"Wir haben sogar die Bayern ausgeschaltet": Dähne träumt von DFB-Pokal-Reise mit 1860

Torwart Dähne spricht in der AZ über seine Vertragsverlängerung beim TSV 1860, einen schicksalhaften Besuch in München, den verpassten Aufstieg, seine Ziele und die blauen Perspektiven für die kommende Saison.
von  Matthias Eicher
Thomas Dähne ist unumstrittene Nummer eins im Löwen-Tor und bleibt „bis mindestens 2028“ bei 1860.
Thomas Dähne ist unumstrittene Nummer eins im Löwen-Tor und bleibt „bis mindestens 2028“ bei 1860. © IMAGO/Mladen Lackovic

Thomas Dähne hat seinen Vertrag beim TSV 1860 „bis mindestens 2028“ verlängert – ein Meilenstein für die Löwen und die Planung der neuen Saison. Am Mittwoch plauderte der 32 Jahre alte Torwart mit der AZ über ...

... seine Vertragsverlängerung beim TSV 1860:"Es ist einfach so, dass Sechzig ein extrem lebens- und liebenswerter Verein ist. Es macht jeden Tag Spaß, an die Grünwalder Straße zu fahren. Es ist immer was los, es ist ein Traditionsverein, der mehr verdient. Ich war vor zwei, drei Jahren mal mit meinem besten Freund privat in München und habe zu ihm gesagt: ‚Ich würde mich schon freuen, wenn ich mal in München leben und das mit meinem Job verbinden könnte.‘ Das war damals sehr weit weg für mich. Jetzt bin ich glücklich, dass es letzten Sommer geklappt hat und dass wir länger hierbleiben können."

... seine neue Heimat Sechzig:"Es ist für mich immer noch was Besonderes, im Grünwalder Stadion zu spielen. Es ist gefühlt seit drei Milliarden Jahren ausverkauft. Es hat einen ganz speziellen Flair. Es ist immer noch was Besonderes, für Sechzig zu spielen."

Dähne: "Aufsteigen ist nicht so leicht, wie es sich ausspricht"

... seine Heimat München:"Ich muss auch relativieren, wenn es heißt, dass ich in Salzburg lebe und in München spiele: Ich wohne mit meiner Familie in der Stadt und wir sind in unserem Haus in Salzburg, wenn ich mal länger frei habe. München ist unsere Heimat geworden. Meine Frau und ich, zwei Kinder und Hund – bei uns ist immer Action!

... seine Rolle als Führungs-Löwe:"Letzten Sommer war es für mich, genauso wie für Kevin Volland und Flo Niederlechner, ein Stück Heimkommen. Ich war die letzten zehn Jahre gefühlt im Ausland. Die Heimat im Süden, das Nahbare hier – das war für mich schon etwas Schönes. Wir haben alle schon viel miterlebt in unseren Karrieren. Kev hat es super gemacht, der hat bestimmt bald 25 Scorerpunkte gesammelt. Flo hat sich auch nicht hängenlassen, als andere die Nase vorne hatten und gegen Regensburg ein gutes Spiel gemacht. Jetzt gilt es, weiter mit Leistung voranzugehen und die Mannschaft zu führen."

Nachdenklich nach dem verpassten Aufstieg: Kevin Volland, Thomas Dähne und Raphael Schifferl (v.l.).
Nachdenklich nach dem verpassten Aufstieg: Kevin Volland, Thomas Dähne und Raphael Schifferl (v.l.). © sampics

... eine unvollendete Geschichte:"Ich habe es im AZ-Interview schon einmal gesagt: Aufsteigen ist nicht so leicht, wie es sich ausspricht. Es gibt noch 19 andere Mannschaften, die mitspielen und zehn andere, die denselben Anspruch haben. Auch in dieser Saison werden wieder Mannschaften auf der Strecke bleiben, die das Ziel Aufstieg ausgegeben haben. Es geht darum, sich zu schütteln und nächstes Jahr wieder anzugreifen. Wir sind aber weit davon entfernt, jetzt ein neues Ziel für nächste Saison auszurufen – da können wir uns im Sommer im Trainingslager zusammensetzen."

"Extrem reizvoll, auf Giesings Höhen DFB-Pokal zu spielen"

... verbliebene Saisonziele:"Jetzt geht es erstmal darum, noch so oft wie möglich zu gewinnen – und den Totopokal, um in den DFB-Pokal einziehen zu können. Es wäre extrem reizvoll, auf Giesings Höhen DFB-Pokal zu spielen. Ich bin mit Holstein Kiel zu Corona-Zeiten bis ins Halbfinale gekommen, als uns kein Mensch auf dem Schirm hatte. Wir haben sogar die Bayern ausgeschaltet in der zweiten Runde, ich war damals im Kader, aber leider nicht auf dem Rasen. Es wäre schön, mit Sechzig einen kleinen Run zu starten ein paar Mannschaften rauskegeln zu können und auch finanziell ist es wichtig für den Verein."

... Zweitliga-Angebote:"Im Hintergrund auf Beraterebene haben Gespräche stattgefunden, aber ich war nie aktiv daran beteiligt. Ich habe gesagt, dass ich gerne bei Sechzig bleiben möchte. Aber Sechzig hatte für mich oberste Priorität, deswegen war es schon relativ klar, dass ich hierbleiben möchte."

... zähe Verhandlungen mit Geschäftsführer Manfred Paula:"Ich kann bestätigen, dass Holstein Kiel im letzten Jahr einen Teil meines Gehalts übernommen hat. Aber es ist für mich nicht ums Geld gegangen. Mir ging es um die Perspektive, wie es hier weitergeht. Deshalb hat es sich etwas gezogen, aber ich war relativ entspannt, weil ich wusste, was ich an Sechzig habe und was Sechzig an mir hat."

"Wir bringen wieder eine schlagkräftige Truppe auf den Rasen"

... die angesprochene Perspektive: "Es ist ja leider so gekommen oder wird so kommen, dass wir nicht aufsteigen. Die Perspektive ist schon so, dass viele Verträge auslaufen und ich wollte wissen, wie der aktuelle Stand ist. Da ist mir eine gute Perspektive aufgezeigt worden. Ich bin in einem Alter, in dem ich spielen will und nicht jede Woche irgendwo auf der Bank sitzen. Deswegen habe ich gesagt: ‚Okay, wir greifen hier wieder an!‘ Nächstes Jahr haben wir bestimmt einen etwas anderen Kader, aber wir bringen wieder eine schlagkräftige Truppe auf den Rasen. Natürlich laufen viele Verträge aus, aber der ein oder andere wird verlängern und wir haben die Möglichkeit, uns punktuell gezielt zu verstärken."

...die Achse Dähne, Reinthaler, Maier, Volland, Haugen:"Diese Achse schaut schon gut aus, wir haben alle noch Vertrag. Dazu kommen viele talentierte junge Spieler und man kann sich vielleicht gezielt verstärken.

Neuer Anlauf unter Trainer Markus Kauczinski (r.). Thomas Dähne soll dabei ebenso wie Sigurd Haugen (l.) ein wichtiger Bestandteil der Achse in der Löwen-Elf sein.
Neuer Anlauf unter Trainer Markus Kauczinski (r.). Thomas Dähne soll dabei ebenso wie Sigurd Haugen (l.) ein wichtiger Bestandteil der Achse in der Löwen-Elf sein. © sampics

... eine mögliche Signalwirkung seiner Unterschrift: "Fußball ist ein extrem schnelllebiges Geschäft. Wir wollten das bewusst kommunizieren, dass noch vor dem Regensburg-Spiel die Katze aus dem Sack ist. Was es für andere Spieler bedeutet, kann ich nicht sagen. Natürlich würde es mich freuen, wenn der ein oder andere Spieler wie Siggi (Sigurd Haugen, d. Red.) bleibt, wie er auch nach dem Spiel gesagt hat."

... das Dauerziel Aufstieg der Löwen:"Wenn du bei Sechzig spielst, ist es der falsche Weg, wenn du sagst, dass du irgendwo im unteren Mittelfeld mitspielen willst. Es kommt automatisch jedes Jahr, dass du eine gewisse Euphorie entwickelst rund um den Verein. Im letzten Sommer war es so groß, wie schon lange nicht mehr und wir haben es leider nicht hingebracht, unsere Leistung über einen längeren Zeitraum zu bringen, so dass wir oben dranbleiben können. Leider mussten wir irgendwann abreißen lassen."

"Wir müssen nächste Saison mental stärker sein und dürfen da nicht wegbrechen"

... die Nachfolge von Marco Hiller:"Ich habe ja von Anfang an immer gesagt: Es ist nicht einfach, wenn du irgendwohin kommst, wo jemand seit Ewigkeiten im Verein war. Ich wollte mich von Anfang an nicht vergleichen, sondern meine Leistung bringen. Wir haben uns einmal in der Hinrunde in der VIP-Alm gesehen und Hallo gesagt, aber es gibt keinen Kontakt."

... die Beurteilung seiner Leistung:"Ich persönlich bin sehr zufrieden bisher. Das einzige Ding, das ich mir wirklich als Torwartfehler ankreiden muss, war das 0:3 in Cottbus, wo ich einfach den Ball nicht fange. Wahrscheinlich hätten wir noch drei Stunden spielen können und kein Tor geschossen. Mit zu viel 'was wäre wenn' macht sich aber selbst deppert, wir sitzen gemeinsam in einem Boot."

... den Knackpunkt im Aufstiegskampf und die Lehren daraus: "Als Mannschaft war für uns vielleicht das 1:2 in Duisburg der Nackenschlag. Wir hatten schon Siegesserien, aber das war schon ein Genickbruch. Danach gegen Mannheim musst du eigentlich auch unbedingt gewinnen. Ich gebe Kevin Volland recht: Wir waren mental nicht immer hundertprozentig auf der Höhe, diesen Druck auszuhalten. In Duisburg einen Punkt mitnehmen. Mannheim gewinnen. In Cottbus in der ersten Halbzeit anders auftreten. Wir müssen nächste Saison mental stärker sein und dürfen da nicht wegbrechen, sondern müssen sagen: jetzt erst recht! Wir haben einen starken Bestandskader, wir sind da jetzt durch dieses Jahr gemeinsam durchgegangen, müssen einen Killerinstinkt entwickeln – und dann greifen wir wieder an."

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