"War nicht immer leicht zu handeln": Kauczinski-Kritik ist ein Gruß an Ex-1860-Boss Werner
Quo vadis, 1860? Die Saison 2025/26 ist bekanntlich mit dem einmal mehr zerplatzten Aufstiegstraum zu Ende gegangen: Der anfangs hochgelobte Kader um die Rückkehrer Kevin Volland und Florian Niederlechner, von nahezu allen Drittliga-Trainern zum Aufstiegsfavoriten erklärt, hat nicht wie erwünscht geliefert.
Während Sechzig in der folgenden Spielzeit 2026/27 zwangsläufig die Scherben zusammenkehren und einen anderen Weg gehen muss, macht sich beim Löwen-Dompteur nicht mehr ganz so leise Kritik am Kader breit – aber auch die Überzeugung, dass jedem Junglöwen-Anfang trotz Sparzwängen und vorhandener Hemmschuhe auch ein kleiner, neuer Zauber innewohnen könnte.
TSV 1860: Kauczinski übt Kritik an Ex-Boss Werners Kaderzusammenstellung
"Wir haben im Schnitt meistens die älteste Mannschaft auf dem Platz gehabt und das hat man dann auch gemerkt, sowohl von der Intensität, aber auch von der Kaderzusammenstellung her war eine Gewichtung drin, die nicht immer leicht zu handeln war", erklärte Markus Kauczinski, Cheftrainer des TSV 1860, der AZ im großen Saisonbilanz-Gipfel mit schönen Grüßen an Ex-Sport-Boss Christian Werner über die hochdekorierten und höherklassig erfahrenen, aber auch höherbetagten Profis um Volland (33) und Niederlechner (35).
Das Oldie-Duo musste sich seinen Platz in Sechzigs Offensive zudem mit zahlreichen anderen Torjägern wie dem einzig überragenden Sigurd Haugen (28) oder den Reservisten Patrick Hobsch (32) oder Justin Steinkötter (26) teilen: "Das waren unglückliche Zahlenverhältnisse und Konstellationen." Wobei, die Betonung gar nicht in der Vergangenheit liegt, denn: Während den Sechzgern in anderen Mannschaftsteilen schlagkräftiges Personal fehlt und gerade schnelle offensive Außen gefragt sind, wird es vorne kuschlig bleiben: Alle Angreifer haben (noch) bestehende Verträge.

1860-Kader muss jünger werden – und wird es zwangsweise
Ein Problem, dem Kauczinski und Geschäftsführer Manfred Paula aus der Not heraus leichter Abhilfe schaffen können, ist die Altersstruktur: Ein Blick auf die Drittliga-Statistiken zeigt, dass der TSV an 17 von 38 Spieltagen mit einem Durchschnitt zwischen 28,4 und 28,9 Jahren das älteste Team gestellt hat. Allein aufgrund des akuten Sparzwangs, dass der TSV den Etat von 6,3 Millionen Euro nach AZ-Informationen auf maximal 4,5 Millionen senken muss und parallel durch seine Junglöwenförderung mehr Einnahmen aus dem Nachwuchsfördertopf zu generieren gedenkt, dürfte ein derartiger Schnitt der Vergangenheit angehören. Acht weitgehend ältere Profis um Ex-Kapitän Jesper Verlaat sind nicht zuletzt aus Kostengründen bereits Geschichte.
Nach AZ-Infos habe Sport-Boss Manfred Paula Kauczinski schon bei seinem Amtsantritt darüber informiert, dass man den Gürtel wohl enger schnallen müsse. "Wenn dem so ist, müssen wir damit umgehen", umschreibt Kauczinski, nun. Die Oldies Volland und Niederlechner bleiben bekanntlich und sollen die Sechzger jetzt erst recht (stärker und fitter) anführen.
Volland-Niederlechner-Hype? "Ich habe das im Sommer schon anders gesehen"
Spannend in diesem Zusammenhang: Kauczinski äußerte auch sein Unverständnis darüber, dass Sechzigs Bosse den Volland-Niederlechner-Hype um zwei (vermeintliche) Heilsbringer nicht etwas gebremst haben: "Von außen betrachtet, habe ich das im Sommer schon anders gesehen. Kevin kam aus einer längeren Verletzungspause und dass die beiden nicht gleich alles auf den Kopf stellen können, war mir bewusst."

Ob nun Sechzigs verstärkter Youngster-Plan jenen Erfolg bringt, den die altgedienten Hochkaräter nicht hinbekommen haben? Neben Sean Dulic (20), Lasse Faßmann (19), Damjan Dordan (23) und Samuel Althaus (20) durfte sich zuletzt auch Xaver Kiefersauer (20) zeigen. Kauczinski mahnt zur Geduld: "Wir haben schon viele junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs integriert, die ihre ersten Gehversuche gemacht haben. Man hat aber auch jetzt gegen Verl gesehen, das allein ist noch nicht die Lösung, denn die Jungs müssen noch lernen, sie müssen ihren Rhythmus kriegen." Fazit: Die Jugend muss gewisse Entwicklungsschritte durchlaufen.
Kauczinskis KSC-Erinnerung als gutes Omen für den TSV 1860
Der TSV-Trainer begreift es trotz manch alter Vertrags-Fessel und Schrumpf-Etat auch als Chance. "Ich brauche keinen Urlaub, ich habe Bock auf die nächste Saison!", stellte Kauczinski klar. Ob sich Sechzig die erhofften, schlagkräftigen Neuzugänge wie etwa die Ex-Löwen Dennis Dressel (27) oder Julian Guttau (26) leisten kann? Nach AZ-Infos sind sich das Duo und 1860 bereits einig, die Deals aber aus bisher unbekannten Gründen – und eventuell finanziellen Zwängen – noch nicht verkündet worden.
Kauczinski scherzt über die finanziellen Fesseln: "Ich hatte auch damals beim KSC kein Füllhorn in der Ecke stehen." Mit Humor ertragen sich gewisse Hindernisse bekanntlich leichter.

