TSV 1860: Weißblauer Tragödienstadl - Wie sich die Löwen selbst zerfleischen

Nach der Wiederwahl von Robert Reisinger attackiert Hasan Ismaik den 1860-Präsidenten scharf, er wirft ihm "enorme schauspielerische Fähigkeiten" vor und nennt dessen Verhalten "niveaulos und unwürdig".
| Matthias Eicher
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Nicht die besten Freunde: Investor Hasan Ismaik (l.) und Löwen-Präsident Robert Reisinger.
Rauchensteiner/Augenklick/dpa/AZ Nicht die besten Freunde: Investor Hasan Ismaik (l.) und Löwen-Präsident Robert Reisinger.

München - Meine Damen und Herren, willkommen zum Komödienstadl!

Nicht nur einmal wurde den Löwen in der Vereinshistorie dieser wenig rühmliche Vergleich zuteil. Doch angeboten hat er sich aufgrund des fast notorischen Hanges zu Pleiten, Pech und Pannen ja oft. Mal heiter, mal aufregend, wie beim Relegationswahnsinn gegen Holstein Kiel 2015 oder dem Aufstieg aus der Regionalliga 2018.

Trauerspiel beim TSV 1860

Momentan schaut bei Sechzig aber vieles nach Trauerspiel aus. "Ich wünsche mir, dass wir wieder auf eine sachliche Ebene zurückkommen und diese persönlichen Diffamierungen sein lassen. Dann ist jede Diskussion sinnvoll und zweckdienlich", sagte Präsident Robert Reisinger, nachdem er bei der Mitgliederversammlung (hier geht's zum Newsblog) mit 64 Prozent für drei weitere Jahre zum Oberlöwen gewählt worden war. Das war gegen 16.30 Uhr.

Bis kurz vor Mitternacht hielt Reisingers frommer Wunsch. Dann betrat Hasan Ismaik die Bühne. Seine Plattform: Facebook. "Liebe Löwen, der Profifußball beim TSV 1860 hat mit der Wiederwahl von Reisinger einen weiteren Dämpfer abbekommen", schrieb Ismaik – oder wer auch immer dessen wortgewaltige Stellungnahmen verfasst: "In dieser Konstellation wird 1860 nicht mehr höher als 3. Liga spielen. Das ist eine Tragödie." Eine Tragödie, lateinisch "tragoedia" und griechisch "tragodía", ist ein tragisches Drama. Oder, wie eingangs erwähnt, ein Trauerspiel.

Die AZ zeigt, warum die Löwen bei allem amüsanten Unterhaltungswert auf dem besten Wege sind, ein weißblauer Tragödienstadl zu werden.

Sechzigs Tragödie im Überblick

Die Akteure: Hier Reisinger, Sinnbild für Sechzigs Konsolidierungskurs und - laut Ismaik - von der Hintergrund-Organisation "Pro1860" gesteuert. Dort Investor Ismaik, der aktuell kein Geld (in Form von Darlehen) geben darf: In der Stunde des Sieges spricht Reisinger davon, Geld-(Nicht-)Geber und Gegenspieler Ismaik "die Hand zu reichen". Der 55-Jährige bezeichnet als "Fake news", dass er "persönlich etwas gegen Ismaik habe, dass ich nicht mit ihm reden will". Stunden später wirft der Jordanier dem alten und neuen Oberlöwen vor, "Tatsachen verdreht" und "enorme schauspielerische Fähigkeiten bewiesen" zu haben.

Zudem habe dieser "seine Wähler wie in den letzten zwei Jahren getäuscht, um vor ihnen zu glänzen". Das sei "niveaulos und eines Präsidenten des TSV 1860 unwürdig". Reisinger riskiere mit seiner "Haltung" und dem strikten Sparkurs "den Abstieg". Eine Romanze wird's wohl nicht mehr. "Ich nehme das nicht persönlich, sondern sachlich und nicht emotional", so Reisinger.

Die Handlung: "Zwischen Champions League (Ismaiks einstiger Traum) und Insolvenz", könnte das Gesamtwerk heißen. Im aktuellen Kapitel versucht 1860, die Gratwanderung zwischen Konsolidierung und Drittliga-Klassenerhalt zu schaffen. Durch eine Kapitalerhöhung sollen Risiken auf mehrere Schultern verteilt werden – in Form einer Beteiligungsgesellschaft plus Fan-Anleihe. "Es soll nicht nur Investoren, sondern auch Crowdfunding geben. Mitglieder, die sich an der Beteiligungsgesellschaft beteiligen. Wenn du mal einen hast, der eine Million hinlegt oder zwei, hast du einen Grundstock, und andere springen auf", sagt Reisinger. Und Ismaik? "Wir sehen unter diesen Voraussetzungen keine weitere Gesprächsbasis. Eine vom Verein anvisierte Kapitalerhöhung ist für uns somit endgültig vom Tisch." (Lesen Sie dazu: Was das Ismaik-Veto für die Löwen bedeutet)

Nicht die besten Freunde: Investor Hasan Ismaik (l.) und Löwen-Präsident Robert Reisinger.
Nicht die besten Freunde: Investor Hasan Ismaik (l.) und Löwen-Präsident Robert Reisinger. © Rauchensteiner/Augenklick/dpa/AZ

Das Ende: Hätte Ismaik seine jüngste Unterschrift zur Stundung zur Sicherung der positiven Fortführungsprognose bis 2021 nicht geleistet, hätte Sechzig Insolvenz anmelden müssen. Noch bleibt er aus, der große Knall. Die Frage ist: Wie lange noch? Ein Einvernehmen zwischen Reisinger und Ismaik erscheint nach den Attacken Ismaiks kaum möglich. Eine Kapitalerhöhung hat sich ohne Ismaiks Zustimmung erledigt. Ohne die wird auch die Restrukturierung schwer.

Das Löwenreich bleibt leider zwischen Komödien- und Tragödienstadl gefangen. Einfach tragisch!

Lesen Sie auch: Thomas Schummer - Wie es zu den Pöbeleien gegen den Reisinger-Gegner kam

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