr erzählen, dass irgendwas unmöglich ist im Fußball.

"Der gesamte Defensivverbund von uns wird da eine Top-Leistung abrufen müssen"

Das werden die Fans und Verantwortlichen von Türkgücü vor dem Union-Knaller sicher gerne hören. . .
Klar, für Türkgücü ist das ja auch ein sehr spezielles Spiel, sie sind ja zum ersten Mal im DFB-Pokal dabei. Ich kann auf jeden Fall versprechen, dass wir gegen Union alles raushauen werden, was in unserer Macht steht.

Sie könnten es als Sechser direkt mit Union-Star Max Kruse zu tun bekommen. Das klingt nach Schwerstarbeit, oder?
Über die Offensive von Union müssen wir hier gar nicht reden. Die habe ich mir natürlich alle nochmal genau angeschaut. Max Kruse ist ein überragender Spieler und mit Kevin Behrens habe ich damals in Saarbrücken sogar noch zusammengespielt. Der gesamte Defensivverbund von uns wird da eine Top-Leistung abrufen müssen.

Lesen Sie auch

Sie waren in Essen Führungsspieler und sogar Kapitän, können Sie verstehen, dass dort viele Fans über Ihren kurzfristigen Abgang enttäuscht waren?
Ja, natürlich habe ich Verständnis, dass nicht jeder in Essen gejubelt hat, als ich gegangen bin. Aber man muss auch sehen: Wir sind mit 90 Punkten nicht aufgestiegen, ich habe dreimal in der Relegation den Aufstieg in die Dritte Liga verpasst - übrigens einmal sogar mit Saarbrücken gegen den TSV 1860. So etwas prägt einen auch. Ich wollte jetzt einfach mit Türkgücü den nächsten Schritt machen. Nach der Bekanntgabe meines Wechsels habe ich Social Media erstmal komplett stillgelegt, die Reaktionen auf meinen Abschied waren teilweise komplett überzogen. Und wenn es gegen meine Familie geht, dann sind die Leute eh falsch bei mir.

Vielleicht ist ja die Dritte Liga auch nur eine Zwischenstation für Sie? Türkgücü ist bekanntlich ein Verein mit großen Ambitionen.
Eventuell, ja. Aber dieser Gedanke spielt aktuell keine Rolle für mich.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 1  Kommentar – mitdiskutieren Artikel empfehlen
1 Kommentar
Artikel kommentieren