Zaunfahne in Brand, "keine Glanzleistung" auf dem Platz – und doch ist 1860 plötzlich nah am Ziel

Der TSV 1860 kommt in Schweinfurt nicht über ein 1:1 hinaus. Nicht nur auf dem Platz läuft an diesem Nachmittag nicht alles wie gewünscht ab. Dafür rückt aber ein Ziel zum Greifen nahe.
von  Matthias Eicher
36. Spieltag, 3. Liga, Saison 2025 2026: Choreografie der Münchner Fans mit blauem Rauch und Pyrotechnik beim Spiel gegen den FC Schweinfurt 05
36. Spieltag, 3. Liga, Saison 2025 2026: Choreografie der Münchner Fans mit blauem Rauch und Pyrotechnik beim Spiel gegen den FC Schweinfurt 05 © IMAGO/Max Kilian

Ein wahres Feuerwerk abgebrannt hat Sechzig bei den "Schnüdeln" nicht – eher die Fans auf den Rängen, wo im fast traditionellen 1860-Pyro-Chaos nach AZ-Informationen eine eigene Zaunfahne in Flammen aufgegangen ist und für einen internen Zwist im Fanlager gesorgt haben soll. Einig waren sich Anhänger und Spieler dagegen dabei – zumindest phasenweise –, ihre Arbeit einzustellen…

Beim 1:1 des TSV 1860 bei Schlusslicht 1. FC Schweinfurt 05 hat sich wahrlich keiner mit Ruhm bekleckert. "Das war keine Glanzleistung von uns, muss man auch sagen", gestand Kevin Volland nach dem Sommerkick-Remis bei Magentasport und legte den Finger schonungslos in die weiß-blaue Wunde: "Es war bissl zerfahren. Schweinfurt hatte Aktionen, wir hatten einige Aktionen, wo wir in Führung gehen können, fast müssen." In der zweiten Halbzeit sei das Duell "dahingeplätschert. Das Unentschieden geht in Ordnung."

Wenn ein Unentschieden bei einem Absteiger in Ordnung geht, kann man sich vorstellen, dass die Löwen-Leistung, die zwar auch keine Aussetzer mit sich brachte, keinerlei überragende Mannschafts-Momente zu bieten hatte.

TSV 1860 vergisst bei Rückstand das Verteidigen

"Es war phasenweise ok, phasenweise nicht. Es war ein Spiegelbild der Saison: dass wir manche Dinge gut machen, andere nicht. Am Ende müssen wir damit leben", erklärte auch Chefcoach Markus Kauczinski vielsagend über anfangs engagierte und dominante Sechzger.

Bei Sebastian Müllers Treffer zum 0:1 vergaßen sie allerdings das Verteidigen (27.) und mit Ausnahme des Ausgleichs durch Ausnahmekicker Sigurd Haugen (31.) geriet auch das Offensivspiel der Blauen zu einer alles andere als zielführenden Angelegenheit, was Kauczinski lapidar mit "gut angefangen und den Faden verloren" quittierte und mal wieder nur Haugen als einzigen Löwen hervorheben konnte.

Hatten so ihre Probleme beim Tabellenletzten: Die Löwen um Kevin Volland.
Hatten so ihre Probleme beim Tabellenletzten: Die Löwen um Kevin Volland. © IMAGO

Würzburg auf Weg, Pokal-Eintrittskarte über Liga zu holen

Kurioserweise sind die Sechzger ihrem verbleibenden Saisonzielchen dennoch ein Schrittchen nähergekommen: Weil Totopokal-Gegner Würzburger Kickers einen 4:1-Heimsieg gegen Wacker Burghausen feierte und die SpVgg Unterhaching gegen den FC Memmingen mit 1:2 verlor, zogen die Franken in der Tabelle der Regionalliga Bayern an den Hachingern vorbei. Daher sind sie aktuell auf einem guten Weg, sich zwei Spieltage vor Saisonende ihre Eintrittskarte für den DFB-Pokal über die Liga zu holen.

Zur Erinnerung: Tabellenführer 1. FC Nürnberg II ist weder aufstiegsberechtigt, noch im Pokal dabei. Sechzigs Pokal-Chancen sind daher um ein paar Prozentpünktchen gestiegen. Was Kauczinski dazu sagt? Der 56-Jährige hatte bereits vor dem sportlich bedeutungslosen Duell, bei dem er "Einsatz und Konstanz" sehen wollte und nur bedingt konnte, seine Sicht der Dinge dargelegt. Man könne den Ausgang der Vierten Liga nicht beeinflussen. Bedeutet? "Ich gehe davon aus, dass wir im Totopokal-Finale gegen Würzburg ein Endspiel um die Teilnahme im DFB-Pokal haben."

Nicht zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft: Sechzig-Trainer Markus Kauczinski.
Nicht zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft: Sechzig-Trainer Markus Kauczinski. © IMAGO

Sechzig will Spannung vor Pokalfinale hochhalten

Der Antrieb der Blauen ist nach dem unerhofft frühen Aus im Aufstiegsrennen also weiterhin, im Spielrhythmus zu bleiben. Volland dazu: "Wir müssen trotzdem die Spannung hochhalten. Eine Woche nach Saisonende ist es sonst schwer, gegen eine Top-Regionalligamannschaft anzutreten, die voll im Saft steht."

Aufraffen ist also angesagt am Derby-Samstag gegen den FC Ingolstadt (14 Uhr): "Das ist unser letztes Heimspiel, da müssen wir uns pushen und einen strukturierteren Auftritt hinlegen." Nicht, dass Würzburg noch ein unverhoffter Pokalsieg gelingt.

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