Interview

Türkgücü-Boss Max Kothny: "So ein bisschen Reibung tut ja manchmal ganz gut"

Nach der Blitztrennung vom ruhigen Petr Ruman holte Türkgücü mit Peter Hyballa den Gegenentwurf. Max Kothny, Geschäftsführer des Klubs, erklärt in der AZ die Gedanken hinter dem Trainerwechsel.
| Krischan Kaufmann
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Neuer Trainer von Türkgücü München: Peter Hyballa.
Neuer Trainer von Türkgücü München: Peter Hyballa. © IMAGO / Ritzau Scanpix

München - AZ-Interview mit Max Kothny: Der 24-Jährige ist Türkgücüs Geschäftsführer.

AZ: Herr Kothny, 15 Punkte und ein zehnter Platz nach zehn Spieltagen: Eigentlich könnte Türkgücü als immer noch junger Drittligist zu Beginn seiner zweiten Saison im deutschen Profifußball mit dieser Bilanz zufrieden sein, wenn da nur nicht der frühe Trainerwechsel von Petr Ruman zu Peter Hyballa wäre.
MAX KOTHNY: Rein sportlich gesehen hört sich das zunächst einmal gut an, zumal wir ja nur zwei Punkte hinter Platz zwei liegen und die Liga heuer brutal ausgeglichen ist. Aber leider mussten wir den Trainerwechsel forcieren, denn wir wollen uns ja eben nicht dauerhaft im Mittelfeld aufhalten.

Zwischen Trainer und Mannschaft soll der Funken nie so recht übergesprungen sein. War Petr Ruman zu leise für einen latent daueraufgeregten Verein wie Türkgücü?
Wir haben erst Petr Ruman als Trainer verpflichtet, auch weil wir mit einem deutlich jüngeren Kader geplant hatten (Ruman trainierte zuvor die U23 der SpVgg Greuther Fürth, Anm. d. Red.). Jedoch haben wir mit der Zeit immer erfahrenere Spieler und Persönlichkeiten verpflichten können - Profis, die aber alle im Vergleich zum Jugendbereich ihren ganz eigenen Kopf haben. Und das war dann am Ende vielleicht ausschlaggebend, warum Petr diese Mannschaft nie so hundertprozentig erreicht hat.

Trainerwechsel: "einstimmige Entscheidung"

Klingt, als hätten die Silberrücken Ruman den Job gekostet.
Wir haben natürlich auch mannschaftsintern viele Gespräche geführt, aber am Ende war es eine einstimmige Entscheidung von unserem Sportlichen Leiter Roman Plesche, unserem Präsidenten Hasan Kivran und mir, den Trainer zu wechseln.

Wer einen Trainer, den man erst drei Monate zuvor eingestellt hat, nach nur neun Spieltagen wieder entlässt, kann auch selbst nicht alles richtig gemacht haben, oder?
Ruman ist ein super Trainer, gerade was die Trainingsinhalte angeht, gab es immer ein überragendes Feedback aus der Mannschaft - aber die Punkte holt man ja im Spiel und nicht im Training. Natürlich ist so ein Trainerwechsel immer eine brutal schwierige Entscheidung, denn du hast ja auch keine Garantie, dass es dann danach besser wird. Deswegen darf man da auch keine Schnellschüsse machen - so wie wir in der Vergangenheit. Daraus haben wir schon gelernt.

"Peter ist unser absoluter Wunschtrainer"

Mit Peter Hyballa haben Sie nun den kompletten Gegenentwurf verpflichtet: Ein ausgewiesener Taktikexperte mit schon jeder Menge Berufserfahrung, dafür im zwischenmenschlichen Bereich angeblich eher zu laut als zu leise...
Peter ist unser absoluter Wunschtrainer. Ich wollte ihn schon letzte Saison für die Dritte Liga zu Türkgücü holen. Er kann anpacken, ist wahnsinnig ehrgeizig und steht für einen klaren Fußball, den man mit dieser Mannschaft auch spielen kann. Und ich hoffe natürlich, dass er das Team erreicht.

Bei seiner letzten Station, Esbjerg fB in Dänemark, hat er das nicht. Dort wurde ihm vor seinem Rücktritt ein zu rüder Umgangston, den die Spieler teils Mobbing nannten, vorgeworfen. Diese Hypothek haben Sie bewusst in Kauf genommen, um den Wunschtrainer zu bekommen?
Ja, denn ich bin der Überzeugung, weil ich immer mit ihm Kontakt gehalten habe, dass Peter durch all seine Stationen, bei denen die ein oder andere auch mal nicht so gut gelaufen ist, immer dazulernt. Er wirkt auf mich sehr reflektiert und möchte immer besser werden - und so ein bisschen Reibung tut ja manchmal auch ganz gut. In Deutschland hätte sich jetzt zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich kein anderer Verein auf Peter Hyballa eingelassen, das hat er selbst auch so gesagt. Aber zu uns passt er sehr gut, Türkgücü kann von seiner herausragenden Fußballkompetenz gepaart mit einer gewissen positiven Verrücktheit nur profitieren. Das hat man jetzt beim ersten Spiel gegen den BVB II (2:1-Sieg, Anm. d. Red.) schon gesehen. Da war ein ganz anderer Zug in der Mannschaft.

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"Es ist nun mal nicht unser Ziel, im Mittelfeld rumzuspielen"

Nun wartet mit dem Spiel bei Spitzenreiter 1. FC Magdeburg am Montag (19 Uhr, MagentaSport) gleich die schwerstmögliche Bewährungsprobe auf Hyballa und sein neues Team.
Magdeburg ist sehr gut in die Saison gestartet, sie haben da weitergemacht, wo sie letztes Jahr aufgehört haben. Es wird bestimmt eine Herausforderung - Montagabend, Flutlicht, viele Zuschauer. Zudem haben sie eine sehr starke Offensive, da gilt es dagegen zu halten - und am Ende vorne seine Chancen zu nutzen. In so einer engen Tabelle ist das ein Spiel, wo sich je nach Ergebnis sehr viel ändern kann.

Andere Vereine versuchen, sich im zweiten Jahr in der neuen Liga zu konsolidieren. Für Türkgücü scheint das keine Option zu sein, oder?
Wenn wir uns konsolidieren wollten, wären wir ja wie alle anderen Vereine. (lacht) Es ist nun mal nicht unser Ziel, im Mittelfeld rumzuspielen. Der Aufstieg ist heuer nicht Pflicht, aber unsere Kaderstruktur ist aktuell schon so angelegt, dass wir auch in der nächsten Saison, die ja dann laut unserem Businessplan, den wir für den Börsengang erstellt haben, unsere Aufstiegssaison sein soll, dann sicher eine gute Mannschaft haben werden.

Mit dem erwähnten Börsengang will sich der Verein auch ein wenig von Präsident und Geldgeber Hasan Kivran emanzipieren. Wann steht Türkgücü auf eigenen Füßen?
Fußballaktien sind natürlich hochemotional. Da war unsere Punkteausbeute zuletzt eher nicht förderlich, aber man hat jetzt nach dem Dortmund-Spiel schon einen deutlichen Anstieg gesehen. Außerdem suchen wir zudem noch strategische Investoren, gerade in der türkischen Community, da sind wir in sehr vielen guten Gesprächen. Ob wir eines Tages einmal komplett unabhängig von Hasan Kivran sein werden, weiß ich nicht und glaube ich auch nicht. Wir wollen uns finanziell breiter aufstellen, aber seine Expertise, seine Business-Denke brauchen wir auch weiterhin bei Türkgücü.

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