Interview

Türkgücüs Fanbeauftragter über Rassismus: "Ablehnung sind wir gewohnt"

Türkgücü Münchens Fanbeauftragter Alexander Engelfried spricht über Corona-Probleme und Rassismus.
| Krischan Kaufmann
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Werden in den Stadien immer wieder mit rassistischen Anfeindungen konfrontiert: die Fans von Türkgücü München.
Werden in den Stadien immer wieder mit rassistischen Anfeindungen konfrontiert: die Fans von Türkgücü München. © imago images/MIS

München - AZ-Interview mit Alexander Engelfried (31): Der gebürtige Münchner ist Fanbeauftragter bei Türkgücü München.

AZ: Herr Engelfried, Corona macht den deutschen Profi-Klubs weiterhin zu schaffen. Obwohl in den Stadien nun wieder Zuschauer zugelassen sind, kommen längst nicht so viele, wie möglich wären. Wie ist die Situation für einen noch verhältnismäßig jungen Verein wie Türkgücü, der sich seine Anhängerschaft erst noch aufbauen muss?
ALEXANDER ENGELFRIED: Fakt ist: Mit Corona macht Fußball einfach weniger Spaß. Da gibt es sicher viele Themen, die unsere Anhänger - wie bei allen anderen Verein ja auch - stören, ob es der Alkohol-Ausschank ist, die personalisierten Tickets oder vor allem auch die 3G+-Regelung (Geimpft, genesen oder getestet mit einem PCR-Test, der nicht älter als 24 Stunden ist, Anm. d. Red.). So ein PCR-Test kostet rund 80 Euro, das ist vielen Fans, die ja gerade in unserem Fall auch häufig von weiter weg kommen einfach zu teuer. Klar, das Problem haben alle Vereine, aber bei einem Klub wie Türkgücü, bei dem sich die Fanbasis noch im Aufbau befindet, ist das eine zusätzliche Einstiegshürde.

Abschreckend wirken womöglich auch Querelen im Verein. Vor etwas mehr als einem Jahr stand sogar das ganze Projekt Türkgücü auf der Kippe, nachdem Präsident und Mäzen Hasan Kivran zwischenzeitlich seinen Rückzug angekündigt hatte. Wie reagieren die Fans auf solche Turbulenzen?
Ehrlicherweise haben die Fans damals ganz anders reagiert, als ich es erwartet hatte, nämlich total positiv. Sie haben Unterstützertickets gekauft, Fanclubs haben sogar Geld gesammelt und uns damit gezeigt, dass sie hinter den Verein stehen - ganz egal, was passiert. Damals haben wir nochmal richtig zu spüren bekommen, dass wir deutschlandweit unsere Supporter haben.

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Engelfried: "Daher verletzt diese Ablehnung natürlich sehr"

Hilft dieser starke Zusammenhalt von Fans und Verein auch beim Umgang mit den rassistischen Anfeindungen, die Türkgücü aufgrund seiner türkischen Wurzeln immer wieder entgegenschlagen?
Es kann natürlich sein, dass wir für Fußball-Traditionalisten ein Affront sind, weil wir vieles anders machen als andere Klubs. Wir sind auch sehr kritikfähig und mit uns kann man auch immer reden. Aber grundsätzlich muss ein von Migranten gegründeter Profiverein im deutschen Profifußball seinen Platz haben. Deutschland würde ohne die vielen Migranten ja gar nicht so gut dastehen, wie es heute dasteht. Daher verletzt diese Ablehnung natürlich sehr. Und nicht nur die Fans mit türkischen Wurzeln, sondern auch unsere deutschen Anhänger, also die Fans ohne Migrationshintergrund, auch die fühlen sich dadurch angegriffen. Aber wissen Sie, was das Erschreckendste ist, wenn ich mich mit unseren Fans darüber unterhalte?

Sagen Sie es uns.
Dass sie mir erzählen: "Diese Ablehnung sind wir doch schon gewohnt, es ist ja nichts Neues, dass wir egal, wo wir hinkommen, beleidigt werden." Man muss aber auch sagen, dass die meisten unserer Fans sehr clever mit diesen Anfeindungen umgehen. Natürlich machen sie sich an bestimmten Spielorten schon mal Sorgen um ihre Sicherheit. Aber die anderen Drittliga-Klubs und deren aktive Fanszenen sind sich des Problems bewusst und steuern da auch massiv gegen, im Sinne von "Wir mögen vielleicht Türkgücü nicht, aber Rassismus hat bei uns trotzdem nichts zu suchen." Und auch die Polizei reagiert bislang immer sehr umsichtig, so dass es bisher noch zu keinen größeren Vorfällen gekommen ist.

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