"Wieder eine in die Fresse": Dähne und Mang toben nach letzter 1860-Watschn

"Berlin, Berlin, wir pfeifen auf Berlin!" Diese Worte skandierte ein kleines Grüppchen an Löwenfans, die sich an diesem Tag des Pokalfinales nach ihrer Anreise mit dem ICE nach Würzburg absolut einig waren: Das "echte" Endspiel steigt am Dallenberg!
Ein paar Stunden später stellte sich heraus: Es ist ein Segen, dass die Anhänger der Blauen schon so leidgeprüft sind, sonst könnte man an einem solchen Tag glatt durchdrehen ...
Dähne hadert: "Wir haben bis zur 90. Minute die Hand am Pokal"
Dabei hätte die Mission des TSV 1860, sich zumindest ein bisserl versöhnlich aus der vermurksten Saison 2025/26 zu verabschieden, kaum besser anfangen können: In Würzburg, in der Akon Arena am Dallenberg, ging eine junge Sechzger-Elf im Totopokal-Finale bei den Würzburger Kickers nach einer in allen Mannschaftsteilen ordentlichen und teils sogar guten Leistung mit 1:0 in Führung. Ein Job, den – natürlich – Sechzigs Lebensversicherung Sigurd Haugen übernahm (38.).
Und das, obwohl die Saisonverläufe der Kickers und der Sechzger gegensätzlicher kaum sein können und so manchem Fan angesichts elf verletzter Löwen sogar eine weiß-blaue Abreibung schwante: Der Regionalligist, der die Aufstiegsrelegation gegen Lok Leipzig spielen und davon träumen darf, was 1860 verpasste. Und der TSV, dessen Aufstiegsziel mit Rang acht in der Dritten Liga bekanntlich gnadenlos gescheitert ist.

"Wir haben bis zur 90. Minute die Hand am Pokal", sagte Torhüter Thomas Dähne nun über das boarische Titelchen – "und dann kriegen wir wieder eine in die Fresse." Eine letzte Watschn.
"Es ist eine Mischung aus maßlos enttäuscht und einfach stinksauer"
Dieser Spannungsbogen des letzten Auftritts der Blauen vor der Sommerpause hätte kaum dramatischer sein können: gekämpft, geführt, gehofft, gezittert – und am Ende doch gedemütigt. "Es ist eine Mischung aus maßlos enttäuscht und einfach stinksauer", sagte Dähne und gab Einblick in das Gefühlsleben eines Mannes, der selbst zumeist starke Leistungen brachte, ihm die Bälle aber dennoch um die Ohren flogen.
Diesmal sollte Dähne diesen fiesen Fluch der Ex-Löwen gleich doppelt zu spüren bekommen, der den TSV in Person vieler ehemaliger Spieler immer wieder heimsucht: Erst war es Ex-Löwe Tarsis Bonga, der in der 90. Minute den letztlich verdienten Ausgleich erzwang und Würzburg dadurch mit vollem Karacho ins direkt folgende Elfmeterschießen beförderte. Dort war es Ex-Löwe Johann Hipper, der den Strafstoß von Torjäger Patrick Hobsch hielt. Weil Kilian Jakob im Gegensatz zu den vier Würzburger Schützen um Bonga nicht einmal das Tor traf, heißt der Totopokal-Sieger 2026 Würzburger Kickers.
Sinnbildliche Szene zwischen Mang, Paula, Dähne und Althaus
"Vielleicht ist diese Pleite sinnbildlich für die Saison, zumindest für das letzte Drittel, in dem wir den Anschluss auf die Aufstiegsränge verpasst haben und nicht mehr in die Energie gekommen sind", meinte Coach Markus Kauczinski auf AZ-Nachfrage. Aufstiegstraum geplatzt, Pokal futsch – 1860 muss Würzburg noch dankbar sein, dass die DFB-Pokalteilnahme schon vorher feststand.

Ein rundum gebrauchter Nachmittag für 1860, an dem auch manch leidgeprüfter Löwe an seine Grenzen der Contenance geriet, wie das wilde Gestikulieren von Präsident Mang im Gespräch mit Dähne, Youngster Samuel Althaus und 1860-Boss Manfred Paula auf dem Rasen zeigte.
Besonders bitter könnte dieses Saisonende für Vize-Kapitän Jacobsen sein, der ausgewechselt werden musste und jetzt eventuell schwerer verletzt auf Vereinssuche gehen muss.

Löwen-Ärger als Schlusspunkt eines verkorksten Löwen-Tages
Den Auftritt als Sparringspartner Würzburgs, das dank Sechzig Stimmung und Rhythmus für die Relegation hochhalten konnte, rundete ein Zwist mit den Kickers ab, die eine (freiwillige) Pressekonferenz abhalten wollten. Sechzig verweigerte entnervt, um sich (endlich!) in den Urlaub zu verabschieden. Kauczinskis letztes Fazit sagte alles: "Es ist jetzt vorbei und es ist gut, dass es vorbei ist."
Weil am Abend auch noch der FC Bayern im "großen" Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart siegte (3:0), ließ ein mitgereister Fan seinem Ärger bei der Rückfahrt im Zug freien Lauf: "Wir verlieren und die Roten gewinnen in Berlin? So ein Scheiß-Tag!"