Volland spricht Klartext über 1860-Probleme: "Das müssen wir uns ankreiden"

Wieso reicht es nicht für oben? Weshalb hinken die Löwen ihren Aufstiegs-Ansprüchen hinterher? Warum ist den Blauen im Drittliga-Endspurt schon jetzt die Puste ausgegangen?
Kevin Volland, im Sommer noch umjubelter Rückkehrer zum TSV 1860 und immerhin 15-maliger Nationalspieler, hat eine klare Meinung, wenn es um die zerplatzten Zweitliga-Rückkehrträume geht. "Ich glaube, woran es liegt, ist, dass wir in den Spielen in der Crunchtime, in denen wir oben dranbleiben können, einfach nicht da sind", kritisierte der 33 Jahre alte Spielmacher der Sechzger nach dem 2:2 gegen den SSV Jahn Regensburg im Bayerischen Rundfunk: "Das müssen wir uns ankreiden. Da muss man so ehrlich sein. Dann hat es vielleicht etwas mit Druck zu tun, dem wir dann nicht standhalten können."
1860 lief der Musik schon früh hinterher
1860 ist in der achten Drittliga-Saison am Stück mit seinem hochkarätig besetzten Kader um Volland bekanntlich als Aufstiegsfavorit ins Rennen gegangen und der Musik bereits einige Wochen nach Saisonbeginn konstant hinterhergelaufen. Jene Spiele, zu denen Vollands Aussagen wie die Faust aufs Auge passen und die damit deutlich besser sind als das Regensburg-Remis, vor dem 1860 seine Hoffnungen bereits begraben hatte, sind die drei Spitzenspiele gegen die direkte Konkurrenz in den Wochen davor. Dabei konnte 1860 weder zu Hause gegen den SV Wehen Wiesbaden (0:0), noch beim MSV Duisburg (1:2) und Energie Cottbus (3:0) die eigenen Ambitionen mit einem Ausrufezeichen versehen.
Was Volland dabei gefehlt hatte, war schlicht und ergreifend "die Mentalität in manchen Situationen in solchen Entscheidungsspielen". Mit anderen Worten: den unbedingten Willen, im eigenen Hexenkessel auf Giesings Höhen Verfolger Wehen Wiesbaden abzuschütteln und ganz oben anzugreifen. Oder: In den Duellen bei den Spitzenklubs Duisburg und Cottbus unter erschwerten Auswärts-Bedingungen nach den Sternen zu greifen. Dazu sei erwähnt, dass 1860 gegen den SVWW und bei den Zebras zumindest ordentliche und enge Spiele abgeliefert hatte – nicht mehr, nicht weniger. In der Lausitz glich der Auftritt dagegen einem Offenbarungseid.
Wenn der Druck weg ist, liefern die Löwen
Spannend: Bezeichnend sei für den gebürtigen Allgäuer sogar eine Trendwende zum Positiven gewesen: "Als der Druck weg war, haben wir eine Serie gestartet." Was der einstige Bundesligaspieler meinte: Bereits nach einer 1:2-Pleite beim VfB Stuttgart II am 23. Spieltag Anfang Februar hatte Cheftrainer-Fuchs Markus Kauczinski seine Sechzger rekordverdächtig (vermeintlich) aus dem Aufstiegsrennen verabschiedet und erklärt, dass sich aus solchen Leistungen keine derartigen Träume ableiten ließen. Prompt haben sich die Giesinger, mit Wut im Bauch und dem Rücken zur Wand, nochmal zurückgekämpft. "Das sind Sachen, aus denen wir lernen und im Kopf etwas ändern müssen", stellte Volland klar, schließlich lassen sich solche Psychotricks nur vereinzelt und nicht alle drei Spieltage aus dem Hut zaubern.
Wäre es nach Geschäftsführer Manfred Paula gegangen, der zu Saisonbeginn noch gar nicht im Amt war, hätte man das A-Wort spärlicher in den Mund genommen: "Ich glaube, wir waren nicht so gut beraten, das Etikett 'Aufstiegskader' auf diesen Kader zu kleben", meinte der 61-Jährige und erklärte über die Entwicklung des Teams unter diesem enormen Leistungsdruck: "Die Mannschaft musste sich erst finden. Dann haben wir festgestellt, dass wir doch noch Bereiche haben, wo wir defizitär sind und uns entwickeln müssen." Etwa die Faktoren Geschwindigkeit und Power über die Außen, wie Paula im Gespräch mit der AZ einmal erklärt hatte.

Nun gilt es, sich zu schütteln und weiterzumachen. "Realistischerweise muss man sagen, dass uns das Thema 2. Liga nicht mehr betreffen wird" so Paula: "Von daher haben wir jetzt Planungsklarheit, dass wir für die 3. Liga wieder einen schlagkräftigen Kader zusammenstellen wollen."
Und zwar einen, den Kauczinski und Paula formen, dem kein Aufstiegs-Label anheftet – und den Volland von Anfang an auf die Crunchtime einschwört.