Wettberg: "Eine eigene Arena gehört zur Seele der Löwen"

Karsten Wettberg, der König von Giesing, spricht in der AZ über ein neues Stadion, falsche Außendarstellung und rechnet mit Poschner ab.
| Patrick Mayer
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Karsten Wettberg im Interview: Der "König von Giesing" rechnet vor allem mit Gerhard Poschner ab.
sampis/Augenklick, dpa Karsten Wettberg im Interview: Der "König von Giesing" rechnet vor allem mit Gerhard Poschner ab.

München - Der jetzt 75-jährige "König von Giesing" trainierte den TSV 1860 von 1990 – ‘92 und führte die Löwen in die 2. Liga. Die AZ hat ihn zum Interview getroffen.

AZ: Herr Wettberg, Sie sind Mitglied der Freunde des Sechzgerstadions. Die Ultras forderten nun per Flugblatt ein neues Stadion. Wie sehen Sie das?
Karsten Wettberg: Die klare Mehrheit der Fans ist dafür. Zurückgeschaut: Karl-Heinz Wildmoser hat seinerzeit ernsthaft gedacht, 1860 wäre ein gleichberechtigter Partner in der Arena. Innerhalb kürzester Zeit hat sich der Verein Schulden auferlegt, die nicht zu tilgen waren. Und dann gab es keinen Plan für die 2. Liga.

Heißt?
Ich habe Wildmoser einmal gefragt, warum er keinen Plan für die 2. Liga hatte. Er sagte: Weil Sechzig mit mir nicht abgestiegen wäre. Ich habe dagegengehalten, dass er den Peter Pacult hätte nicht ersetzen dürfen durch: Ich will seinen Namen gar nicht nennen. . .

Falko Götz?
Richtig, ein Blender. Und es waren Spieler da, die Erstligaverträge hatten. Plötzlich waren da die Schulden.

Jetzt hat Sechzig mit Hasan Ismaik einen Investor.
Es gibt nach wie vor Bestrebungen im Umfeld, nochmal in der Regionalliga anzufangen. Aber ich bin ein Gegner der Insolvenz. Sechzig würde abstürzen. Heute scheitern viele Traditionsvereine, Rot-Weiß Essen, Alemannia Aachen, wie sie alle heißen, daran, überhaupt aus der Regionalliga in die 3. Liga zu kommen. Dieser Weg ist nicht richtig.

Und welcher Weg ist richtig?
Dass jetzt in die Mannschaft investiert wird. Doch da müsste einfach mehr rauskommen. Die schlimmste Zeit war die unter Gerhard Poschner. Damals wurden wir zur Lachnummer.

Die vergangenen Monate ging es auch drunter und drüber.
Man muss aber auch sehen, was Ismaik investiert hat. Ich habe Verständnis dafür, dass er sich hinters Licht geführt fühlt. Vieles liegt an der Mentalität. Woanders kann man Medien ausschließen. Aber hier nicht. Er dürfte einsehen, dass das für die Außendarstellung ein krasser Fehler war. Aber: Es gibt keinen anderen Weg, als nächstes Jahr anzugreifen. Davor steht der Klassenerhalt. Ein Abstieg wäre kein Betriebsunfall, sondern eine Katastrophe.

Jüngste Pläne sahen vor, in Riem ein Stadion zu bauen.
Ich hätte das ehemalige Radstadion privilegiert. Das hat jetzt Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz. Der Olympiagesellschaft, hundertprozentige Tochter der Stadt, wäre ja am liebsten, würde Sechzig ins Olympiastadion gehen.

Meinen Sie?
Es gab immer wieder Annäherungsversuche. Aber da könnte 1860 gleich in der Arena bleiben. Ein eigenes Stadion gehört zur Seele der Löwen. Das hat Ismaik erkannt. Die Frage ist, inwieweit OB Dieter Reiter Ismaik helfen will. Kommt die Stadt Sechzig nicht entgegen, baut Ismaik außerhalb Münchens.

Den Fans wäre das kaum zu vermitteln, oder?
Das kann sich die Stadt München politisch und moralisch gar nicht leisten. So oder so: Nächstes Jahr müssten konkrete Pläne vorliegen. 2025 endet der Mietvertrag mit dem FC Bayern. Für ein neues Stadion muss man mindestens fünf Jahre Bauzeit rechnen.

Ab 2018 will Trainer Vitor Pereira Bundesliga spielen.
Von seiner Vita her steht er über jeder Kritik. Aber: Mir fehlt eine Hierarchie. Es gibt nach wie vor Spieler, die nicht erfüllen, was man sich erhofft.

Stefan Aigner?
Nein, ihn nehme ich heraus. Er ist über jede Kritik erhaben, war der Königstransfer. Dass es für ihn schwierig ist, als Ur-Sechzger und Ur-Münchner in dieser Mannschaft Kapitän zu sein, ist mir verständlich.

Welchen Eindruck haben Sie von den Neuen?
Victor Andrade ist erstligareif, leider fällt er aus. Warum er die ersten sieben Spiele nicht gespielt hat, weiß nur Kosta Runjaic. Nehmen wir Ribamar. Was er bisher gezeigt hat, macht mich sehr skeptisch. Jedes Team in der 2. Liga, das aufsteigen will, braucht einen Stürmer, der 15 bis 20 Tore garantiert.

Christian Gytkjaer.
Im ersten Spiel war er sehr gut. Aber er ist ein reiner Strafraumspieler, ihm fehlen die Anspiele.

Ein Ex-Löwe knippst jetzt für den HSV.
Ich sag’s ja: Dass Poschner zuließ, Bobby Wood in die Regionalliga zu schicken und für 800 000 Euro zu verkaufen. Der ist jetzt 12 Millionen wert. Julian Weigl wurde für 2,1 Millionen Euro verkauft. Wenn mich der Thomas Tuchel anruft und sagt: Ich will den Weigl…

…sagen Sie?
Fünf Millionen Basis und wird er Nationalspieler, nochmal eine Million Euro und wenn ihr ihn weiterverkauft, wollen wir zehn Prozent. Sowas kann man Ismaik nicht vorwerfen. Er geht trotzdem nicht aus seinem Investment raus.

Sie sind gut informiert.
Er hat mir gesagt: Glauben Sie, ich hätte das Geld nicht?

Lesen Sie hier: Testspiel der Löwen: Von Alternativen und Bürgschaften

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