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Um Ismaik loszuwerden: 1860-Bosse arbeiteten schon vor Jahren an Insolvenzplänen

Nach exklusiven AZ-Informationen haben die Löwen 2019 daran gearbeitet, Investor Ismaik mittels einer Insolvenz loszuwerden – und kalte Füße bekommen. Der drohende Ruin begleitet 1860 schon länger.
von  Matthias Eicher
Januar 2018: Aufsichtsrat Cassalette, Präsident Reisinger und Verwaltungsrat Bay (v.l.) verlassen das 1860-Gelände.
Januar 2018: Aufsichtsrat Cassalette, Präsident Reisinger und Verwaltungsrat Bay (v.l.) verlassen das 1860-Gelände. © IMAGO/Ulrich Wagner

Das drohende Damoklesschwert der Insolvenz, es schwebte bereits viele Jahre über den Löwen, bevor der Deutsche Meister von 1966 am vergangenen Donnerstag erstmals die folgenschwere Pressemitteilung mit dem Titel "Löwen stellen Insolvenzantrag" versenden musste.

Es war nicht das erste Mal, dass sich die Sechzger mit ihrem Bankrott auseinandersetzen mussten und in einem ganz besonderen Fall sogar wollten. Die AZ zeigt die bittere, jüngere Vereinshistorie des TSV 1860 – und einen geheimen Insolvenzplan. . .

2006 - Der FC Bayern rettet 1860 vor der Insolvenz und profitiert enorm: Im Frühjahr 2006, noch bevor in Deutschland ein fußballerisches WM-Sommermärchen geschrieben wurde, stand der TSV 1860 vor der Insolvenz und musste zur Rettung seine hälftigen Anteile an der Allianz Arena für elf Millionen Euro an den FC Bayern verscherbeln.

2007 tritt 1860 auch noch das Rückkaufsrecht für die Anteile an den Rekordmeister für 1,3 Millionen ab. Für die Blauen eine Überlebensstrategie, welche die wirtschaftlichen Probleme lediglich nach hinten verschieben sollte - für die Roten ein Stadion-Schnäppchen.

2011 – Hasan Ismaik rettet 1860 vor der Insolvenz, das Missverständnis beginnt: Im Jahr 2011 stand den Löwen der Gang zum Amtsgericht schließlich erneut bevor, hätte nicht ein gewisser Hasan Ismaik für 18 Millionen Euro 60 Prozent an der KGaA (49 Prozent stimmberechtigt) gekauft.

1860 erwog auch 2017 bereits eine Insolvenz

2017 – 1860 stürzt in den Amateurfußball ab, die Fortführung gelingt: Nach jahrelangen Querelen zwischen den Vereinsoberen und Geldgeber Ismaik machte der Jordanier seine Geldschatulle nochmals richtig auf. Was eigentlich im umjubelten Aufstieg münden soll, endet tatsächlich im desaströsen Abstieg aus der Zweiten Liga. Was den Nicht-Erhalt der Drittliga-Lizenz angeht, tun sich Parallelen zur Gegenwart auf, weil Geldgeber Ismaik ein Trikotsponsoring auf dem Ärmel der Sechzger an Forderungen knüpft.

Präsident Peter Cassalette erzählt der AZ nach seinem Rücktritt von einem konspirativen Anti-Ismaik-Plan: "Der Verwaltungsrat Robert von Bennigsen hat mir damals in einer Krisensitzung gesagt: "Du musst nicht zurücktreten, aber wir gehen einen anderen Weg: Wir haben einen klaren Plan ohne Hasan – in sechs Monaten sind wir ihn los!"

Eingetreten ist dieser allerdings nicht, wie Vizepräsident Hans Sitzberger im AZ-Interview erklärt, da eine Insolvenz "brutale Risiken" berge. Trotz gegenseitiger Schuldzuweisungen gelingt die Rettung der KGaA. Seitdem ist Sechzig allerdings dazu verdonnert, jährlich von unabhängigen Wirtschaftsprüfern eine positive Fortführungsprognose zu erhalten.

Mit Insolvenz: Sechzig wollte Ismaik schon 2019 loswerden

2019 – Sechzigs geheimer Insolvenzplan, der nicht in die Tat umgesetzt wird: Nach exklusiven AZ-Informationen soll der Stammverein im November 2019 tatsächlich den Plan gefasst haben, Ismaik loszuwerden. Demnach soll bereits ein Treffen mit der Vereinsführung, einem interessierten Investor und einer spezialisierten Anwaltskanzlei stattgefunden haben. Der Deal soll damals allerdings geplatzt sein, weil Teile der Klubbosse kalte Füße bekommen haben.

Die AZ konfrontierte den damaligen Vereinspräsidenten Robert Reisinger damit, ob es entsprechende Überlegungen gegeben habe, Ismaik mittels einer Insolvenz loszuwerden. Reisinger wollte keine Stellungnahme dazu abgeben: "Ich genieße den Sonnenschein und das Leben ohne Löwen-Stress."

Dankte 2025 als Präsident ab: Robert Reisinger.
Dankte 2025 als Präsident ab: Robert Reisinger. © IMAGO

2026 – Ismaik kündigt Darlehensverträge, der e.V. den Kooperationsvertrag: Ein gravierender Unterschied zu 2017 oder 2019: Ismaik hat sich durch seine Darlehenskündigung angreifbar gemacht. Der vermeintliche Masterplan des e.V. gegen Ismaik dürfte also eher aus der Not heraus geboren sein, weil der TSV 1860 schlicht seit Jahrzehnten Geldnöte hat - und der jüngste Clinch eine Einigung mit dem eigenen, ungeliebten Geldgeber nicht mehr zugelassen hat.

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