"Wir waren Zimmerkollegen im Hotel": Voet erklärt Ausbootung von Kapitän Verlaat
Es dauerte eine ganze Weile, bis die Löwentränen bei Jesper Verlaat getrocknet waren. Nach dem Spiel sah man den baldigen Ex-Kapitän des TSV 1860 wieder lächeln und für Fotos mit Fans posieren, zuvor aber einen Verlaat, der hemmungslos weinte, als ihm vor der Westkurve eine gerahmte Collage von Sechzigs Geschäftsführer Manfred Paula als Erinnerung überreicht worden war.
Voet: "Das ist Business, das ist Fußball"
Auch Allesfahrer Roman Wöll hielt ein Trikot mit Verlaats Namen und der Nummer 4 hoch, die Anhänger spendeten kräftig Beifall für vier kräftezehrende Jahre bei den Blauen. So ergriffen Verlaat war, so distanziert wirkte der Abschied mit und von Paula, der den Niederländer in den Arm nahm, aber darauf kaum eine Reaktion vom 29-Jährigen erhielt.
Es ist mit der umstrittenen Trennung offenbar einiges Porzellan zerbrochen im Innenverhältnis, im Verhältnis zum Klub an sich aber keineswegs. Dafür war die Emotionalität Verlaats ein mehr als deutlicher Beleg. "Das ist Business, das ist Fußball", kommentierte Verteidiger Siemen Voet die insgesamt acht Verabschiedungen vor dem 1:2 im letzten Heimspiel der Drittliga-Saison gegen den FC Ingolstadt zunächst sachlich.

Voet erklärt Ausbootung mit Leistungssteigerung
Neben Verlaat bekamen auch Vize-Kapitän Thore Jacobsen, David Philipp, Clemens Lippmann, Maximilian Wolfram, Miran Qela sowie Morris Schröter und Raphael Schifferl (beide durften noch einmal für einige Minuten ran im Grünwalder Stadion) ihr Löwen-Servus und ein anschließendes gemeinsames Foto mit dem ganzen Team.
Über Verlaat sagte der Belgier allerdings auch: "Ich habe Jesper sehr gerne, er war der Einzige, mit dem ich Niederländisch reden konnte. Ich mag ihn sehr, wir hatten gute Gespräche miteinander, wir waren auch Zimmerkollegen im Hotel.“ Die Ausbootungen erklärte sich der 26-Jährige „mit dem Gedanken, dass wir nächstes Jahr einen nächsten Schritt machen müssen."
TSV 1860 hat bereits Profil für Neuzugänge
Dass der nötig ist, darüber besteht kein Zweifel, ebenso wenig darüber, dass Verlaats Körper in der jüngeren Vergangenheit zu häufig nicht so wollte wie der Geist. Ob der Umbau der Mannschaft aber so funktioniert wie gewünscht?
Für Trainer Markus Kauczinski ist jedenfalls das Profil möglicher Neuzugänge schon klar umrissen. Es sei eine Priorität bei der Suche, "dass die Jungs gerne den Ball haben wollen", skizzierte der Coach, "wir haben immer wieder Phasen gehabt, wo wir nicht mutig genug waren. Wir wollen Jungs, die laufen, die Intensität gehen können und die den Ball haben wollen und damit etwas anstellen können."

Althaus und Niederlechner müssen ausgewechselt werden
Dass dafür auch Nachwuchskräfte infrage kommen könnten, zeigte Startelfdebütant Xaver Kiefersauer, der wie Samuel Althaus im Mittelfeld überzeugte und dessen Vertragsverlängerung kurz vor Spielbeginn gemeinsam mit jener von Ersatzkeeper Paul Bachmann und der von Damjan Dordan offiziell verkündet wurde. Althaus gelang zudem seine Drittliga-Torpremiere (42.), ehe er ebenso angeschlagen wie Florian Niederlechner nach einer guten Stunde ausgewechselt werden musste.
Kauczinski erwartet beide allerdings "nach zwei, drei Tagen" wieder im Training für den Drittliga-Ausklang am Samstag beim SC Verl (13.30 Uhr). Danach und nach dem Toto-Pokalendspiel in Würzburg (23. Mai) beginnen die Wochen, die entscheiden, ob auf Sechzig tatsächlich eine bessere Saison als die aktuelle wartet, die der TSV als Tabellenachter abschließen wird. Ansatzpunkte gibt es reichlich.
TSV 1860 braucht "Mentalitätsswitch"
"Wir können die Spiele nicht durchziehen, das ist vielleicht auch die Analyse der Saison. Wir machen die ein, zwei, drei Tore mehr nicht, um das Spiel zuzumachen", befand Verteidiger Siemen Voet und meinte damit auch das Duell gegen die Schanzer: "Das ist ein Mentalitätsswitch, den wir für die nächste Saison brauchen."
Sean Dulic gab sich durchaus zuversichtlich. "Wir haben eine lange Vorbereitung, wir haben genug Zeit in der Transferphase, die Mannschaft punktuell zu verstärken, und wir haben einen guten Stamm. Ich hoffe, wenn wir weniger Verletzte haben, alle fit bleiben, dass es dann besser wird", sagte er. Mit ihm als Löwe zum Start in die Vorbereitung? "Stand jetzt, ja." Klingt irgendwie nicht wie in Stein gemeißelt. Vielleicht stehen weitere Spielerabschiede noch bevor. Dann aber ohne Collage und Westkurven-Kulisse.

