Wahltag bei den Löwen: Gibt es nur Verlierer?

Am Donerstag ist die Delegiertenversammlung beim TSV 1860 München. Wichtigste Frage: Kommt Hep Monatzeder als Präsident durch – oder nicht? Es droht das totale Chaos. Was Sie wissen müssen, wer welche Rolle spielt...
| Filippo Cataldo
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Das Verhältnis zwischen Insvestor Hasan Ismaik (r.) und Hep Monatzeder ist vergiftet.
Rauchensteiner Das Verhältnis zwischen Insvestor Hasan Ismaik (r.) und Hep Monatzeder ist vergiftet.

Am Donnerstag ist die Delegiertenversammlung beim TSV 1860 München. Wichtigste Frage: Kommt Hep Monatzeder als Präsident durch – oder nicht? Es droht das totale Chaos. Was Sie wissen müssen, wer welche Rolle spielt...

München - Sie können einem nur leid tun. Monatelang haben Herbert Bergmaier und Roman Beer, die Vorsitzenden der Fan-Vereinigung Pro 1860 gemeinsam mit vielen anderen die neue Löwen-Satzung ausgearbeitet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 1860 bekommt am Donnerstag, sollten mindestens zwei Drittel der Delegierten zustimmen, eine wirklich gute, wirklich demokratische Satzung, mit der wohl alle Fanlager leben können.

Doch über die neue Satzung, mit der die Löwen zum ersten Mal seit 1974 wieder zum Mitgliedersystem zurückkehren wollen, spricht im Vorfeld der Außerordentlichen Delegiertenversammlung am Donnerstag im Heide-Volm niemand. Obwohl die Versammlung ursprünglich nur zur Verabschiedung der Satzung einberufen wurde – und die große Versöhnung der Löwen-Basis einleiten sollte. Doch die Löwen zerfleischen sich stattdessen mal wieder selbst.

Der Streit zwischen Vereins-Funktionären und Investor Hasan Ismaik überstrahlt alles. Auf der einen Seite kämpft Neu-Präsident Hep Monatzeder um seine Bestätigung. Auf der anderen möchte Ismaik genau das verhindern. Dass der Streit zwischen Verein und Investor nicht mehr zu kitten ist, scheint klar. Dass in Erich Meidert sich am Wochenende noch ein weiterer Präsidentschafts-Kandidat selbst ernannt hat, vergiftet die Atmosphäre zudem noch ein wenig mehr. Und dann kämpfen auch noch Geschäftsführer Robert Schäfer und Aufsichtsratschef Otto Steiner einen fast schon verzweifelten Kampf um ihre Posten und die Gunst der Fans.

Und das, obwohl es um sie bei der Delegiertenversammlung natürlich als allerletztes gehen sollte. Richtig gewinnen kann bei diesem Wahltag aber wohl keiner der Beteiligten. Am Ende droht diese wohl allerletzte Delegiertenversammlung den Verein endgültig ins Chaos zu stürzen und ihn führungslos zurückzulassen.


Der Elefant im Porzellanladen

Investor Hasan Ismaik:
Es mag sogar sein, nein, wahrscheinlich ist es sicher so, dass der Investor mit vielem, was er der Vereinsführung vorwirft, recht hat. Dass etwa die selben Leute, die den Klub beinahe in die Insolvenz führten, heute noch immer in den Gremien sitzen, ist Fakt. Genauso dass die sportliche Entwicklung, nun ja, allenfalls in homöopathischen Dosen voranläuft. Befremdlich ist jedoch das Auftreten des Jordaniers, der 27,7 Millionen Euro in ein Spielzeug gesteckt hat, das ihm keinen Spaß bringen will.

Seit Monaten benimmt er sich wie ein Elefant im Porzellanladen. Ismaik ist mittlerweile mit allen Funktionsträgern bei 1860 überkreuz. Die Kündigung seiner Darlehen wirkte, abgesehen von der zweifelhaften Rechtmäßigkeit, recht hilflos. Am meisten schaden würde Ismaik damit schließlich am Ende: Nur sich selbst.


Selbsternannter Araber-Versteher

Präsident Hep Monatzeder:
Münchens dritter Bürgermeister war mit dem Ziel angetreten, die Kommunikation zu Ismaik zu verbessern. Das Ergebnis ist bekannt: Innerhalb weniger Tage verspielte Monatzeder beim Investor alle Sympathien. Sein 13-Millionen-Euro-Ultimatum mag fachlich richtig gewesen sein, doch er, der selbsternannte Araber-Versteher, hätte wissen müssen, dass Ismaik dies nur als größtmögliche Provokation verstehen konnte.

Unbeschädigt kann der Politiker, der zudem ausgerechnet in der letzten Woche auf Dienstreise in Afrika war, gar nicht aus der Delegiertenversammlung herauskommen. Fällt er durch, muss er zurücktreten. So hat er es vor seiner Amtsübernahme angekündigt. Sollte er bestätigt werden, wird Ismaik wohl die nächste Eskalationsstufe zünden. Sein Ruf leidet so oder so.


Putschist mit komischem Timing

Erich Meidert, selbsternannter Kandidat:
Es ist ja erlaubt, unzufrieden zu sein mit der derzeitigen Vereinsführung. Es selbst besser machen zu wollen, ist ehrenwert. Doch die Art und Weise, wie der Unternehmer seit einigen Tagen versucht, Präsident zu werden, ist zumindest fragwürdig. Seinen Hut kurz vor der Außerordentlichen Delegiertenversammlung in den Ring zu werfen und die ohnehin schon vergiftete Athmosphäre weiter zu verschlechtern, war recht stillos. Wenn er wirklich den Verein beruhigen möchte, hätte er auch bis zur anstehenden Mitgliederversammlung im Juni warten können.

Meidert hofft darauf, dass Monatzeder gar nicht erst antritt – und dem Aufsichtsrat quasi gar nichts anderes übrig bleibt, als ihn zu nominieren. Doch der Aufsichtsrat hat gar kein Interesse daran: „Wir glauben nicht, dass er den Verein weiterbringt“, sagt Otto Steiner.


Schäfers Überlebenstrieb

Geschäftsführer Robert Schäfer:
Man muss dem Geschäftsführer zu Gute halten, dass er krisenfest ist und sich schon weit länger in seinem Amt gehalten hat als viele seiner Vorgänger. Seit mehr als zwei Jahren ist der 37-jährige frühere Vermarkter bereits Geschäftsführer. Ruhig war es in dieser Zeit nie, Kritik an Schäfer, auch heftige, gab es immer, doch der studierte Jurist fand seine Unterstützer: Erst boxten ihn Hasan Ismaik und sein damaliger Berater Hamada Iraki raus, als Schneider und Steiner ihn loswerden wollten. Nun, da Schäfer beim Investor in Ungnade gefallen ist, wird er von den Vereinsoberen gestützt.

Trotzdem kann sich Schäfer seines Jobs nicht wirklich sicher sein. Es wäre nicht das erste Mal, dass der Vereins-Aufsichtsrat allen Treuebekundungen zum Trotz einer Führungskraft das Vertrauen entzieht, wenn es hart auf hart kommt. Frag nach bei Dieter Schneider. Und obwohl Schäfer betont, für alle Eventualitäten gerüstest zu sein, kann ein endgültiges Scheitern der Partnerschaft mit Ismaik weder in seinem, noch im Sinne der Gesellschaft sein.


Sie leiden am meisten

Die Fans:
Für Löwen-Fans war die Welt zwar bis vor zwei Jahren nicht unbedingt immer schön, aber immerhin schön einfach. Schmierentheater war immer, aber immerhin konnte man sich aussuchen, auf welcher Seite man stand. Entweder man war für Wildmoser oder gegen ihn, für den Umzug in die Allianz Arena oder die Rückkehr nach Giesing, Mitglied bei Pro 1860 oder der Arge, für Wettberg oder Steiner, für den Weg in die Insolvenz oder den Anteils-Verkauf an einen Investor.

Doch Schwarz-Weiß ist beim Löwen nichts mehr. So verworren, vertrackt und undurchschaubar war die Situation wohl noch nie: Wer hat recht, wer unrecht, wer ist der Böse im ganzen Spiel? Und wenn es einen Bösen gibt, wieso ist nirgendwo ein Guter zu sehen? Dazu kommt: Wie die Delegierten entscheiden am Donnerstag: Den Führungszoff beenden können sie ohnehin nicht.


Der wenig geliebte Funktionär

Aufsichtsratschef Otto Steiner:
Insgeheim wird der TV-Produzent ganz froh sein, dass sein Arbeitgeber ihm Anfang des Jahres dringend abgeraten hat, seine eigenen Präsidentschaftsambitionen bei 1860 weiter zu verfolgen. Aber auch so steht der Aufsichtsratschef genug unter Beschuss. Steiner war eine treibende Kraft bei der Ablösung Schneiders, Monatzeder zu installieren, war seine Idee. Nicht wenige Delegierten erwarten von ihm, die Verantwortung für die vertrackte Lage zu übernehmen – zumal Steiner auch schon vor der Beinahe-Insolvenz in den Gremien vertreten war.

Momentan ist Steiner beim Anhang wohl einer der unpopuläreren Funktionäre, sogar Ismaik, der ihn noch im Januar explizit lobte, hat ihn fallen lassen und fordert ungeniert dessen Ablösung. Eine traurige Entwicklung für einen Mann, für den das Präsidentenamt bei 1860 ein Kindheitstraum zu sein scheint.

 

 

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