1860-Präsident Mang watscht 2026er-Löwen ab und schickt Gruß an Ismaik

Die Feier zum 60. Meister-Jubiläum steht im Schatten des Bangens um die Zukunft des TSV 1860. Präsident Gernot Mang watscht das 2026er-Team ab und schickt Grüße an Hasan Ismaik, der zumindest von einer der angeblich sieben Forderungen absieht.
von  Matthias Eicher
Gernot Mang  teilt bei den Feierlichkeiten zum 60 Jahrestag aus.
Gernot Mang teilt bei den Feierlichkeiten zum 60 Jahrestag aus. © sampics

"Das Licht am Ende des Tunnels ist bei Sechzig München meist ein entgegenkommender Zug", sagte Stadionsprecher und Moderator Basti Schäch treffend am Donnerstagabend im "Pschorr" am Viktualienmarkt und forderte mit diesem auf Giesings turbulenten Höhen schon bekannten Zitat alle rund 160 Anwesenden dazu auf, den feierlichen Fokus auf den Anlass der Veranstaltung zu richten: 60 Jahre Meisterschaft!

Ein frommer Wunsch, den weder der Oberlöwe, noch Investor Hasan Ismaik oder die Meisterlöwen angesichts der bedrohlichen Lage der Giesinger beherzigen konnten.

Präsident Gernot Mang bestückte schon seine Begrüßungsrede mit einigen polarisierenden Botschaften. Der 57-Jährige verneigte sich zunächst vor den anwesenden Meisterspielern Fredi Heiß, Bernd Patzke und Hansi Reich, nur um gleichzeitig den aktuellen Aufstiegsversagern einen mitzugeben: "Ihr habt alles für den Verein gegeben – das ist etwas, das ich leider nicht von der Mannschaft in dieser Saison sagen kann."

1860-Präsident Mang: "Wir gehören schon gar nicht in die Vierte Liga"

Ob sich in diese Sicht der Dinge auch eine Menge Enttäuschung über die verpasste Zweitliga-Rückkehr mischt, auch nach der Kurskorrektur mit dem Doppel-Rauswurf von Ex-Coach Patrick Glöckner und Ex-Geschäftsführer Christian Werner? Es passte jedenfalls ins Bild dieser abendlichen Mischung aus Folklore und Frust, dass der komplette aktuelle Profi-Tross um Trainer Markus Kauczinski, Boss Manfred Paula sowie dem aktuellen (Rumpf-)Team im Urlaub weilt.

Die Löwen-Legenden Fredi Heiß, Hansi Reich, Bernd Patzke und Ludwig Bründl (v.l.) präsentieren die Meisterschale, die sie 1966 mit dem TSV 1860 errungen haben.
Die Löwen-Legenden Fredi Heiß, Hansi Reich, Bernd Patzke und Ludwig Bründl (v.l.) präsentieren die Meisterschale, die sie 1966 mit dem TSV 1860 errungen haben. © sampics

"Wir vom Präsidium stehen ganz klar für einen erfolgreichen Profifußball", stellte Mang klar und schob nach: "Wir gehören nicht dauerhaft in die Dritte Liga – und ich kann nur sagen: Wir gehören schon gar nicht in die Vierte Liga." Inwieweit Sechzig dieses Szenario blüht, dazu äußerte er sich nicht. Auf AZ-Nachfrage meinte Mang nur, dass er "entspannt" sei.

"Nur, wer Respekt vorlebt, kann auch selbst Respekt erwarten"

Nachdem Mang dem ebenfalls anwesenden Aufsichtsratschef Herbert Bergmaier für seine Mühen zur Lösung des Konflikts mit Ismaik gedankt hatte, sprach er Worte aus, die einem Seitenhieb in Richtung des Jordaniers gleichen: "Nur, wer Respekt vorlebt, kann auch selbst Respekt erwarten."

Wer Ismaik kennt, der weiß, dass Respekt gemäß der arabischen Mentalität der Schlüssel für das Gelingen jeglicher Verhandlungen darstellt. Ob Mang damit seine Wählerschaft bedienen wollte – und diplomatische Worte im Hinblick auf eine zu findende Einigung mit Ismaik nicht taktisch klüger gewesen wären?

Der Aufsichtsratvorsitzende Herbert Bergmaier (r.) im Gespräch mit Verwaltungsrat Sebastian Seeböck.
Der Aufsichtsratvorsitzende Herbert Bergmaier (r.) im Gespräch mit Verwaltungsrat Sebastian Seeböck. © sampics

Ismaik selbst meldete sich am Dienstagabend kurz vor Veranstaltungsbeginn mit einer philosophisch-kryptischen Botschaft, die darauf hindeutet, dass er mit der ursprünglichen Übersetzung seiner Aussagen tags zuvor wohl nicht zufrieden gewesen ist. Seine Worte zeigen auch, dass er auf seine ganz eigene Art und Weise an 1860 zu hängen scheint. Ob dies für den TSV vor dem Hintergrund des Konflikts positiv oder negativ zu bewerten ist, bleibt unklar.

Ismaik fordert doch keinen Verzicht auf Vorerwerbs- und/oder Vorkaufsrechte

Ismaik deutet in einer weiteren Nachricht, die er der AZ und weiteren Medien sendete, allerdings eine mögliche Einigung an: "Zum Status können wir nur mitteilen, dass wir auf eine Rückmeldung des e.V. warten und uns mit der Geschäftsführung der KGaA im Austausch befinden." Dass dieser Austausch laut "SZ" mit Paula als Notgeschäftsführer teils auf juristischem Wege stattfindet, erwähnte Ismaik nicht.

Der Investor stellte allerdings klar, dass HAM "entgegen der kursierenden Information von dem e.V. nicht den Verzicht auf Vorerwerbs- und/oder Vorkaufsrechte fordern." Dies könnte der Schlüssel zur Rettung der Blauen sein, da die restlichen sechs Forderungen für den e.V. leichter erfüllbar scheinen.

Und was sagt das Meisterlöwen-Trio? "Die Beschimpfungen gegen Ismaik sind unsäglich", grantelte Reich, Heiß wünsche dem Jordanier "einen respektvollen Ausstieg" und Patzke hätte "nichts gegen neue Investoren" - denn sie alle wissen, dass das Licht am Ende des Tunnels bei 1860 ohne irgendeinen Geldgeber nur ein entgegenkommender Zug sein kann.

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.