Wildmoser-Serie: Von Giesing zurück nach Hinterbrühl

„I woaß da gar nix“: Langer Abstieg, kurzer Abschied: Es begann die Zeit, in der für Wildmoser nichts mehr so einfach ging, wie er es gewohnt war. Wildmosers Ende bei den Löwen.
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MÜNCHEN - „I woaß da gar nix“: Langer Abstieg, kurzer Abschied: Es begann die Zeit, in der für Wildmoser nichts mehr so einfach ging, wie er es gewohnt war. Wildmosers Ende bei den Löwen.

Unüberwindbare Hindernisse gab es bald. Nur drei Tage nach dem 0:1 gegen Leeds, dem Aus für die Champions League im August 2000. Karl-Heinz Wildmoser war zum FC Ismaning gefahren, zum Pokalspiel gegen Borussia Dortmund. Doch weil er zu spät am Parkplatz war, ließ ihn eine gestrenge Ordnungskraft nicht mehr durch die Absperrung durch. Es begann die Zeit, in der für Wildmoser nichts mehr so einfach ging, wie er es gewohnt war.

Auch sportlich ging es abwärts. Im Oktober 2001, nach dem 1:5-Debakel im Derby, beendete er in drei Minuten neun Jahre Zusammenarbeit mit Trainer Lorant. „Werner, des funktioniert nimmer, des merkst doch auch“, sagte Wildmoser, dann ging er ins Löwenstüberl und bestellte sich zwei Fleischpflanzl.

Im Misserfolg war immer deutlicher zu sehen, dass 1860 einfach kein professionell geführtes Wirtschaftsunternehmen war, sondern einfach Giesinger Fußballverein, der autokratisch regiert wurde von Gnaden seiner Hinterbrühler Exzellenz. Und der Ärger ging weiter.

Im Mai 2003 stand er vor Gericht, Steuerhinterziehung, Wildmoser musste 27000 Euro Strafe zahlen, auch wenn er seine Unschuld beteuerte: „I woaß da gar nix.“ Und das sagte er auch zehn Monate später, beim Schmiergeld-Skandal um die Allianz-Arena.

Der alte Wildmoser saß drei Tage in U-Haft, der junge bekam viereinhalb Jahre aufgebrummt. Kaum aus Stadelheim entlassen, trat Wildmoser bei 1860 zurück, mit Schimpf und Schande jagten ihn die Fans von der Geschäftsstelle davon.

Wildmoser zog sich zurück, meist saß er in seiner Wirtschaft in Hinterbrühl und verfolgte den weiteren Absturz der Löwen. Mit seinem Sohn sprach er kein Wort mehr, dafür aber umso mehr mit Menschen, die zu ihm kamen und sagten, dass es doch keinen besseren Präsidenten für den Löwen gegeben habe als ihn.

Und das dachte er selbst auch, bis zum Schluss.

Florian Kinast

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