"Über Pokalsieg noch nicht gesprochen": Trainer Kayabunar glaubt an Chance gegen Holstein Kiel

Rückblende: 19. August 2018, Giesing, DFB-Pokal. Der TSV 1860 empfängt Holstein Kiel in der ersten Runde. Kurz vor Anpfiff färbt sich die Westkurve blau. Ein Banner entfaltet sich: "Dreifachbelastung uns egal, die Störche fress ma allemal!" Darunter am Zaun die Animation eines Löwen, der sich einen Storch schnappt.
TSV 1860 glaubt an die Sensation gegen Kiel
Damals Spieler des Spiels: Nico Karger. Trotzdem reichte es für die Sensation nicht. Nach der frühen Führung für die Münchner stand am Ende ein 1:3 auf der Anzeigetafel des Grünwalder Stadions. Am Samstag (18 Uhr), acht Jahre und drei Tage später, heißt es erneut Löwe gegen Storch. Die Revanche auf dem Giesinger Berg.
Nur diesmal ist der Klassenunterschied um eine Liga größer, ein Erfolg wäre noch überraschender. Dennoch glaubt man beim TSV 1860 an die Chance gegen den Zweitligisten. "Es ist vieles möglich", betonte Cheftrainer Alper Kayabunar auf der Pressekonferenz am Freitagmittag: "Vor allem, weil wir die Fans im Rücken haben."

Sechzig geht als Außenseiter in die Partie
15.000 Zuschauer werden auf den Giesinger Berg pilgern und für eine elektrisierende Stimmung sorgen. Und sehen, wie sich der Löwe im Dschungel der Großen schlägt. Während man in der Regionalliga in der Regel als Favorit ins Spiel geht, ist das im Pokal anders.
Im Wettbewerb, in dem Teams wie der FC Bayern, Bayer Leverkusen oder eben Holstein Kiel mitmischen, ist Sechzig klarer Außenseiter. Ob Träumen vom großen Coup dennoch erlaubt ist? "Ich muss ehrlich sagen, dass wir über den Pokalsieg noch nicht gesprochen haben", witzelte Kayabunar und kündigte an: "Wir werden alles versuchen, eine Runde weiterzukommen."

Bell: "Wir werden alles reinwerfen"
Man sieht das Duell in Giesing als Bonusspiel. "Das sind schon besondere Partien, in denen wir nur gewinnen können", so Kapitän Dennis Dressel, der entsprechend von einer selbstbewussten Löwen-Mannschaft ausgeht: "Die letzten Spiele geben uns schon ein bisschen Kraft."
Teamkollege Julian Bell versprach: "Wir werden alles reinwerfen. Es ist auf jeden Fall etwas möglich. Wir geben Vollgas." Worte, die die Fans gerne hören und am Samstagabend noch lieber sehen würden. Von Anspannung ist in Giesing dagegen wenig zu spüren, was auch Kayabunar bestätigte.
Weber voraussichtlich für Kiel-Spiel fit
"Wir haben nach zwei Siegen in schweren Auswärtsspielen eine gute Stimmung im Team, wenngleich wir wissen, dass es eine schwere Aufgabe wird", so der 40-Jährige, für den es die Pokalpremiere als Cheftrainer wird.
Zur Verfügung stehen wird ihm dabei voraussichtlich wieder Routinier Felix Weber. Nach seiner Rippenverletzung nahm der Innenverteidiger am Abschlusstraining teil. "Wir werden es aber nochmal besprechen und bewerten", meinte Kayabunar, der gegen die Norddeutschen seine Spielweise im Vergleich zur Regionalliga leicht anpassen will.

Kayabunar schließt Überraschungen in der Startelf nicht aus
Auch Überraschungen in der Startelf schloss er nicht aus. "Wir wissen natürlich, dass Kiel den Ball haben will und dass sie eine klare Spielidee haben", sagte der Übungsleiter: "Wir haben aber auch die eine oder andere Idee." Heißt: Da scheint jemand einen Masterplan zu haben.
Übrigens: Elfmeterschießen haben die Münchner auch geübt. Eine Gruppe um Arian Calderon, Michael Eberwein, Lance Fiedler und Bell absolvierte nach dem Abschlusstraining eine Extraeinheit vom Punkt. Die Quote: stark! Einer der wenigen Versuche, der nicht im Netz landete, kam von Eberwein.
TSV 1860 hat Elfmeterschützen noch nicht festgelegt
Vor allem Bell suchte in den Abschlüssen das Risiko, knallte die Elfer unter die Latte. Ob er auch im Fall der Fälle am Samstagabend an den Punkt darf? Klar ist: Festgelegt hat Kayabunar die Schützen noch nicht. "Das machen wir ganz spontan", sagte er auf AZ-Nachfrage.
Die Giesinger wollen über mögliche Schützen nach Gefühl entscheiden. "Wir haben genügend erfahrene Spieler, mit denen wir das dann besprechen." Zunächst zählen aber ohnehin die 90 Minuten. In diese geht der TSV 1860 nach vier Jahren Pokalabstinenz voller Vorfreude.
Und wer weiß, womöglich gelingt den Löwen die Sensation, und man verspeist, wie auf der Choreo 2018, den Storch.