Vertrags-Poker bei 1860: Leistungsträger bleiben im Aufstiegsfall

Die Löwen kennen diese Zwickmühle nur zu gut, viele andere Profivereine haben dieselben Fragezeichen in den Köpfen und in dieser engen, umkämpften und verrückten Dritten Liga, in der fast die halbe Liga im Aufstiegsrennen mitmischt, potenziert sich dieses Problem nochmal: Wie zur Hölle soll man denn da die nächste Saison planen?
Gerade, wenn die Spielzeit auf die Zielgerade einbiegt, grüßte den TSV 1860 in den vergangenen Jahren – im dramatischen Aufstiegs- und teils im nervenaufreibenden Abstiegskampf – stets ein fieses Kaderplanungs-Murmeltier: Wie soll man sich als Spieler, die bekanntlich Menschen und keine Maschinen sind, voll auf den Sport fokussieren und die letzten Prozente herauskitzeln? Wie als Verein professionell planen, wenn angesichts der Vielzahl an auslaufenden Verträgen (immerhin 15 bei 1860) die Zukunft der Spieler ungewiss ist?
Zwischen Warten und Weichenstellung
"Natürlich hat man auch immer schon ein Auge in der Zukunft und ich bespreche mich mit Geschäftsführer Manfred Paula und Chefscout Jürgen Jung", erklärte Cheftrainer Markus Kauczinski auf Nachfrage über die Kaderplanungen, ergänzte aber: "Genauso weiß man aber auch, dass jetzt ein Moment da ist, in dem man warten muss und auch die Jungs warten müssen, weil wir nicht einfach Nägel mit Köpfen machen können, sondern natürlich auch erst mal gucken müssen, wo die Reise hingeht." Was das betrifft, hat 1860 für die Spielzeit 2026/27 aber einige Joker im Ärmel.
Aufstieg als Vertrags-Turbo
Nach exklusiven AZ-Informationen verlängern sich die eigentlich am 30. Juni 2026 auslaufenden Verträge von mindestens drei Leistungsträgern um ein weiteres Jahr – wenn, ja wenn die Giesinger den Aufstieg in die Zweite Liga schaffen. Bei zwei Führungsspielern in der Defensive und einem Offensiv-Kicker der Blauen sind entsprechende Vertragsklauseln eingebaut, die eine weitere Zusammenarbeit ermöglichen würde. Die Options-Löwen.
Versteckte Sicherheit im Kader
Dazu kommt, dass beim zuverlässigen Abräumer Philipp Maier sowie den Torjägern Patrick Hobsch und Florian Niederlechner bereits an ihre Einsätze geknüpften Vertragsklauseln gegriffen haben, die ihre Kontrakte schon um eine weitere Spielzeit verlängert haben.

Auch Abwehrchef Max Reinthaler hat sein Arbeitspapier, wie kürzlich berichtet, schon im Sommer 2025 bis Sommer 2027 verlängert. Nach AZ-Infos sind auch bei den Junglöwen verschiedene Vertragsklauseln eingebaut: Zu Clemens Lippmann sowie den Torhütern Paul Bachmann und Miran Qela, deren Optionen öffentlich einsehbar sind, kommen weitere Nachwuchsspieler, die Sechzig auf diese Art an sich binden könnte.
Werners Erbe und Paulas Spagat
Spannend: All diese Vertragsklauseln, die im Profifußball üblich sind, aber zwischen Spieler, Berater und Verein individuell ausgehandelt werden müssen, gehen noch auf die Amtszeit von Christian Werner zurück. Wenn man so will, kann sich Sechzig nachträglich nochmal bei dem im September 2025 aus fragwürdigen Gründen rausgeworfenen Ex-Geschäftsführer bedanken, dass manch umworbener Spieler, der sonst wohl (früher) bei einem Liga-Rivalen oder gar einem höherklassigen Klub gelandet wäre, zu relativ günstigen Konditionen bleibt.
Und was plant Nachfolger Paula? "Wir planen aktuell zweigleisig und du kannst nicht alle Gespräche gleichzeitig führen, deshalb ist noch etwas Geduld gefragt", sagte der 61-Jährige der AZ kürzlich und hatte eine ligaunabhängige Löwen-Treue wahrgenommen. Fragt sich nur, ob Paula aktuell handeln kann, Stichwort klamme Kassen und ungeklärte Liga-Zugehörigkeit...