TSV 1860 reitet weiter die Euphoriewelle – doch es drohen schmerzhafte Ausfälle
"Wir müssen los, irgendwas schiebt und zieht uns. Uns umgibt der Glanz der Sonne, lass uns Wellenreiten geh’n – heute fallen wir hundertpro nicht vom Brett!"
Ob die Löwen in den letzten Wochen das Lied "Wellenreiten" von der Indie-Rock-Band "Sportfreunde Stiller" gehört haben, aus dem diese Textpassage stammt? Man könnte es fast glauben, zumindest scheint Trainer Markus Kauczinski irgendeinen Knopf gedrückt zu haben, der Sechzig zu weiß-blauen Wellenreitern macht.
Vier Spiele, vier Siege – der TSV 1860 hat es schon wieder getan. 5:0 beim TSV Havelse, 1:0 gegen Hansa Rostock, 2:1 bei der TSG Hoffenheim II, zuletzt das 2:1 am Dienstagabend gegen Erzgebirge Aue: Nach dem Hinrunden-Viererpack gegen den 1. FC Saarbrücken (2:0), beim SSV Ulm 1846 (1:0), gegen den 1. FC Schweinfurt 05 (3:1) und beim FC Ingolstadt 04 (2:1) gelang den Kauczinski-Kickern zum zweiten Mal in der laufenden Saison 2025/26 eine Serie von vier Dreiern in Folge.
"Irrsinnig wichtig": Schifferl freut sich nach erneutem Löwen-Sieg
"Für uns gilt es, diese Welle zu reiten", sagte Wellenreiter Raphael Schifferl, dessen persönliche Ungeschlagen-Serie im Jahr 2026 aufgrund seiner Nicht-Berücksichtigung bei der 1:2-Pleite beim VfB Stuttgart II hält: "Es ist natürlich cool und für die Mannschaft irrsinnig wichtig. Ich glaube, viel dürfen wir uns nicht mehr erlauben heuer – und wenn wir immer gewinnen, erlauben wir uns nichts."
Auch gegen Abstiegskandidat Aue war eine gewisse Giesinger Sturzgefahr gegeben, die man auf dem Brett "Wipeout" nennt: Auch gegen die Erzgebirgler ließen sich die Blauen letztlich nicht beirren – trotz einer Gästemannschaft, die um jeden Grashalm kämpfte, trotz eines etwas ängstlichen Auftakts, trotz eines verwehrten Handelelfmeters.
Kann Sechzig gegen Köln nachlegen?
"Zum Zuschauen war es bestimmt richtig nervenzehrend, für uns war eine Schlacht, die wir hintenraus geil verteidigt haben", urteilte Schifferl: "Das ist nicht richtig souverän, aber irgendwie dann doch, weil immer noch ein Mitspieler da ist." Gut auch für 1860, dass der aufziehende Nebel kein Abwurfgrund war, sondern vielmehr das 2:1 durch den nordischen Eismeer-Surfer Sigurd Haugen nach sich gezogen hat.
Nun folgt gleich das nächste Duell am Freitag bei Viktoria Köln (19 Uhr), bei dem 1860 eine gute Figur machen will. Stichwort weitersurfen. "Unser Ziel ist natürlich, das fünfte Spiel dazu zu packen", sagte Kauczinski, nur einen Tag nach dem Aue-Dreier. Der 56-Jährige stellte klar, dass Sechzig dazu weiter am eigenen Stehvermögen feilen müsse: "Es ist ein ständiges Arbeiten. Gleichzeitig müssen wir Dinge hinter uns lassen. Wir haben gesehen, dass wir Dinge überstehen können, dass es nicht perfekt sein muss, um zugewinnen."
Fragezeichen bei Verlaat, Haugen und Volland angeschlagen
Was das Personal angeht, dürfte Hobbysurfer und Kapitän Jesper Verlaat, der an der portugiesischen Küste seine Wahlheimat hat, weiter zusehen. "Ich kann noch nicht genau einschätzen, was er imstande ist zu leisten", sagte Kauczinski nach der langen Ebbe des Spielführers in Sachen Spielzeit ehrlich.
Bei Matchwinner Haugen und Routinier Kevin Volland deutete er Blessuren an, und fragt sich noch, was sie "im Tank haben", Ausfälle wären jedenfalls bitter. Das Duo Philipp Maier und David Philipp steht dagegen wieder parat und könnte von Kauczinski direkt wieder ins Wasser geworfen werden.
Dort gilt, was Schifferl sagt und wovon die Sportfreunde Stiller singen: weiter Wellenreiten – und bloß nicht vom Brett fallen. . .
